Bei der privaten Rettungsaktion für den vor der Insel Poel liegenden Buckelwal hat Tag 2 begonnen. Sechs Helfer fuhren kurz nach 8.00 Uhr auf Booten im Morgennebel zu dem Tier und überprüften seinen Zustand, wie im Livestream von News5 zu sehen war. Sie erneuerten ein nasses Tuch auf dem Rücken des Wals.

Anschließend reagierte der Wal mit heftigen Bewegungen auf einen sich nähernden Taucher. Das Tier schlug heftig mit der Schwanzflosse und drehte sich um beinahe 90 Grad. Die Helfer zogen sich daraufhin vom Tier zurück, das sich wieder beruhigte.

Vor dem geplanten Rettungsversuch hat sich Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) optimistisch gezeigt. „Wir sind zu der Überzeugung gekommen, dass es diese Chance gibt, dass dieses Projekt erfolgreich sein wird“, sagte Backhaus am Freitag vor Ort. „Es gibt Hinweise – worüber ich mich sehr freue: Der Wal ist doch in einem besseren Zustand, als andere es vermutet haben“, zitiert der NDR den Politiker.

Der Minister betonte aber die Verantwortung der privaten Initiative. „Wenn dem Tier Schaden zugefügt wird, dann tragen die die Verantwortung und das kann gegebenenfalls auch zu weiteren Schritten führen“. Der Staat werde die Maßnahmen überwachen. Es gelte weiterhin, dass der Wal „ein schwer kranker Patient“ sei.

Konzept angepasst?

Eine vom dem Mediamarkt-Mitgründer Walter Gunz sowie der Unternehmerin Karin Walter-Mommert finanzierte Rettungsinitiative will das in flachem Wasser liegende Tier freispülen. Dann will man es mit einem System aus Luftkissen und Schwimmpontons anheben. Anschließend soll es bis in die Nordsee oder den Atlantik geschleppt werden. Dabei lief bisher offenbar nicht alles nach Plan.

Ursprünglich sollte die Rettung bereits am Donnerstag beginnen, sie wurde jedoch verschoben. Das Konzept soll angepasst worden sein, berichtet „News5“.

Livestream von News5

Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen von unseren Redakteuren ausgewählten, externen Inhalt, der den Artikel für Sie mit zusätzlichen Informationen anreichert. Sie können sich hier den externen Inhalt mit einem Klick anzeigen lassen oder wieder ausblenden.

Externen Inhalt anzeigen

Ich bin damit einverstanden, dass mir der externe Inhalt angezeigt wird. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr Informationen dazu erhalten Sie in den Datenschutz-Einstellungen. Diese finden Sie ganz unten auf unserer Seite im Footer, sodass Sie Ihre Einstellungen jederzeit verwalten oder widerrufen können.

Der Wal irrt bereits seit Anfang März vor der deutschen Ostseeküste umher. Er strandete mehrfach vor Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommmern, zuletzt setzte er sich bei der Insel Poel auf Grund.

Tier liegt wahrscheinlich im Sterben

Nach Einschätzung des Umweltministeriums Mecklenburg-Vorpommerns und weiterer Fachleute ist das im Internet „Timmy“ und „Hope“ getaufte Tier in sehr schlechtem Zustand, höchstwahrscheinlich krank und liegt vermutlich im Sterben. Mehrfachstrandungen gelten als Zeichen für massive Probleme.

Offiziell waren alle Rettungs- und Hilfsversuche für den nahezu bewegungslos daliegenden Wal vor etwas mehr als zwei Wochen als sinnlos und potenziell tierquälend beendet worden. Ein wissenschaftliches Gutachten bestätigte dies vor einer Woche.

Als womöglich letzte Chance für den Wal billigte Backhaus am Mittwoch allerdings das von der Initiative vorgelegte Rettungskonzept. Diese selbst betonte, der Ausgang ihres Rettungsversuchs sei „nicht vorhersehbar“. Backhaus betonte am Freitag, es sei „nach intensiver Prüfung dieses Antrags entschieden“ worden, „dass wir das dulden“. Das Vorhaben sei „im Sinn des Tierwohls und am Ende natürlich auch im Sinn dieses Wals“.

Nabu, Greenpeace und Biologen zeigen sich kritisch

Der Leiter der Abteilung Meeresschutz beim Naturschutzbund Deutschland (Nabu), Kim Detloff, ist von der Rettungsaktion rund um den gestrandeten Wal vor der Insel Poel überrascht. „Dieser massive öffentliche Druck hat dazu geführt, eine Entscheidung zu treffen, die man vor einer Woche hätte treffen müssen“, sagte Detloff der Deutschen Presse-Agentur. Dass die Rettung gelingt, glaubt der Experte nicht.

„Ich bin skeptisch gegenüber diesem Versuch der Befreiung des Wals“, sagte Meeresbiologe und Walforscher Fabian Ritter vom Verein M.E.E.R. dem Tagesspiegel. Zwar sei der Rettungsplan nach bestem Wissen erarbeitet worden. Doch „selbst die jetzt an der Rettungsaktion Beteiligten geben keinerlei Garantie, dass es klappt. Es gibt zu viele Unwägsamkeiten“.

Von einer Rettung werde man erst sprechen können, „wenn der Wal es unbeschadet schafft, wieder frei zu schwimmen und Nahrung aufzunehmen, und zwar über mehrere Wochen“. Davon sei man aber weit entfernt. „Ich fürchte, hier wird gerade Aktionismus betrieben, der auch eine Gefahr für den Wal sein kann“. Die Risiken seien zu hoch, dass das Leiden des Wals vergrößert werde. Ritter finde es zudem „merkwürdig, dass zu diesem Zeitpunkt keine der bisherigen beteiligten Experten einbezogen wurden“.

Der Meeresbiologe Boris Culik verwies auf die Netzreste im Maul des Tieres. Man müsse den Wal nun dazu bringen, sein Maul zu öffnen. „Wenn man ihn nicht davon befreit, wie soll er sich dann ernähren und wieder zu Kräften kommen? Dann ist es letztlich der Abtransport eines sterbenden Tieres in andere Gewässer.“

Und weiter: „Für die Landesregierung in Mecklenburg-Vorpommern ist das ja ein Glücksfall, dass jetzt ein privater Investor kommt und denen den Wal wegtransportiert“. Die Landesregierung sei für alles innerhalb der 12-Meilen-Zone zuständig. „Wenn der jetzt da gestorben wäre, hätten Sie ihn entsorgen müssen. Das wäre dann zulasten der Landeskasse gegangen.“ Herr Backhaus entledige sich damit zudem des Problems, dass er persönlich verantwortlich gemacht werde, wenn der Wal in Mecklenburg-Vorpommern stirbt.

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace beteiligt sich nicht an dem neuen Versuch. „Wir unterstützen die Rettungsaktion nicht, denn nach allen uns vorliegenden Informationen ist dieser Wal krank und stark geschwächt“, teilte eine Sprecherin mit.

Greenpeace habe sich in den vergangenen Tagen an den Rettungsversuchen beteiligt. „Jetzt konzentrieren wir unsere Arbeit darauf, den Schutz der Meere auch als Lebensraum der Wale voranzubringen.“

Lesen Sie außerdemRettungsaktion für sterbenden „Timmy“ Ein populistischer Wal-Kampf Drama um sterbenden Buckelwal Timmy Jetzt kommen auch noch die Extremisten Minister Till Backhaus über den Wal „Timmy“ „Seine Rufe lassen mich nicht mehr los“ Experten nicht an neuem Rettungsversuch beteiligt

Das Deutsche Meeresmuseum, das bislang eng in die Bewertung der Lage des Wals eingebunden war, hatte am Mittwoch ebenfalls mitgeteilt, dass es nicht in die Vorbereitungen der Lebendbergung einbezogen wurde. Auch das gesamte Konzept liege dem Museum nicht vor. (AFP/dpa/Tsp)