16. April 2026

Lee Schlenker

Trump und Rubio

US-Präsident Donald Trump ließ offenbar Vorbereitungen für einen Militärschlag gegen Kuba treffen

(Bild: Joey Sussman/Shutterstock.com)

Die Trump-Regierung bereitet offenbar Militärschläge gegen Kuba vor. Berichte deuten auf Entführungspläne nach Vorbild Venezuelas hin. Ein Gastbeitrag.

Obwohl die Trump-Regierung im Iran tief in einem unbeliebten, kostspieligen und blutigen Krieg steckt, scheint sie ihre Vorbereitungen für ein militärisches Vorgehen gegen Kuba zu intensivieren – nach Wochen relativer Ruhe zwischen den beiden Ländern.

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So berichtete das Nachrichtenportal Zeteo am Dienstag, dass „Beamte im Pentagon und anderswo in der US-Regierung stillschweigend eine neue Direktive direkt aus dem Weißen Haus erhielten, um […] die Vorbereitungen für mögliche Militäroperationen gegen Kuba zu intensivieren“.

Drehbuch Venezuela

Lee Schlenker

Unser Gastautor Lee Schlenker

(Bild: RS)

Unter Berufung auf zwei mit der Angelegenheit vertraute Quellen sowie eine weitere eingeweihte Person berichtete Zeteo, dass Präsident Trump zunehmend ungeduldig mit Kubas Präsidenten Miguel Díaz-Canel werde – angesichts von dessen offener Missachtung der Drohungen US-amerikanischer Regierungsvertreter, und das trotz einer von Washington verhängten nahezu vollständigen Ölblockade.

Dies habe Trump dazu gebracht, die Entführung führender kubanischer Regierungsvertreter in Erwägung zu ziehen – in einer Operation ähnlich jener, die den venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro im Januar zu Fall brachte.

Dies wäre laut Zeteo das mutmaßliche Endergebnis einer breit angelegten Untersuchung des Justizministeriums gegen kubanische Regierungsvertreter wegen „Drogen-, Migrations-, Wirtschafts- und Gewaltverbrechen mit dem Ziel schneller Anklagen“, wie die New York Times kürzlich berichtete.

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Die Enthüllungen von Zeteo folgen auf Trumps Aussage gegenüber Reportern im Weißen Haus am Montag, man könne „in Kuba vorbeischauen, wenn wir hier fertig sind“, mit Bezug auf den US-Krieg gegen den Iran. Dies geschah trotz der Dementis eines hochrangigen Pentagon-Vertreters im vergangenen Monat, demzufolge die Regierung weder „eine Invasion Kubas probt“ noch „aktiv eine militärische Übernahme der Insel vorbereitet“.

Anhaltende Energieblockade

Kurz nach der Veröffentlichung des Berichts kündigte Senator Tim Kaine an, in der kommenden Woche im Senat über eine Resolution zu den Kriegsbefugnissen abstimmen zu lassen, um die Regierung daran zu hindern, ohne ausdrückliche Zustimmung des Kongresses militärische Maßnahmen gegen Kuba zu ergreifen.

Kaine, der betonte, ein Regimewechsel in Kuba solle keine Priorität der USA sein, hatte bereits Anfang des Monats gemeinsam mit 51 weiteren Kongressmitgliedern einen Brief an Trump geschickt. Darin wird die anhaltende US-Treibstoffblockade gegen Kuba verurteilt. „Indem Ihre Regierung einen beschleunigten Energiezusammenbruch herbeiführt“, heißt es darin, „hat sie die Verantwortung für das Leiden Kubas von der kubanischen Regierung weg und direkt auf die Vereinigten Staaten verlagert.“

Díaz-Canel wiederum startete kürzlich eine Medienoffensive in den USA, in der er vor allem seine Präferenz für Dialog und Zusammenarbeit mit Washington bekräftigte, zugleich aber erklärte, Kuba werde sich im Falle eines militärischen Angriffs der USA verteidigen. „Wenn wir sterben müssen, dann sterben wir“, sagte er in der NBC-Sendung „Meet the Press“.

Vorwände sind bereits gefunden

Unterdessen scheinen sich die Vorwände für eine weitere Eskalation der USA gegen die Insel zu mehren. So berichtete Axios am Dienstag, die Trump-Regierung habe dem Kongress mitgeteilt, sie gehe davon aus, dass die kubanische Regierung daran beteiligt gewesen sei, Russland mit bis zu 5000 Soldaten für dessen Krieg in der Ukraine zu versorgen. Dieser Vorwurf wird von den kubanischen Behörden entschieden zurückgewiesen.

„Die öffentlich zugänglichen Informationen belegen nicht, dass Havanna offiziell alle kubanischen Kämpfer entsandt hat“, heißt es in dem fünfseitigen, nicht geheimen Bericht der Regierung. „Es gibt jedoch erhebliche Hinweise darauf, dass das Regime den Zustrom wissentlich toleriert, ermöglicht oder selektiv gefördert hat.“

Die Darstellung, dass Kubaner – die angesichts einer anhaltenden humanitären Krise im Ausland nach wirtschaftlichen Chancen suchen und dazu auch visafrei nach Russland reisen – im Ukrainekrieg kämpfen, wurde bereits im vergangenen Oktober von US-Diplomaten genutzt, um Widerstand gegen eine jährliche UN-Resolution zu mobilisieren, die das seit 66 Jahren bestehende US-Handelsembargo verurteilt.

Der Bericht soll voraussichtlich bei der mit Spannung erwarteten Anhörung des Auswärtigen Ausschusses des Repräsentantenhauses am Donnerstag eine Rolle spielen, wie aus Quellen verlautet.

Russischer Öltanker unterwegs

Die mutmaßlichen Vorbereitungen für militärische Operationen in Kuba folgen auf eine scheinbare Entspannung der bilateralen Beziehungen Ende März, als die USA einem russischen Öltanker mit 730.000 Barrel Rohöl das Anlegen im Hafen von Matanzas gestatteten und der Insel damit vorübergehend Erleichterung in ihrer Energiekrise verschafften. Kuba ließ daraufhin 2010 Gefangene frei – die größte Massenamnestie seit über einem Jahrzehnt.

Nachdem Kuba US-Botschaftsmitarbeitern in Havanna erlaubt hatte, Treibstoff für eigene Zwecke zu importieren, machte sich ein weiterer russischer Öltanker – die unter US- und EU-Sanktionen stehende „Universal“ – auf den Weg in die Karibik. Das Schiff passierte in der vergangenen Woche den Ärmelkanal und wird voraussichtlich am 29. April in Kuba eintreffen.

Am Mittwoch erklärte der russische Außenminister Sergej Lawrow in China gegenüber Reportern, sein Land sei entschlossen, weiterhin Öl als humanitäre Hilfe nach Kuba zu liefern. Dieses werde bereits genutzt, um die Stromerzeugung über zwei vor der kubanischen Küste eingesetzte türkische Kraftwerksschiffe wieder aufzunehmen. Diese waren im vergangenen Jahr wegen hoher Betriebskosten und fehlenden Treibstoffs abgezogen worden.

Reformen und Dialogangebot aus Havanna

Die Vereinbarung über russische Treibstofflieferungen folgte auf Schritte der USA, Treibstoffverkäufe an den privaten Sektor Kubas zu genehmigen und die humanitäre Hilfe für die vom Hurrikan betroffene Ostregion des Landes auszuweiten. Kuba wiederum ließ mit Vermittlung des Vatikans politische Gefangene frei, lockerte Beschränkungen für private Unternehmen und erlaubte Kubanern in den USA, ohne Wohnsitz auf der Insel dort Unternehmen zu besitzen und zu investieren.

Gleichzeitig bekräftigten kubanische Vertreter mehrfach, dass sie die USA einladen möchten, sich an der wirtschaftlichen Transformation des Landes zu beteiligen. In diesem Zusammenhang kündigte Kuba kürzlich die Liberalisierung des staatlichen Agrarsystems, die Dezentralisierung der öffentlichen Verwaltung sowie einen verbesserten Zugang zu harter Währung über staatliche Finanzinstitutionen an. Details zur Umsetzung und zum Umfang dieser Maßnahmen sind jedoch noch unklar.

Brief an Trump

Unter Berufung auf Regierungsvertreter berichtete das US-Staatsmedium Martí Noticias diese Woche, dass der Enkel und Leibwächter des ehemaligen Präsidenten Raúl Castro, der kürzlich mit Gesandten des Außenministeriums zusammentraf, sogar versucht habe, Präsident Trump am vergangenen Wochenende über einen privaten Mittelsmann einen Brief auf offiziellem Regierungspapier zu übermitteln. Der Bote sei jedoch wegen fehlender offizieller Akkreditierung zurückgewiesen worden.

In englischsprachigen Medien wurde nicht über den Brief berichtet, der laut Berichten darauf abzielte, direkten Zugang zu Trump zu erhalten und Außenminister Marco Rubio zu umgehen, einen langjährigen Befürworter eines Regimewechsels in Havanna.

Rubio hatte erklärt, die angekündigten Reformen Kubas seien unzureichend, und stattdessen umfassende politische und wirtschaftliche Veränderungen gefordert.

Kuba als nützliche Ablenkung?

Während die diplomatischen Fortschritte zwischen beiden Ländern ins Stocken geraten sind, könnten erneute Drohungen eines US-Militäreinsatzes gegen eine kleine Insel vor der eigenen Küste für eine Regierung, die im Nahen Osten in einem selbst geschaffenen Sumpf steckt, als nützliche Ablenkung dienen: mit über einem Dutzend getöteter US-Soldaten, stark steigenden Benzinpreisen im Wahljahr und einer nach unten korrigierten Wachstumsprognose, die eine globale Rezession auslösen könnte.

Obwohl Trump noch keine endgültige Entscheidung über ein militärisches Vorgehen gegen Kuba getroffen hat und unklar bleibt, wie die langfristige Strategie der Regierung gegenüber der Insel aussieht, warten einige Kongressmitglieder nicht ab, bis ein Angriff erfolgt.

„Wenn ein anderes Land den Zugang der USA zu Öl blockieren würde, so wie es die Trump-Regierung gegenüber Kuba tut, würden Amerikaner das als Kriegshandlung betrachten“, sagte Kaine. „Diese Kriege, einschließlich eines möglichen neuen Angriffs auf Kuba, sind ohne Abstimmung im Kongress illegal.“

Lee Schlenker ist wissenschaftlicher Mitarbeiter im Programm „Global South“ am Quincy Institute for Responsible Statecraft und Masterstudent im Fach Lateinamerikastudien an der Edmund A. Walsh School of Foreign Service der Georgetown University.

Dieser Text erschien zuerst bei unserem Partnerportal Responsible Statecraft auf Englisch