Karl Weingrill managte zwölf Jahre lang das EKZ west in Innsbruck. Hier sei es im Vergleich zu anderen Handelsstandorten besonders spannend.

🎧 Podcast | Karl Weingrill im Gespräch

Herr Weingrill, Sie stehen kurz vor einem neuen Lebensabschnitt, da Sie bald Ihre Pension antreten. Wie fühlt sich das an?

Karl Weingrill: Es ist ein gemischtes Gefühl. Einerseits freue ich mich, nach 65 Jahren und einem langen beruflichen Werdegang in den Ruhestand zu gehen. Andererseits verlasse ich Innsbruck mit einem weinenden Auge. Ich habe mich hier in den vergangenen zwölf Jahren als Ostösterreicher sehr wohl gefühlt und glaube, dass wir mit einem großartigen Team im Einkaufszentrum west in Innsbruck einiges bewegen konnten. Das wird mir definitiv fehlen.

Wie war der Zustand des Einkaufszentrums, als Sie hier angefangen haben?

Weingrill: Raiffeisen Leasing hat das Center 2014 vollständig übernommen. Es war zwar erst vier Jahre alt, doch der Branchenmix und die Infrastruktur waren noch nicht optimal. Mit der Übernahme haben wir als Team sofort daran gearbeitet, das Potenzial des Standorts in der Höttinger Au zu nutzen und das Einkaufszentrum zu einem Stadtteil-Treffpunkt zu machen, der heute sehr gut etabliert ist.

Wie bewerten Sie den Handelsstandort Innsbruck im Vergleich zu anderen Städten?

Weingrill: Innsbruck ist ein spannender und umkämpfter Markt. Die Einwohnerzahl und die Flächenkapazität sind relativ hoch und damit auch der Wettbewerb. Wichtig ist, dass jedes Einkaufszentrum sein Profil schärft und sich klar positioniert. Das Einkaufszentrum west hat dies mit seinem Konzept als Treffpunkt und Multifunktionscenter gut geschafft.

Der stationäre Handel steht sehr unter Druck, ist er in Gefahr, wird er überleben?

Weingrill: Ich bin überzeugt, dass der stationäre Handel überleben wird, auch wenn er sich verändern muss. Der richtige Branchenmix und die Anpassung an die Bedürfnisse der Kundinnen und Kunden wie im West sind entscheidend.

Wie leicht ist es überhaupt noch für ein Einkaufszentrum Mieter zu finden?

Weingrill: Das hat sich in den vergangenen Jahren etwas verändert. Es ist schwieriger geworden entsprechende Mieter zu finden. Aber es gibt sie noch, nur nicht mehr so häufig. Es sind die großen Handelsketten, die noch expandieren. Die Einzelhändler, wie es sie früher gegeben hat, werden leider immer weniger. Echte Einzelunternehmer für Flächen in einem Einkaufszentrum zu begeistern ist nicht einfach.

Welche anderen Branchen außer Fitnesscenter könnten sich für Einkaufszentren eignen? Der Sillpark setzt beispielsweise auf ein Gesundheitszentrum.

Weingrill: Das ist sicher ein Bereich, der künftig vermehrt in Einkaufszentren zu finden sein wird. EKZ werden sich sicher verstärkt um Primärversorgungszentren bemühen. Sie sind Frequenzbringer und von der Politik gewünscht. Derzeit habe ich keine Fläche für so eine Nutzung frei, aber so eine Gesundheitseinheit würde auch gut ins west als Stadtteilcenter passen.

© Axel Springer

Zur Person

Karl Weingrill ist gebürtiger Wiener, er war 12 Jahre für das EKZ west verantwortlich. Nun geht er in Pension und freut sich auf seine Enkelkinder und aufs Reisen.

EKZ west: Das Einkaufszentrum im Westen von Innsbruck ist eines der ersten, das Bildungseinrichtungen wie die Volkshochschule und ein Gymnasium beherbergt.