
Eine Zugfahrt aus der Stadt zum Stadion und zurück wird Fans bei der WM umgerechnet 127 Euro kosten – eine Lokalpolitikerin legt sich nun mit der FIFA an.
Die FIFA stelle keinen Dollar für den Transport der Fans zum Stadion in New Jersey bereit, sagte Mikie Sherrill, Gouverneurin des Bundesstaats New Jersey. Gleichzeitig stehe der Fußball-Weltverband vor Einnahmen in Höhe von 11 Milliarden US-Dollar, während New Jersey die Rechnung von 48 Millionen US-Dollar für den Transport bezahlen soll. „Ich werde New Jerseys Pendler nicht jahrelang mit dieser Rechnung belasten“, sagte Sherrill von der demokratischen Partei. „Die FIFA sollte für die Fahrten zahlen. Aber wenn sie es nicht tut, werde ich nicht zulassen, dass New Jersey reingelegt wird.“
Die Hin- und Rückfahrt mit dem Zug bei den Spielen im Stadion in New Jersey weit außerhalb von New York soll jeden Fan 150 US-Dollar kosten, das sind umgerechnet rund 127 Euro. Das bestätigte der Verkehrsbetrieb New Jersey Transit am Freitag. Normalerweise liegt der Preis bei 12,90 Dollar.
In New Jersey findet auch das Spiel der deutschen Mannschaft gegen Ecuador am 25. Juni sowie das Finale am 19. Juli statt. Insgesamt sind dort acht Spiele vorgesehen.
Mikie Sherrill, Gouverneurin des Bundesstaates New Jersey
FIFA reagiert: Vereinbarung sah anders aus
Die FIFA hatte schon vor der offiziellen Bestätigung des Preises auf die Äußerungen Sherrills reagiert und geschrieben, dass mit Städten bei der WM-Vergabe 2018 vereinbart worden sei, dass es einen kostenfreien Transport geben müsse. Später sei diese Vereinbarung gelockert worden, indem Städte ohne Gewinne Fahrpreise erheben dürfen.
Der Verband verwies darauf, dass das Turnier wirtschaftlich positive Effekte für die Gastgeber habe. Auch andere Veranstalter müssten nicht für den Transport von Fans bezahlen.
Der Bahnhof Meadowlands Sports Complex, der das MetLife Stadium mit New Jersey verbindet
Kritik bekam die Gouverneurin von ihrer Parteifreundin Kathy Hochul, Gouverneurin von New York. „Die Weltmeisterschaft sollte so erschwinglich und zugänglich wie möglich sein. Mehr als 100 Dollar für eine kurze Zugfahrt zu verlangen, kommt mir erschreckend hoch vor“, teilte sie mit. Doch erschwinglich ist die WM ohnehin kaum.
FIFA vor Rekordeinnahmen, Parkplätze für mehr als 200 US-Dollar
Die FIFA erwartet in ihrem Finanzzyklus 2023 bis 2026 Rekordeinnahmen in Höhe von 11 Milliarden US-Dollar. Die FIFA fordert hohe Ticketpreise, beim Finale können reguläre Karten außerhalb des VIP-Bereichs 11.000 US-Dollar kosten. Zudem gelten hohe Parkgebühren.
Wer das Auto dem Zug vorzieht, muss bei Deutschland gegen Ecuador 225 US-Dollar für einen Parkschein bezahlen. Ein Bus fährt von New York aktuell für 18 US-Dollar zum Stadion und zurück – ob dieser Preis auch bei der WM gilt, ist nicht klar.
Fans stehen auch bei der Unterbringung vor hohen Kosten, die Eintrittskarten und Anreise zu den Spielen sind ohnehin hoch.
Auch Boston vor Verneunfachung der Fahrpreise
Das gilt nicht nur für die Spiele in New York/New Jersey. Die Bahnbetreiber in Boston kündigten an, dass eine Fahrt aus der Stadt zum Stadion und zurück während der WM 80 US-Dollar kosten wird. Außerhalb von Spieltagen kostet das 8,75 US-Dollar, die Erhöhung wäre also rund das Neunfache. Bei Football-Spielen der NFL sind es 20 US-Dollar.
Deutschland würde in Boston spielen, wenn das Team Gruppensieger wird. Die Alternativen: Der Bus soll 95 US-Dollar kosten, ein Parkplatz 220 US-Dollar.