
Sechs Planeten in Reihe am Abendhimmel: Die seltene Planeten-Parade sorgt derzeit für ein besonderes Schauspiel. Die Bedingungen für Beobachtungen sind günstig – das Wetter dürfte mitspielen.
Selbst für erfahrene Sternenbeobachter ist ein solches Spektakel etwas Besonderes: Bereits jetzt zeigen sich fünf Planeten am frühabendlichen Himmel. Ab Samstag wird sich auch die Venus zu Jupiter, Uranus, Saturn, Neptun und Merkur in einer Planeten-Parade gesellen.
An der Volkssternwarte Darmstadt beobachtet Bernd Scharbert, erster Vorsitzender des Vereins, die Himmelskörper. „Damit man eine Planeten-Parade hat, müssen viele Planeten auf der gleichen Seite der Sonne stehen, nur dann kann man sie am Nachthimmel sehen“, erläuterte er. Den Mars könne man derzeit nicht sehen, „weil er ganz nah bei der Sonne ist und schlecht beobachtbar ist“.
Beobachtungen nur direkt nach Sonnenuntergang möglich
Wer die Planeten-Parade sehen will, muss schnell sein: Nur direkt nach dem Sonnenuntergang steht Merkur tief im Westen, Venus leuchtet darüber, und auch Jupiter ist direkt darüber gut zu erkennen. „Der Abstand von Merkur und Venus zur Sonne ist ungefähr die Breite einer Faust“, erklärte Scharbert.
In der Nacht zum Donnerstag könnten die Beobachtungsbedingungen bei geringer Bewölkung gut sein. Auch die Nacht zum Freitag verläuft wohl niederschlagsfrei. Eingangs der Nacht auf Samstag ist es voraussichtlich ebenfalls noch klar oder nur gering bewölkt. Im Verlauf könnte der Himmel dann allerdings bedeckt sein.
ESA-Sonde unterwegs zum Merkur
Während an der Volkssternwarte die Planeten mit dem Auge gesucht werden, werden sie ein paar Kilometer weiter in Darmstadt am Europäischen Satellitenkontrollzentrum mit Sonden der ESA auch angesteuert.
„Zum Merkur, der auch Teil dieser Planeten-Parade ist, haben wir vor sieben Jahren eine Sonde losgeschickt“, sagte Florian Renk, der als Leiter der Flugdynamik an den europäischen Missionen beteiligt ist. „Die Sonde ‚BepiColombo‘ wird auf diesem Weg schon fast zehn Milliarden Kilometer durch unser Sonnensystem zurückgelegt haben.“
Eine künstlerische Darstellung des Vorbeiflugs von BepiColombo am Merkur.
Die Sonde soll im Dezember nach fast acht Jahren ankommen. „Hier in Darmstadt überwachen wir den Flugweg, dass wir auch wirklich am Merkur ankommen“, sagte Renk. Nach zehn Milliarden Kilometern Flugdistanz „schaffen wir es, einen ganz, ganz kleinen, nur 5.000 Kilometer im Durchmesser großen Planeten auf besser als 20 Kilometer genau zu treffen“.
„Eismonde des Jupiters besuchen“
Auch der Jupiter wird von Darmstadt aus angesteuert. Den rund 600 Millionen Kilometer entfernten Gasriesen wird die Raumsonde „Juice“ erst 2031 erreichen. „Der Jupiter hat viele Monde. Wir wollen mit ‚Juice‘ die Eismonde des Jupiters besuchen“, erklärte Renk.
Der Start der Arianrakete vom Weltraumbahnhof Kourou mit der ESA-Raumsonde Juice
Nächste vergleichbare Planeten-Parade erst 2028
„Der Planet, der noch ein bisschen weiter draußen ist, wunderschön anzuschauen mit seinem Ring, ist der Saturn, der auch Monde hat.“ Darüber wisse man „noch sehr, sehr, sehr, sehr wenig“, sagt Renk.
Wer die Planeten-Parade sehen will, sollte sich die Zeit dafür nehmen – die nächste vergleichbare Planeten-Parade gibt es erst wieder im Jahr 2028.