Der Sturm brach los, nachdem die Sängerin Katy Perry sich über den Auftritt ihres Kollegen Justin Bieber beim Coachella-Festival am vergangenen Wochenende ein bisschen lustig gemacht hatte. „Katy Perry hat mich im Nachtclub ‚Spice Market‘ in Melbourne sexuell missbraucht. Wen interessiert schon, was sie denkt?“, schrieb daraufhin die Schauspielerin Ruby Rose im Social-Media-Dienst Threads. Die Agentur von Perry wies die Vorwürfe als „gefährliche, leichtfertige Lügen“ zurück. Seitdem mahlen die Algorithmen der Social-Media-Dienste heftig.
Zu den Fakten: „Der Polizei wurde mitgeteilt, dass sich der Vorfall in einem lizenzierten Nachtclub im zentralen Geschäftsviertel von Melbourne ereignet habe“, war am Mittwoch in einer Stellungnahme der Behörden von Victoria zu lesen, „da die Ermittlungen noch andauern, wäre es zum jetzigen Zeitpunkt unangemessen, weitere Kommentare abzugeben.“ Ruby Rose hat Katy Perry also angezeigt. Den dazugehörigen Post löschte sie mittlerweile und schrieb dazu: „Seit heute Nachmittag habe ich alle meine Berichte abgeschlossen. Das bedeutet, dass ich mich nicht mehr öffentlich zu diesem Fall oder den beteiligten Personen äußern, Beiträge teilen oder darüber sprechen darf.“ Es gibt in Australien eine strenge Gesetzgebung, was die öffentliche Namensnennung von möglichen Sexualstraftätern angeht.
Perrys Agentur bezeichnet Ruby Roses Aussage als Lüge
Das muss nicht heißen, dass Rose ihre Aussage abschwächen oder zurückziehen will. Vielmehr sei es „eine übliche Aufforderung der Polizei und in vielerlei Hinsicht eine große Erleichterung“, wie sie noch dazuschrieb. Perrys Agentur hingegen unterstellte Rose nicht nur Lügen, sondern schob noch nach, dass sie bekannt dafür sei, „in den sozialen Medien schwerwiegende öffentliche Anschuldigungen gegen verschiedene Personen zu erheben – Behauptungen, die von den Betroffenen wiederholt zurückgewiesen wurden“.
Diese Technik des „Whataboutism“, des Ablenkens von einer Anschuldigung, indem man selbst eine Anschuldigung ausspricht, ist nicht nur ein Standardwerkzeug der Agentur-Arbeit. Sie wird auch gerne vor Gericht eingesetzt, um Opfer zu diskreditieren. Worauf sich der Vorwurf der Agentur gegen Ruby Rose genau bezieht, wurde in deren Stellungnahme nicht klar. Klar ist aber, dass es nicht nur im Hinblick auf die Bekanntheit ein Machtgefälle zwischen Perry und Rose gibt.
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International bekannt wurde Ruby Rose durch die Serie „Orange is the New Black“, die von weiblichen Strafgefangenen handelt. Vor einigen Monaten jagte sie bereits durch die Empörungs-Algorithmen der Social-Media-Kanäle, als sie über ihre deutlich berühmtere Schauspiel-Kollegin Sydney Sweeney schimpfte. Rose war für eine Rolle in dem Film „Christy“ über die US-Boxerin Christy Martin vorgesehen, bevor Sweeneys Produktionsfirma das Projekt an sich nahm. Nachdem der Film gefloppt war, sagte Rose über Sweeney: „Du bist eine Idiotin und hast den Film ruiniert. Punkt. Christy hätte Besseres verdient.“
Zur Antipathie zwischen den beiden hat sicher beigetragen, dass Sydney Sweeney angeblich Republikanerin ist und für ihre latent rassistische Jeans-Werbung auch von Donald Trump gefeiert wurde, während die bekennend lesbische Ruby Rose sich schon seit Jahrzehnten für die LGBTQ-Bewegung starkmacht. Früher hatte Rose bereits behauptet, am Set von „Batwoman“ schlecht behandelt worden zu sein, was die Produktionsfirma Warner Bros. Television zurückwies. Geklärt wurde der Fall nie. Es ist also unklar, ob Rose jemand ist, der gerne Ärger macht, oder sich zur Wehr setzt – wenn auch im Fall von Katy Perry mit einiger Verspätung.
Perry überfiel gemeinsam mit Rose in Melbourne eine Abschlussveranstaltung einer Schule
„Ich war damals erst Anfang 20. Jetzt bin ich 40. Es hat fast zwei Jahrzehnte gedauert, bis ich das öffentlich sagen konnte“, schrieb Rose in einem ebenfalls mittlerweile gelöschten Post. Der „historische Fall sexueller Nötigung“, den das Sexual Offence und Child Abuse Investigation Team in Melbourne nun untersuchen wird, soll sich bereits im Jahr 2010 ereignet haben. Da war Ruby Rose noch Moderatorin beim australischen Ableger des Musik-Kanals MTV und Katy Perry bereits ein Superstar. Ihr Welthit „I Kissed a Girl (And I Liked It)“ war ein Ohrwurm auf allen Kanälen. Als sie auf Tour Station in Melbourne machte, überfiel Perry in Begleitung von MTV-Kameras und Moderatorin Ruby Rose eine Abschlussveranstaltung einer Schule. Perry tanzte mit ein paar Schülern eine kleine, sehr bekannte Choreografie zu Beyoncés „Single Ladies“ und gab dann ihre aktuelle Single zum Besten. Vermutlich, um ihre Konzerte in Australien zu vermarkten.
Der angebliche sexuelle Missbrauch soll später in einem Nachtclub stattgefunden haben, der im selben Hotel liegt, wie Rose heute sagt. Was genau passiert ist, darüber muss Rose nun schweigen. Die Empörungs-Algorithmen mahlen derweil weiter. Wer den Fall googelt, bekommt reichlich unappetitliche Details serviert. Für so etwas wie die Wahrheit muss man sich allerdings gedulden, bis die Polizei von Melbourne ihre Untersuchungen abgeschlossen hat.
