Die katholische Deutsche Bischofskonferenz hat auf ihrer Frühjahrsvollversammlung in Würzburg den Hildesheimer Bischof Heiner Wilmer zum neuen Vorsitzenden gewählt. Der Limburger Bischof Georg Bätzing hatte den Vorsitz in den vergangenen sechs Jahren inne. Im Januar hatte der 64-Jährige erklärt, nicht für eine zweite Amtszeit zu kandidieren.
Bischof Heiner Wilmer steht seit 2018 an der Spitze des norddeutschen Bistums Hildesheim. Wilmer gilt als Vermittler zwischen Konservativen und Reformern. „Die Zeiten sind vorbei, dass der Bischof ein Herrscher ist“, sagte er einmal in einem Interview. Er wolle dafür sorgen, dass andere Verantwortung übernähmen.
Für Kompromisse bei der Reform der Renten- und Sozialsysteme
Kurz nach seiner Bischofsweihe versprach Wilmer,
Fälle von sexuellem Missbrauch schonungslos aufzuklären. Die Aufarbeitung
bezeichnet er inzwischen als Daueraufgabe. Im Bistum Hildesheim gab es bereits mehrere
wissenschaftliche Untersuchungen. Im vergangenen Jahr beauftragte Wilmer eine
weitere Studie, die den Zeitraum von 1945 bis 2024 und damit auch den ersten
Teil seiner eigenen Amtszeit in den Blick nehmen soll.
In der Deutschen Bischofskonferenz leitete er
bislang die Kommission für gesellschaftliche und soziale Fragen. Bei einem
Auftritt in der Berliner Bundespressekonferenz warb er zuletzt für Kompromisse
bei der Reform der Renten- und Sozialsysteme. „Es kann nicht sein, dass
die Lasten unverhältnismäßig auf die junge und jüngere Generation abgewälzt
werden“, sagte er. Es dürfe aber ebenfalls nicht sein, dass die ältere
Generation nach jahrelanger Arbeit und langem Einzahlen in die Altersarmut rutsche.
Auch eine längere Lebensarbeitszeit dürfe kein Tabu sein.
Sprecher und Generalsekretärin bleiben im Amt
Zudem bleibt Matthias Kopp Sprecher der Bischofskonferenz. Auf der Vollversammlung in Würzburg bestätigten ihn die Bischöfe im Amt. Ende 2024 ernannte ihn Papst Franziskus zum Berater der Kommunikationsabteilung des Vatikans (Dikasterium für Kommunikation). Kopp arbeitete unter anderem für Radio Vatikan, bevor er 1997 erstmals ins Sekretariat der Bischofskonferenz wechselte. 2003 übernahm er die Leitung der Kommunikation für den Weltjugendtag 2005 in Köln. Seit 2009 ist er Sprecher der Bischofskonferenz.
Beate Gilles bleibt ebenfalls in ihrem Amt als Generalsekretärin der Bischofskonferenz. Die Bischöfe wählten Gilles für weitere sechs Jahre. Als erste Frau übernahm sie 2021 das Amt der Generalsekretärin. Der
Reformprozess mit der Bezeichnung Synodaler Weg
war einer der Schwerpunkte ihrer bisherigen Arbeit. Am Sitz des Sekretariats der Bischofskonferenz in Bonn ist sie für rund 180 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zuständig. Daneben ist Gilles als Geschäftsführerin des Verbandes der Diözesen in Deutschland (VDD) mit zuständig für die Verteilung von Kirchensteuermitteln an Hilfswerke, Verbände und kirchliche Medienunternehmen.
Das Wesentliche bestimmt der Papst
Die Herausforderungen für die Gewählten sind groß. Die katholische Kirche in Deutschland verliert in schnellem Tempo Mitglieder, jedes Jahr sind es mehrere 100 000. Zuletzt fiel die Mitgliederzahl unter 20 Millionen. Umfragen zufolge wünschen sich viele deutsche Katholiken Reformen, wie den Zugang von Frauen zu Weihämtern und mehr Anerkennung für homosexuelle Partnerschaften.
© Lea Dohle
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Die Bischöfe versuchten bereits, diesen Wünschen mit dem Synodalen Weg wenigstens etwas entgegenzukommen. Dabei sind ihnen jedoch enge Grenzen gesetzt, da die katholische Kirche in Deutschland Teil der katholischen Weltkirche ist. Die grundsätzliche Linie wird vom Papst und seiner Zentralverwaltung im Vatikan, der Kurie, vorgegeben. Auch die deutschen Bischöfe ziehen nicht immer an einem Strang,
sondern verpflichten sich in unterschiedlichem Maße dem Reformprojekt.
Die Aufgabe des neuen Vorsitzenden bestehe in der Moderation der
uneinigen Bischöfe in Deutschland und dem Aufbau eines vertrauensvollen
Verhältnisses zu Papst Leo XIV. und dem Vatikan, sagt der
Kirchenrechtler Thomas Schüller.
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