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Erst wird der Blick unscharf – dann wächst die Sorge. Weltweit werden immer mehr Menschen kurzsichtig. Forscher aus den USA haben jetzt einen möglichen Mechanismus untersucht, der dabei eine Rolle spielen könnte: zu wenig Licht bei Naharbeit in Innenräumen.
Studien gehen davon aus, dass im Jahr 2050 rund 50 Prozent der Weltbevölkerung kurzsichtig sein könnten, zehn Prozent sogar stark. Lange galt vor allem die intensive Bildschirmnutzung als Hauptverdächtiger. Doch so einfach ist es offenbar nicht, wie FITBOOK berichtete.
US-Forscher untersuchen Licht und Kurzsichtigkeit
„Kurzsichtigkeit hat weltweit fast epidemische Ausmaße erreicht, doch wir verstehen noch immer nicht vollständig, warum das so ist“, erklärt Studienleiter Dr. Jose-Manuel Alonso von der State University of New York.
Für die Laborstudie wurden 21 kurzsichtige und 13 normalsichtige Personen untersucht. Sie sollten nahe Objekte wie Texte oder Displays fixieren. Dabei veränderten die Forscher Licht, Abstand und Linsenstärke. Gemessen wurden Pupillengröße, Augenbewegungen und die Aktivität sogenannter ON- und OFF-Sehbahnen der Netzhaut.
Pupille verengt sich – Netzhaut bekommt weniger Licht
Das Ergebnis: Je stärker sich die Augen beim Scharfstellen anstrengen mussten, desto enger wurde die Pupille – auch bei schwacher Beleuchtung. Dadurch fiel noch weniger Licht auf die Netzhaut. Bei kurzsichtigen Teilnehmern war dieser Effekt stärker ausgeprägt.
Entscheidend war zudem nicht nur die Helligkeit, sondern auch der Kontrast. Dunkle Elemente auf hellem Hintergrund lösten besonders starke Reaktionen aus. Auch die Dauer des Blinzelns beeinflusste die Pupillenreaktion.
„Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass ein gemeinsamer zugrunde liegender Faktor darin bestehen könnte, wie viel Licht während längerer Naharbeit – insbesondere in Innenräumen – auf die Netzhaut trifft,“ so Alonso.
Ob Bildschirmarbeit oder schlechte Beleuchtung im Alltag tatsächlich Kurzsichtigkeit verursachen, wurde in der Studie unter kontrollierten Laborbedingungen jedoch nicht direkt untersucht.