Wasser ist lebensnotwendig – eine aktuelle Studie zeigt jedoch, dass es noch mehr kann. Ausreichendes Trinken macht den Körper offenbar widerstandsfähiger gegenüber Stress. Forschende der Liverpool John Moores University haben herausgefunden, dass bereits leichte Dehydrierung die Stressreaktion messbar verstärken kann. Die Ergebnisse der Untersuchung wurden nun im Fachjournal Journal of Applied Physiology veröffentlicht. Wir haben die wichtigsten Fakten zusammengefasst.

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Alles zum Thema „Stress im Alltag“ Wenig trinken, mehr Stress – doch woran liegt das?

Im Zentrum der Untersuchung stand die Frage, ob die tägliche Flüssigkeitsaufnahme die Ausschüttung des Stresshormons Cortisol beeinflusst. Dazu teilte das Forschungsteam um Dr. Daniel Sean Kashi die Teilnehmenden in zwei Gruppen:

Eine Gruppe trank über eine Woche hinweg weniger als 1,5 Liter pro Tag. Die andere nahm deutlich mehr Flüssigkeit zu sich – durchschnittlich etwa 4,4 Liter täglich.

Anschließend wurden beide Gruppen in Labortests psychosozialem Stress ausgesetzt. Das Ergebnis: Während sich beide Gruppen ähnlich gestresst fühlten und vergleichbare Herzfrequenzen zeigten, war der Cortisolspiegel bei den Wenigtrinker*innen deutlich höher.

Eine leichte Dehydrierung kann die Stressreaktion messbar verstärken, so die Forschenden.Eine leichte Dehydrierung kann die Stressreaktion messbar verstärken, so die Forschenden. Credit: Yan Krukau/PexelsDurst ist kein verlässlicher Indikator

Ein überraschender Befund: Die Teilnehmenden mit niedriger Flüssigkeitsaufnahme hatten nicht das Gefühl, zu wenig zu trinken. Das deutet darauf hin, dass Durst kein zuverlässiger Maßstab für eine ausreichende Hydrierung ist.

Stattdessen empfehlen Fachleute, auf andere Signale zu achten – etwa die Urinfarbe. Ein hellgelber Farbton gilt als Hinweis auf eine gute Flüssigkeitsversorgung, während dunkler Urin auf Dehydrierung hindeuten kann.

Warum Dehydrierung den Stress verstärkt

Die Erklärung für diesen Effekt liegt in den hormonellen Prozessen des Körpers. Bei Flüssigkeitsmangel registriert das Gehirn den Zustand und schüttet vermehrt Vasopressin aus. Das Hormon sorgt dafür, dass die Nieren Wasser sparen und das Blutvolumen aufrechterhalten wird. Dieses Hormon hilft zwar, Wasser im Körper zu halten, hat aber einen Nebeneffekt: Es erhöht in Stresssituationen die Freisetzung von Cortisol. Somit spart die Vasopressin-Freisetzung nicht nur Wasser, sondern verbessert die Reaktionsfähigkeit des Körpers auf Stress.

Das bedeutet: Wer zu wenig trinkt, bringt seinen Körper unbewusst in einen Zustand, in dem Stressreaktionen intensiver ausfallen.

Wenn man über einen langen Zeitraum gestresst ist und zu wenig Wasser trinkt, kann das fatale Folgen haben.Wenn man über einen langen Zeitraum gestresst ist und zu wenig Wasser trinkt, kann das fatale Folgen haben. Credit: Jacob Wackerhausen/GettyImages

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Die gesundheitliche Folgen sind nicht zu unterschätzen

Langfristig kann eine Kombination aus chronischem Stress und leichter Dehydrierung problematisch werden. Dauerhaft erhöhte Cortisolspiegel stehen im Zusammenhang mit einem erhöhten Risiko für:

Herz-Kreislauf-Erkrankungen Nierenprobleme Diabetes

Die Studie legt nahe, dass ausreichendes Trinken ein bislang unterschätzter Faktor im Stressmanagement sein könnte.

Wer wenig Wasser trinkt, ist oft gestresster.Wer zu wenig Wasser trinkt, ist häufig gestresster. Credit: Karola G./Pexel/via Canva

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Fazit: Wer viel Wasser trinkt, ist weniger gestresst

Neben bekannten Strategien wie ausreichend Schlaf, Bewegung, gesunder Ernährung und sozialen Kontakten könnte die tägliche Flüssigkeitszufuhr eine entscheidende Rolle spielen. Der große Vorteil: Im Gegensatz zu vielen anderen Maßnahmen ist sie einfach umzusetzen.

Die Forschenden betonen jedoch, dass weitere Studien notwendig sind, um den langfristigen Einfluss von Hydrierung auf stressbedingte Erkrankungen genauer zu verstehen.

Gut zu wissen: Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt als Richtwert 1,5 Liter pro Tag. Bei Hitze, beim Sport oder einer anstrengenden körperlichen Arbeit kann aber das Drei- bis Vierfache notwendig sein. Grundsätzlich gilt: Je mehr, desto besser.