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New York – Macht die Künstliche Intelligenz uns Menschen überflüssig? In sehr vielen Fällen ja – und zwar möglicherweise noch viel schneller, als wir es uns heute vorstellen. Citrini Research, ein kleines Wirtschaftsforschungsinstitut, beschreibt in einer am Sonntag erschienenen Analyse, was der Wirtschaft schon in den kommenden zwei Jahren droht. Eine regelrechte Epochen-Krise!
Datiert ist der Bericht (Titel: „2028: Die globale Intelligenz-Krise“) auf den 30. Juni 2028 – als düsterer „Rückblick“ auf die Jahre 2026 und 2027. Und das Untergangsszenario geht nicht nur in den sozialen Medien viral, sondern sorgt auch für Schock-Stimmung bei der Börse! So sehr, dass das „Wall Street Journal“ am Dienstag mit den KI-Ängsten aufmachte.
Softwarefirmen wie Datadog, CrowdStrike und Zscaler brachen am Montag um jeweils mehr als 9 Prozent ein. Am meisten kam IBM mit einem Minus von 13 Prozent unter die Räder. Aber auch andere Firmen wie American Express, KKR und Blackstone verloren stark an Wert, weil Citrini sie erwähnte und detailliert beschrieb, warum ihr Geschäftsmodell gefährdet ist.
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Beworben hatte Citrini seine Prophezeiung mit einem Tweet, der 25 Millionen Nutzer auf X erreichte. Darin stand – aus Sicht von 2028: „Der S&P ist um 38 Prozent gegenüber seinen Höchstständen gefallen. Die Arbeitslosenquote liegt aktuell bei 10,2 Prozent. Die private Kreditvergabe gerät ins Wanken. Erstklassige Hypotheken geraten unter Druck.“ Und weiter: „Was ist passiert? „Künstliche Intelligenz hat die Erwartungen nicht enttäuscht, sondern übertroffen.“
Das beschriebene Kernproblem: Die Künstliche Intelligenz verhilft vielen Firmen zu einem beispiellosen Produktivitätsgewinn. Doch der sorgt nicht für beispiellosen Wohlstand, sondern für Einsparungen und Massenentlassungen, die wiederum zu einem Einbruch der Konsumausgaben führen. Ein Teufelskreis ohne Bremse, da die unter Druck geratenen Firmen noch mehr Angestellte entlassen und lieber in (immer billigere) KI investieren. Und einer, der bald alle Wirtschaftsbereiche (Banken, Immobilien, … ) ansteckt – mit verheerenden Folgen für das soziale Gefüge.
„Für jede neu geschaffene Stelle fallen Dutzende weg“
Anders als bei früheren Technologie-Schüben (man denke an die industrielle Revolution) schafft zwar auch die KI-Revolution neue Jobs (z.B. KI-Prompter, Rechenzentren-Ingenieure). Doch die Umwälzung geschieht so schnell, dass die wegfallenden Jobs bei weitem nicht ausgeglichen werden können. „Für jede neue Stelle, die KI geschaffen hat, sind Dutzende alte überflüssig geworden“, schreibt Citrini. Und: „Die neuen Stellen sind deutlich schlechter bezahlt als die alten“.
Am härtesten sind diesmal nicht die einfachsten Berufe betroffen, sondern die Büro-Jobs (auf englisch: „white-collar jobs“, also die Jobs von Leuten mit weißem Hemdkragen, im Gegensatz zum blauen Kragen der Arbeiter). „Die Zahl der offenen Stellen im Büro- und Dienstleistungssektor brach ein, während die Zahl der offenen Stellen im gewerblichen Bereich (Bauwesen, Gesundheitswesen, Handwerk) relativ stabil blieb“, schreibt Citrini im „Rückblick“.
„Geister-BIP“ zerstört die oberen 10 Prozent
Konkret verlieren die oberen 10 Prozent der Einkommensverteilung ihre Existenzgrundlage. Da sie jedoch für den Großteil der Volkswirtschaft (70 Prozent des US-BIP) stehen, da sie am meisten konsumieren (Hauskauf, Urlaub, usw.), macht sich die Krise bald in ihrer vollen Wucht für alle bemerkbar.
Dabei schreiben viele Unternehmen weiterhin immer neue Rekordgewinne. Nur: Die Zahl ihrer Angestellten hat sich so stark reduziert, dass sich diese Gewinne nicht auf Lohnempfänger wie Entwickler, Analysten, Juristen oder Projektmanager umverteilen. „Als erste Risse in der Konsumwirtschaft auftraten, prägten Wirtschaftsexperten den Begriff ‚Geister-BIP’: eine Wirtschaftsleistung, die zwar in der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung auftaucht, aber nie in der Realwirtschaft zirkuliert“, schreibt Citrini.
Was wird aus den entlassenen Angestellten?
Irgendwann werde der Staat reagieren und eingreifen wollen, etwa mit einer „KI-Dividende“, mit der sie die Gewinne umverteilen will – etwa auf die KI-Verlierer. Aber, so Citrini: „Während die Politiker streiten, zerfällt das soziale Gefüge schneller, als der Gesetzgebungsprozess voranschreiten kann.“
Und was wird aus den bisher gut bezahlten Angestellten? Sie können laut der Citrini-Prophezeihung etwa Lkw- oder Uber-Fahrer werden – zu etwa der Hälfte ihres früheren Gehalts und auch nur so lange, bis das autonome Fahren auch diese Jobs zerstört.