Vom Plan zur Ausführung

Welches Instrument bei den Voyager-Sonden abgeschaltet wird, ist keine Spontanentscheidung, sondern folgt einer schon vor Jahren ausgeklügelten Reihenfolge. Dies soll sicherstellen, dass die Raumsonden so lange wie möglich Daten liefern – und sich dabei möglichst gut ergänzen. Für Voyager 1 war das nun Low-Energy Charged Particles Experiment (LECP) das nächste auf der Liste. Dieses misst niederenergetische geladene Teilchen, die aus dem Sonnensystem und der galaktischen Umgebung stammen und liefert damit wichtige Daten zur Struktur des interstellaren Mediums.

Am Abend des 17. April hat die NASA die Abschaltbefehle für das LECP an die rund 25 Milliarden Kilometer entfernte Raumsonde geschickt. Wegen der gewaltigen Entfernung benötigten die mit Lichtgeschwindigkeit übermittelte Radiobotschaft mehr als 23 Stunden, um Voyager 1 zu erreichen. Der Prozess, um das Messinstrument geordnet herunterzufahren, dauerte noch einmal mehr als drei Stunden. Diese Abschaltung verlängert das Leben der Sonde um ein Jahr.

Wie die NASA mitteilt, bleibt ein Bauteil des LECP jedoch aktiv: Ein kleiner Motor, der den Sensor in alle Richtungen drehen kann, bleibt angeschaltet. Er verbraucht nur rund 0,5 Watt an Strom und bietet die Chance, das Instrument wieder anzuschalten, falls der Energiezustand dies in naher Zukunft vielleicht doch wieder erlaubt.

Riskantes „Big Bang“-Programm soll die Sonden länger erhalten

Die Hoffnung besteht durchaus: Wegen der einzigartigen Daten, die die Voyager-Sonden aus dem interstellaren Raum senden, haben die NASA-Ingenieure einen ehrgeizigen Energiesparplan entwickelt. Diese „Big Bang“ getaufte Maßnahme soll die Voyager-Mission noch einmal bedeutend verlängern. Geplant ist, dafür eine ganze Gruppe von stromverbrauchenden Geräten auf einmal entweder abzuschalten oder so zu modifizieren, dass sie weniger Energie benötigen.

„Diese riskante Maßnahme soll sicherstellen, dass die Raumsonden und ihre verbleibenden Messinstrumente warm genug bleiben, um weiter wissenschaftliche Daten zu sammeln“, erklärt die NASA. Das „Big Bang“-Programm soll im Mai und Juni 21026 zunächst bei Voyager 2 getestet werden, weil diese noch ein wenig mehr Restenergie hat als Voyager 1. Geht dabei alles glatt, könnte im Juli 2026 auch Voyager 1 dieses Sparprogramm bekommen. Hat dies Erfolg, könnte das LECP sogar wieder angeschaltet werden.

Quelle: NASA







20. April 2026

– Nadja Podbregar