Szene aus "Father Mother Sister Brother": Ein Mann und eine Frau sitzen nebeneinander auf einem Sofa in einem Wohnzimmer

AUDIO: Filmtipp: „Father Mother Sister Brother“ (4 Min)

Stand: 24.02.2026 15:55 Uhr

In „Father Mother Sister Brother“ zeichnet Jim Jarmusch ein leises, starbesetztes Familientryptichon voller Pausen, Blicke und Musik – lakonisch, verschroben und doch berührend.

von Anna Wollner

„Father Mother Brother Sister“ ist ein Jim-Jarmusch-Film durch und durch. Das wird spätestens in der Sekunde klar, als Jarmusch-Veteran Tom Waits in der Rolle des Vaters die Tür aufmacht und seine beiden Kinder Emily und Jeff begrüßt. Es ist etwas steif, dieses familiäre Aufeinandertreffen im ersten Kapitel „Father“, der ersten Episode in Jarmuschs 14. Spielfilm.

In Episode zwei, „Mother“, trifft auch eine Familie aufeinander, zum jährlichen gemeinsamen Kaffeetrinken, obwohl alle drei in der gleichen Stadt wohnen: die Mutter und ihre beiden erwachsenen Töchter Timothea und Lilith.

Video:
Trailer: „Father Mother Sister Brother“ von Jim Jarmusch (2 Min)

Ein Kammerspiel über Familie und Fremdheit

Beide Episoden haben die gleiche Dynamik. Ein Treffen zwischen Eltern und Kindern, die nicht wissen, worüber sie reden sollen. Doch die Vorzeichen sind anders. Bei „Father“ ist es der Vater, der einsam in einer schäbigen Hütte an einem See wohnt, von seinen Kindern Essen mitgebracht bekommt, sie sich um seine Gesundheit sorgen. Bei „Mother“ ist es die Matriarchin der Familie, die es als erfolgreiche Autorin zu etwas gebracht hat, während die Kinder orientierungslos durchs Leben treiben.

Und dann ist da noch die dritte Episode, die ein bisschen aus dem Rahmen, dem Muster fällt: „Brother Sister“ über ein Geschwisterpaar, das sich nahe steht, die Wohnung der verstorbenen Eltern ausräumt und sich erinnert…

Regisseur Jim Jarmusch nimmt den Goldenen Löwen für den besten Film für "Father Mother Sister Brother" während der Preisverleihung der 82. Ausgabe der Filmfestspiele von Venedig, entgegen.

Filmfestspiele in Venedig

Bei den Filmfestspielen in Venedig hat der Film „Father Mother Sister Brother“ von US-Regisseur Jarmusch den Goldenen Löwen gewonnen. Der zweitwichtigste Preis ging an ein Doku-Drama über ein im Gaza-Krieg getötetes Mädchen.

Lakonisch, musikalisch, minimalistisch: Jarmusch bleibt sich treu

Der 73 Jahre alte Filmemacher Jarmusch erzählt hier ein genau beobachtetes Familientryptichon mit Starbesetzung: Tom Waits, Adam Driver, Maryam Balik, Charlotte Rampling, Vicky Krieps, Cate Blanchett, India Moore und Luke Sabbat. Ein Familienreigen, bei dem einer verschrobener ist als der andere. Es sind drei Episoden, die nichts miteinander zu tun haben – außer dem Stil. Eine kammerspielartige Reflexion über Familie. Und ein typischer Jarmusch wie in „Stranger than Paradise“ oder „Paterson“. Mit trockenem Humor, wenig Handlung, viel Musik und langen Einstellungen. Lakonisch und lässig – Jim Jarmusch eben.

Eine junge Frau eine ältere Frau sitzen sich an einem Küchentisch gegenüber und unterhalten sich.

„Selbstständigkeit kann einem niemand geben – das muss man sich erobern“, sagt der Psychoanalytiker Wolfgang Schmidbauer im Gespräch.

Szene aus "Father Mother Sister Brother": Ein Mann und eine Frau sitzen nebeneinander auf einem Sofa in einem Wohnzimmer

Father Mother Sister Brother

Genre:
Drama
Komödie

Produktionsjahr:
2025

Produktionsland:
USA, Irland, Frankreich

Zusatzinfo:
mit Tom Waits, Adam Driver, Mayim Bialik und anderen

Regie:
Jim Jarmusch

Länge:
111 Minuten

Altersempfehlung:
ab 12 Jahren

Kinostart:
26. Februar 2026