Ursprünglich als Projekt gegen Einsamkeit gestartet, ist die „Vollpension“ in Wien mittlerweile Kult. Senioren und Seniorinnen backen Kuchen und servieren diesen auch. Mit dieser Arbeit im Generationencafé bleiben sie Teil der Gesellschaft. Von 23. bis 26. April wird in der Innsbrucker Altstadt gebacken.
Innsbruck – Frau Marianne ist mit ihren 81 Jahren noch immer fit und agil. Im Generationencafé „Vollpension“ ist sie vor allem durch ihr „Mundwerk“ bekannt, sagt sie. Mittlerweile ist die 1944 geborene Wienerin auch ein Star in den Sozialen Medien: auf Facebook und TikTok erklärt sie, wie etwa die Dekoration zu Ostern garantiert gelingt. Auch Frau Marianne wird im Innsbrucker Pop Up-Café in der Herzog-Friedrich-Straße 26 vor Ort sein.
Das Team reist an
Insgesamt sind acht Seniorinnen und ein Senior beim Pop Up-Auftritt der Vollpension dabei – vier von ihnen werden backen, vier arbeiten im Service. Etwa Frau Maria, ihr Spitzname ist „die Strudlkönigin“. Frau Aloisia und Frau Herta backen absolut jede Torte, „sie sind Profis“, sagt Karin Hermann-Arnold aus der Geschäftsführung der Vollpension.
Projekt gegen Armut im Alter
Seit über zehn Jahren zeigt die Vollpension in Wien, wie Kaffee und Kuchen auch gesellschaftlich wirken können: Senior:innen backen nach alten Familienrezepten, verdienen sich etwas zur oft zu geringen Pension dazu und bringen alle Generationen quasi an einen Tisch.
Oma Marianne ist 81 Jahre alt und immer noch am liebsten bei den Gästen.
© Vollpension
„Wir sind ein Sozialunternehmen“, betont auch Karin Hermann-Arnold im Gespräch, sie ist Mitglied der Geschäftsleitung. Förderungen oder permanente finanzielle Unterstützung für das Café gebe es nicht. „Die Gehälter der Senior:innen werden vom Umsatz durch die Gäste bezahlt.“ Im Schnitt können Omas und Opas ihre Pension durch Backen und Servieren in der Vollpension um rund 40 Prozent aufbessern.
Turbokitsch reist nach Innsbruck
Die Corona-Pandemie sei eine schwierige Zeit gewesen, für die Omas und Opas war auch Kurzarbeit nicht möglich. Damals wurden Online-Backkurse ins Leben gerufen. „Diese finden jetzt live statt“, sagt Hermann-Arnold.
Seit der Gründung der Vollpension im Jahr 2012 wurden inklusive Arbeitsplätze für Senior:innen – vor allem für Pensionist:innen, die von Altersarmut oder -einsamkeit betroffen sind – geschaffen. In Wien arbeiten derzeit rund 55 Senior:innen in den beiden Cafés. Insgesamt wurden bisher über eine Million Gäste bewirtet, mehr als 50.000 Kuchen gebacken und über 2,3 Millionen Euro an Zuverdienst für Senior:innen geschaffen, so Hermann-Arnold.
Miteinander der Generation
Frau Marianne freut sich schon auf Innsbruck: „Ich kann unseren Besuch kaum erwarten und hoffe, dass viele Gäste zu uns kommen werden.“ Die Tour durch die Bundesländer (die Vollpension war bereits in Graz, Salzburg oder Bad Ischl) zeige einen riesigen Wunsch nach einem Miteinander der Generationen.
Übrigens: Wer Interesse hat, könnte das Konzept der „Vollpension“ auch als Franchise-Nehmer:in dauerhaft nach Innsbruck bringen.
Programm für das Pop Up-Café „Vollpension“ vom 23. bis 26. April:
Das Pop-up-Generationencafé hat an allen vier Tagen geöffnet:
Donnerstag von 10.00 bis 20.00 UhrFreitag von 10.00 bis 21.00 UhrSamstag von 10.00 bis 20.00 UhrSonntag von 10.00 bis 16.00 Uhr
Neben Kuchen und Kaffee erwarten die Gäste zwei Programm-Highlights: Am Freitag, 24. April um 16 Uhr findet ein kostenloser Apfelstrudel-Backkurs statt, bei dem eine Backoma zeigt, wie man den perfekten Teig zieht und füllt. Am selben Abend um 19 Uhr wird es beim „Mensch ärgere Dich nicht“-Turnier gesellig – Jung und Alt können sich gemeinsam am Spieltisch messen. Für beide Veranstaltungen kann man sich online anmelden.
Oma on Tour – Innsbruck – Vollpension