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Berlin – Das Auswärtige Amt hat den russischen Botschafter in Berlin, Sergej Netschajew (72), unter Verweis auf „direkte Drohungen Russlands gegen Ziele in Deutschland“ einbestellt. Diese seien „ein Versuch, unsere Unterstützung für die Ukraine zu schwächen und unsere Geschlossenheit zu testen“, erklärte das Außenamt im Online-Dienst X. Deutschland lasse sich „nicht einschüchtern“, derartige Drohungen und alle Arten von Spionageaktivitäten in Deutschland seien „vollkommen inakzeptabel“.

Das Auswärtige Amt wollte auf Anfrage zunächst nicht präzisieren, worauf sich die Drohungen bezogen hätten. Möglicherweise hat die Einbestellung mit einer Erklärung des russischen Verteidigungsministeriums von vergangener Woche zu tun: Das Ministerium drohte darin, Unternehmen in Europa ins Visier zu nehmen, die Verbindungen zur Ukraine haben – darunter Davinci Avia, ein Tochterunternehmen des niederländischen Rüstungskonzerns Destinus.

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Auch der Motorenhersteller und Rüstungszulieferer 3W Professional in Hanau und das Rüstungsunternehmen Airlogix in München stehen auf der Liste. Das russische Ministerium verweist bei Telegram auf Pläne der Ukraine, gemeinsam mit europäischen Partnern die Drohnenproduktion auszubauen. Die sei ein „mutwilliger Schritt, der zu einer scharfen Eskalation der militärischen und politischen Situation auf dem gesamten europäischen Kontinent“ führe.

Hardt: „Unbeholfene Einschüchterungstaktik“

Jürgen Hardt (CDU) zu BILD: „Die unbeholfene russische Einschüchterungstaktik lässt sich die Bundesregierung nicht gefallen. Die Einbestellung des Botschafters ist nur ein Mosaiksteinchen in der sich immer besser verzahnenden Abwehr Deutschlands gegen russische Einflussnahme und Sabotage. Die betroffenen Länder und Unternehmen sollten die Veröffentlichung als Zeichen sehen, dass ihre Arbeit für die europäische Sicherheit Erfolg zeigt.“

Außenpolitiker Jürgen Hardt (62, CDU) hält die russische Einschüchterungstaktik für „unbeholfen“

Außenpolitiker Jürgen Hardt (62, CDU) hält die russische Einschüchterungstaktik für „unbeholfen“

Foto: Elisa Schu/dpa

Es ist nicht das erste Mal, dass Netschajew einbestellt wird. Schon im Dezember 2025 hatte er sich wegen eines großen russischen Cyberangriffs und einer Desinformationskampagne im Bundestagswahlkampf rechtfertigen müssen. Ein Außenamtssprecher sagte damals: „Russland bedroht damit ganz konkret unsere Sicherheit.“ Ziel der Aktivitäten sei es, die Gesellschaft in Deutschland zu spalten und Vertrauen in die hiesigen Institutionen zu schwächen.

Netschajew verbreitete Desinformation

Seit 2018 ist Netschajew Botschafter in Berlin. Zuvor war er als Wladimir Putins (73) höchster Diplomat in Österreich tätig. Mit Deutschland verbindet ihn eine lange Geschichte. Schon 1977 arbeitete er als Mitarbeiter der sowjetischen Botschaft in der DDR. Nach einigen Jahren im russischen Generalkonsulat in der Mongolei kehrte er ab 1992 in die Bundesrepublik zurück.

Immer wieder gab er deutschen Medien auch nach der russischen Invasion in der Ukraine Interviews, in denen er Desinformation betrieb. So verbreitete er z.B., dass die Verbrechen der russischen Streitkräfte im ukrainischen Butscha inszeniert worden seien.