So schnell ändern sich die Zeiten. Vor einem Jahr spielten der FC Blau-Weiß Linz und RZ Pellets WAC noch in der Meistergruppe, verpassten die Wolfsberger nach dem historischen ersten ÖFB-Cup-Gewinn im Mai das Double nur knapp. Ein Jahr später bangen beide um den Klassenerhalt. Derzeit trennen den Vorletzten aus Kärnten und das Schlusslicht aus Oberösterreich zwei Punkte. Drei Tage nach Teil eins des „Doppels“ in Wolfsberg (0:0) haben die Blau-Weißen am Dienstag (18:30 Uhr, Ligaportal-LIVETICKER) beim Retourmatch in der Bundesliga-Runde 28 die nächste Chance, um die „Rote Laterne“ an den WAC zu übergeben.

Silberberger: „Ich werde mir die Spieler zur Brust holen“

Der Unterschied könnte kaum größer sein: Noch am 1. Mai 2025 jubelte der WAC in Klagenfurt dank Angelo Gattermayers Goldtor nach dem 1:0 über den TSV Hartberg über den Gewinn des Cups und hielt in der Liga bis zuletzt im Titelrennen mit. Keine zwölf Monate später steckt der Klub, der seit 2012 fixer Bestandteil der höchsten Spielklasse ist, tief im Tabellenkeller und bangt um den Ligaverbleib. Hauptursache ist eine mittlerweile auf elf Bundesliga-Spiele (inkl. ÖFB-Cup gab es im Frühjahr noch keinen Sieg, bei sechs Niederlagen und fünf „X“) angewachsene Serie ohne Sieg, wodurch der Vorsprung auf Schlusslicht FC Blau-Weiß Linz auf lediglich zwei Punkte geschmolzen ist.

Die Lage bezeichnete Defensivspieler Simon Piesinger, ehemals FC Blau-Weiß-Akteur, als äußerst besorgniserregend. Eine weitere Niederlage – insbesondere gegen die Linzer, die zuletzt am Samstag beim 0:0 in Wolfsberg als spielbestimmende Mannschaft auftraten und Pech per Aluminiumtreffer hatte – würde die Situation weiter verschärfen. Thomas Silberberger, der als eine Art Krisenmanager fungiert und vor seinem ersten Auswärtsspiel als Cheftrainer der Wölfe steht, sieht entsprechend großen Handlungsbedarf.

Der 52-jährige Tiroler kündigte an, intern klare Worte zu finden, da es seinem Team zuletzt vor allem an offensiver Entlastung fehlte und dringender Verbesserungsbedarf bestehe. Silberberger gegenüber Sky: „Ich werde mir die Spieler zur Brust holen.“ Nachsatz: „Es ist höchste Eisenbahn.“

War in den vergangenen beiden Spielen der Garant, dass der WAC ohne Gegentor blieb: Nikolas Polster. Bester Spieler seiner Mannschaft seit Wochen. Für den 23-jährigen, ehemaligen LASK-Torhüter, der sich Hoffnungen machen darf als dritter Torhüter im WM-Kader von Ralf Rangnick zu stehen, wäre ein Bundesliga-Abstieg natürlich das Worst Case nach dem Cup-Sieg im Vorjahr und der Meisterchance am letzten Spieltag im Mai 2025.

Köllner: „Wir werden marschieren, marschieren, marschieren“

Doch auch bei Blau-Weiß Linz ist der Druck enorm. Trainer Michael Köllner machte deutlich, dass seine Mannschaft praktisch zum Siegen verpflichtet sei. Rückblickend auf das jüngste 0:0 zeigte sich der 56-jährige Bayer überzeugt, dass mehr möglich gewesen wäre, lobte jedoch zugleich die mentale Stabilität seines Teams, das sich keine entscheidenden Fehler erlaubt habe.

Zusätzlichen Optimismus schöpfen die Linzer aus ihren jüngsten Heimauftritten: Siege gegen Aufsteiger SV Oberbank Ried (3:2, nach 0:2-Rückstand) und die WSG Tirol (5:0) unterstreichen die Stärke im eigenen Stadion, das laut Köllner eine „brutale Energie“ verleiht. Dennoch betonte der Coach, dass eine Leistungssteigerung gegenüber dem vergangenen Spiel in Wolfsberg notwendig sei. Seine Mannschaft werde mit maximalem Einsatz auftreten und den Kampf von Beginn an annehmen. Köllner:  „Wir werden marschieren, marschieren, marschieren.“

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