Schon jetzt ist es für den FC Bayern eine Rekordsaison, doch die 13. Meisterschaft in 14 Jahren, die 35. insgesamt und frühzeitig fixiert am Sonntagabend, ist nur der Auftakt zu einem möglichen dritten Triple. Am Mittwoch wartet das Halbfinale im DFB-Pokal gegen Leverkusen, danach das Halbfinale der Champions League gegen Paris Saint-Germain. Die Bundesliga gilt in München nur als Mindestziel. Dieses Mal aber brachen sie ihren eigenen Torrekord: 109 Mal haben sie schon getroffen, die bisherige Bestmarke lag bei 101 Toren (1971/72) und es stehen noch vier Runden aus. Allein Harry Kane traf in 27 Bundesliga-Einsätzen 32 Mal, Neuzugang Luis Díaz steuerte 15 Treffer bei, Michael Olise 12. Aber: Die Bayern-Torschützen finden sich mittlerweile im gesamten Kader und auf praktisch allen Positionen.

Ernstzunehmender Gegner war national keiner in Sicht. Dortmund kam noch am nächsten, schon Ende Februar beendeten die Bayern mit einem 3:2 bei der Borussia alle Hoffnungen auf ein Titelduell. Stuttgart, Leipzig oder Leverkusen konnten nicht mithalten.

Obwohl nicht erste Wahl, hat sich Trainer Vincent Kompany als Glücksgriff erwiesen. In seiner zweiten Bayern-Saison hat er das Team stabilisiert und junge Spieler wie Lennart Karl gefördert. Mit geschickter Rotation hielt er die Stimmung hoch und minimierte die Verletzungen. Leverkusens sensationelle Meisterschaft 2023/24 war nur ein Ausreißer, der FC Bayern ist im Begriff, eine weitere Erfolgsserie zu starten.

Premier League

Der Titelkampf in England ist komplett offen. Manchester City feierte dank Ex-Salzburger Erling Haaland (23. Saisontor) einen 2:1-Sieg im Schlagerspiel der 32. Runde gegen Arsenal. Den Citizens fehlen nur noch drei Punkte auf die „Gunners“, zudem hat die Mannschaft von Pep Guardiola ein Spiel weniger ausgetragen. Nach Verlustpunkten ist also Pep Guardiola wieder auf der Überholspur nach anfänglichen Personalproblemen. Arsenal, zuletzt dreimal en suite Vizemeister und seit 2004 mit dem Ende der Ära von Arsène Wenger ohne Meisterschaft, droht abermals zu scheitern? Ist gar der Einzug ins Champions-League-Halbfinale (gegen Atlético Madrid) eine zu große Doppelbelastung im Saisonfinish?

Mit einem Sieg am Mittwoch im Nachtragsspiel gegen das praktisch als Absteiger feststehende Burnley würde City fünf Runden vor Saisonende die Tabellenführung übernehmen. Guardiola hat, in seiner vermeintlich letzten Spielzeit in Manchester, die Chance auf den siebenten Meistertitel im „Mutterland des Fußballs“.

La Liga

Sieben Runden vor Schluss und mit neun Punkten Vorsprung auf Real Madrid darf sich der FC Barcelona die Titelverteidigung in der spanischen Meisterschaft nicht mehr nehmen lassen. Am 10. Mai im Heim-Clásico gegen den Erzrivalen könnte man schon für Gewissheit sorgen.  

Tatsächlich freut man sich im Camp Nou erstmals seit langer Zeit wieder auf die Zukunft. Das Projekt von Trainer Hansi Flick nimmt gerade so richtig Fahrt auf, Barcelona hat wieder einen jungen Kader, der an frühere Glanzzeiten erinnern lässt; das Offensivspektakel ist dank Pedri, Yamal und Co. zurück in der Stadt. Daran ändert auch das dramatische Aus in der Champions League und im Pokal jeweils gegen Atlético Madrid wenig.

Der gerade im Amt bestätigte Präsident Joan Laporta möchte mit Trainer Flick verlängern, der Deutsche hat schon klargemacht, dass Barcelona seine letzte Station sein wird. Auf dem Transfermarkt sucht man vor allem nach einem Innenverteidiger. Denn Barca kann zwar die derzeit vielleicht talentierteste Startelf Europas auf den Platz schicken, aber es fehlt noch an Tiefe und Stabilität, um neben der Meisterschaft und den Clásicos gegen Real zum ersten Mal seit 2015 wieder die Champions League zu gewinnen.

Serie A

Die Mission Titelverteidigung ist für SSC Napoli in Italiens Meisterschaft nahezu aussichtslos. Nach einer 0:2-Heimniederlage gegen Lazio Rom liegen die Süditaliener bei fünf ausstehenden Runden zwölf Punkte hinter Inter Mailand. Der vor seiner Rückkehr auf den Serie-A-Thron stehende Leader hatte Cagliari mit 3:0 besiegt.

Die Nerazzurri, seit Gründung der Serie A als einziger Klub durchgehend dabei, gewannen bislang 20 Mal den Scudetto, neun Mal die Coppa Italia und sind bis dato der letzte Calcio-Klub, der 2010 die Champions League gewinnen konnte. Inter ist einer von acht Klubs neben Celtic Glasgow (1967), Ajax Amsterdam (1972), PSV Eindhoven (1988), Manchester United (1999), Barcelona (2009, 2015), Bayern München (2013, 2020), Manchester City (2023; Guardiola schaffte dieses Kunststück zum zweiten Mal) und Paris Saint-Germain (2025; das zweite Triple für Luis Enrique), die in einer Saison das große Triple (Meisterschaft, Cup und EC der Landesmeister/Champions League) gewonnen haben.

Das Titelrennen in Frankreich ist neu entfacht, nachdem Paris Saint-Germain eine 1:2-Heimniederlage gegen Lyon kassierte. Noch liegt man mit einem Spiel weniger einen Punkt vor Verfolger Lens, doch das Team von Luis Enrique muss nebenbei auch noch in der Champions League (Halbfinale gegen Bayern) bestehen.

Am vorletzten Spieltag (13. Mai) kommt es zum Gipfeltreffen mit Lens, spätestens dann sollte die fünfte Meisterschaft in Folge eingefahren werden. „Wolltet ihr eine spannendere Meisterschaft? Die habt ihr jetzt“, erklärte Luis Enrique nach der fünften Liganiederlage seines Teams.

Bundesliga

Das 1:1 zwischen Sturm Graz und Lask verschob die Vorentscheidung in der österreichischen Meisterschaft. Zwei Punkte trennen den Tabellenführer und Titelverteidiger aus der Steiermark von den mit Dietmar Kühbauer zum Senkrechtstarter avancierten Oberösterreichern. Der Lask, Österreichs erster Meister und Double-Sieger, der 1965 nicht aus Wien kam, kann auch in dieser Saison weiterhin mit dem Double kokettieren.

Fünf Runden sind noch zu absolvieren, passend steigt am Mittwoch (20.30 Uhr) erneut das direkte Duell, diesmal in Graz. Die Mannschaft von Fabio Ingolitsch gewann die Liga 2024 und 2025, der dritte Titel in Folge würde die Stadionfrage weiter befeuern in der steirischen Hauptstadt. Ob die Wahl im Sommer nicht doch noch ein Umdenken der Stadtpolitik bewirkt? Aktuell kann den „Schwoazen“ in Österreich kein anderer Klub das Wasser reichen – außer Kühbauer „zaubert“ eine neue Offensive aus seinem Zylinder.