In Esther Schüttpelz‘ Roman „Grüne Welle“ mündet die nächtliche Irrfahrt einer Frau in einen Akt der Selbstermächtigung.

Esther Schüttpelz:<em> </em><u>„</u>Grüne Welle“<u>,</u> Diogenes-Verlag, 208 Seiten, 26,95 Euro

Esther Schüttpelz: „Grüne Welle“, Diogenes-Verlag, 208 Seiten, 26,95 Euro 

Führt die Straße in eine Umleitung und verpasst man die richtige Ausfahrt, gibt es nur eines: weiterfahren, bis die nächste Gelegenheit zum Anhalten und Umdrehen auftaucht. Doch in Esther Schüttpelz‘ schmalem wie fesselndem Roman kommt die nie, und so entfernt sich die Protagonistin auf dem Rückweg vom Kino und ihrer Freundin immer weiter von Zuhause, der Villa, ihrem Mann.

Immer tiefer fährt sie in die Nacht, immer weiter über die Dörfer. Schnell nimmt in der „Grünen Welle“ diese Idee Fahrt auf: Hier sitzt eine Protagonistin am Steuer, die ihre Entscheidung stets den Umständen überlässt. Wo keine rote Ampel sie zur Rückkehr zwingt, führt die Grüne Welle buchstäblich geradeaus in unbekanntes Terrain – vor allem emotionaler Natur.

Wer ist die Frau, der die Autorin aus großer Distanz über die Schulter blickt und nach und nach erst etwas von ihr preisgibt? Biografisch bleibt es bei kleinen Hinweisen auf das mittlere Alter, die steckengebliebene Laufbahn als Künstlerin, den übergriffigen Gatten, die kleinen Fenster zur Freiheit, die Bedeutung von Musik.

Hier hätte Schüttpelz in einen inneren Monolog abbiegen können, doch sie bleibt in kühler Erzählhaltung und bei scharfer Betrachtung ihres Subjekts. Eine gute Entscheidung für diese Geschichte einer Irrfahrt und deren kleine parallele Erzählstränge. Wenn die Frau am Ende wieder dort ankommt, wo die Odyssee begann, schließt sich damit nicht ein Kreis, sondern hat es die Protagonistin spiralförmig aus ihrer Existenz hinausgetragen – in etwas vages Neues.

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