Mars- und Weltraumbedingungen im Labor
Das wirft die Frage auf, ob solche Mikroben den Start mit einer Raumsonde, den Flug zum Mars und die Marsumgebung überleben könnten. Um das zu testen, kultivierte das Team um Atul Chander vom Jet Propulsion Laboratory (JPL) der NASA Proben von 27 Schimmelpilzstämmen, die in den Reinräumen des Marsprogramms isoliert worden waren. Zusätzlich bezogen sie auch eine Probe des auf der Internationalen Raumstation ISS isolierten Pilzstamms von Aspergillus fumigatus mit ein.
Aufbau der Testkammer für das Experiment. © Chander et al./ Applied and Environmental Microbiology, CC-by 4.0
Die Sporen aller Pilzkulturen wurden dann in einer speziellen Klimakammer den Bedingungen ausgesetzt, wie sie auf einem Marsflug und auf dem Mars herrschen: Die Spanne reichte von minus 60 Grad Kälte bis zu 150 Grad Hitze, einer Bestrahlung mit marstypischen UV-Dosen, eine marstypische Atmosphäre sowie den Aufenthalt in einem reaktiven Marsregolith-Analog. Zusätzlich setzten die Forschenden einige Pilzproben über einen und sechs Monate hinweg einer radioaktiven Strahlungsdosis von 2,16 Milligray aus.
Ein Pilz als Überlebenskünstler
Die Tests ergaben: Die meisten Pilzstämme überstanden zwar einige der Tests, aber nur eine Schimmelpilzart erwies sich als robust gegen nahezu alle Extrembedingungen. „Aspergillus calidoustus demonstrierte ein bemerkenswertes Überleben unter simulierten Marsbedingungen. Er trotzte bis zu 1.440 Minuten der marstypischen UV-Strahlung, den Bedingungen der Marsatmosphäre und dem Mars-Regolith“, berichten Chander und sein Team.
Auch Trockenheit, Hitze und eine sechs Monate dauernde radioaktive Bestrahlung, wie sie bei einem Raumflug zum Mars vorkommen würden, überstanden die Sporen des Schimmelpilzes Aspergillus calidoustus. Nur bei einer Kombination von extrem tiefen Temperaturen und hoher Strahlungsbelastung sank die Zahl der noch lebensfähigen Pilzzellen deutlich ab, wie die Forschenden berichten.
Kontamination durch Raumsonden denkbar?
Zusammengenommen legen die Ergebnisse nahe, dass Aspergillus calidoustus nicht nur in NASA-Reinräumen überlebt. Dieser Schimmelpilz könnte, wenn er eine Marssonde kontaminiert, sogar bis zum Mars gelangen. „Das bedeutet nicht, dass eine Kontamination des Mars durch solche Mikroben wahrscheinlich ist“, betont Seniorautor Kasthuri Venkateswaran vom JPL. Dennoch demonstriere das Experiment, dass diese Pilze theoretisch das Potenzial dazu haben.
Die Studie zeigt zudem erstmals, dass nicht nur Bakterien extraterrestrische Bedingungen aushalten und überleben können, sondern dass auch einige Schimmelpilze ähnlich robust sind. Diese Erkenntnis ist wichtig, um Desinfektionsmethoden für Reinräume und Raumsonden zu optimieren. „Bisherige Protokolle zur Mikrobenreduktion bei Raumfahrzeugen priorisieren bakterielle Sporen“, erklärt das Team. „Unsere Forschung unterstreicht damit eine kritische Lücke in den planetaren Schutzstrategien.“ (Applied and Environmental Microbiology, 2026; doi: 10.1128/aem.02065-25)
Quelle: American Society for Microbiology
21. April 2026
– Nadja Podbregar