20.04.2026 – Nachdem die EU in der letzten Woche grünes Licht gegeben hatte, stellte Bundesumweltminister Carsten Schneider am Freitag die Eckpunkte für das Förderprogramm zur Wiedervernässung von trockengelegten Moorflächen vor. Bis Ende 2029 stellt die Bundesregierung dafür rund 1,75 Milliarden Euro aus dem Klima- und Transformationsfonds bereit. Das Bundesumweltministerium rechnet mit erheblichem Interesse aus Land- und Forstwirtschaft, denn trockengelegte Moorböden lassen sich auf Dauer nicht gut bewirtschaften.
Das Förderprogramm fördert Planung und Durchführung der Wiedervernässung und kompensiert erstmals auch Ertragsverluste für Landwirte und Wertverluste der Grundstücke für Flächeneigentümer. Außerdem unterstützt es den Aufbau neuer Wertschöpfungsketten und Produkte aus Pflanzen, die im Moor wachsen: von Fasern für Papiere und Kartonagen über Dämmmaterialen bis zu Baumaterialien und vieles mehr. Fachleute sprechen von Paludi-Kultur, benannt nach dem lateinischen Wort palus für Sumpf. Diese Form der Landnutzung soll jetzt auf weiten Teilen der entwässerten Moorböden in Deutschland möglich werden.
Das Förderangebot setzt auf Freiwilligkeit. Es untergliedert sich in vier Module, die die jeweiligen Schritte bei der Wiedervernässung und dem Aufbau von nassen Bewirtschaftungsformen abbilden. Förderinteressierte können in der Regel jedes Modul einzeln beantragen und erhalten bis zu 100 Prozent Zuschuss für die Wiedervernässung von Moorböden und die Umsetzung wirtschaftlich tragfähiger, klimafreundlicher Nutzungsformen.
Mit dem jetzt bewilligten Fördervolumen könnten bis 2030 etwa 90.000 Hektar Land wiedervernässt bzw. damit begonnen werden. Laut Umweltminister Schneider unterstützen das Landwirtschaftsministerium, der Bauernverband und auch die Waldverbände das Vorhaben. Er betonte auch, dass es nicht um Stilllegung landwirtschaftlicher Flächen gehe. „Wir schlagen kein Ordnungsrecht vor, sondern Planungssicherheit, gezielte Anreize, faire Angebote und ein gemeinsames Vorgehen mit den Landnutzern. Dabei ist klar: Gerade die nasse Landwirtschaft ist eine große Veränderung. Mit dieser Förderung betreten wir Neuland“, sagte er in bei der Vorstellung des Programms. Deutschland sei damit Pionier in der EU, deshalb habe auch die beihilferechtliche Prüfung seitens der EU etwas gedauert. Es könne nun als Blaupause für andere EU-Staaten dienen.
Starten wird das Förderprogramm mit einigen großflächigen modellhaften Vorhaben – Leuchtturmregionen – ab mindestens 5.000 Hektar Moorbodenfläche, mit denen in verschiedenen Moorregionen die Neuausrichtung hin zu klimaverträglichen Bewirtschaftungsweisen unterstützt wird.
Die Förderangebote richten sich an alle, die für eine dauerhafte Wiedervernässung land- und forstwirtschaftlich genutzter Moorböden zusammenwirken müssen: Eigentümer, Bewirtschafter, Wasser- und Bodenverbände. Erstmals werden Flächeneigentümer, Wasser- und Bodenverbände sowie Flächenbewirtschafter gleichzeitig angesprochen.
In Kürze wird die Landwirtschaftliche Rentenbank einen Förderaufruf starten. Gleichzeitig werden die Moormanager und Regionalagenturen für den Natürlichen Klimaschutz in den Ländern geschult, um als Ansprechpartner und Lotse für Förderinteressenten zur Verfügung zu stehen. Für die weiteren Module des Förderprogramms führt die Landwirtschaftliche Rentenbank in den nächsten Monaten spezielle Informationsveranstaltungen durch.
Wahrscheinlich größter Beitrag zur Wiederherstellung der Natur
Bundesumweltminister Schneider bezeichnete das Programm „als wahrscheinlich größten Beitrag zur Wiederherstellung der Natur, den wir in den letzten Jahrzehnten hier in Deutschland gesehen haben“. Mit dem Programm starte eine Trendwende im Verhältnis zwischen Mensch und Natur.
Über Jahrhunderte wurden Moore in Deutschland entwässert. Mehr als 90 Prozent der deutschen Moore sind heute trockengelegt. „Doch wir wissen jetzt auch um die Nebenwirkungen“, wie Schneider erläutert. Landwirtschaft auf trockenem Boden werde mit der Zeit immer schwieriger und irgendwann unmöglich. Wasser geht der Region verloren, der Grundwasserspiegel sinkt ab, Wälder vertrocknen immer mehr. Der im Boden gebundene Kohlenstoff entweicht in die Atmosphäre und heizt den Planeten immer weiter auf.
Wiedervernässung ist mit vielen Vorteilen verbunden. Die steigende Artenvielfalt ist ein Aspekt. Gleichzeitig wird in der Landschaft Wassergehalten, das auch nennen ist auch umliegenden Flächen zugutekommt. Die Agrarflächen insgesamt werden produktiver, ein zentraler Vorteil. Hinzu kommt der Klimaschutz: Die Treibhausgase bleiben im Boden, und wenn sich die langfristig wieder neue Torfmasse bildet, werden sogar Treibhausgase aus der Atmosphäre geholt und gebunden. pf