Das Drama hält an: Der in einer flachen Bucht der Ostsee-Insel Poel gestrandete Buckelwal hat sich am Abend in Richtung Fahrrinne bewegt, ist in der Dämmerung dann aber wieder zur Ruhe gekommen. Dies war in Livestreams von Medien zu sehen. Die Helfer hoffen indes weiter, dass er es bis ins tiefe Wasser schafft und dann den Weg aus der Bucht herausfindet.

Am Montagabend sind die Rettungsarbeiten offenbar beendet worden und sollen erst am Dienstag fortgesetzt werden. Die Boote hätten sich bereits zurückgezogen, berichtet „Bild“.

Till Backhaus, environment minister for the state of Mecklenburg-Western Pomerania delivers a press statement on rescue efforts to save a humpback whale at the Baltic Sea coast near the island of Poel, near Wismar, northern Germany, on April 19, 2026. A private rescue attempt for the whale still goes on. The 13.5-metre (44-foot) humpback whale's ordeal first began in late March 2026 when it was spotted stuck on a sandbank near the city of Luebeck. It first freed itself only to become stuck again further east along the German coast. Earlier in April 2026 officials said they expected the animal to die, saying it had been too weakened by the odyssey to survive and make its way back to its natural habitat in the Atlantic. Coverage of the whale's struggle for survival and efforts to rescue it have gripped the German public, with some of the press calling the animal "Timmy". (Photo by Danny Gohlke / AFP) Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) verbrachte die Nacht zu Dienstag auf einem Boot in der Nähe des gestrandeten Buckelwals.

© AFP/Danny Gohlke

Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) entschied sich, die Nacht vor Ort auf einem Fischereiaufsichtsboot zu verbringen. Er wolle mit einem Nachtsichtgerät beobachten, was weiter passiere, sagte er. An Schlaf werde nicht zu denken sein, aber er sei hart im Nehmen. Er habe in den vergangenen Wochen überhaupt wenig geschlafen.

„Der Wal liegt ruhig“, sagte Backhaus später nach einer nächtlichen Kontrollfahrt der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Der Politiker hatte sich gemeinsam mit Experten der Landesfischereiaufsicht dem Tier mit einem Boot bis auf etwa 500 Meter genähert.

Die Atemfrequenzen hätten zunächst zwischen zwei und vier Minuten gelegen, seien im Verlauf aber auch wieder langsamer geworden, erklärte Backhaus. Das zeige, dass der Wal von den Ereignissen des Tages gestresst sei.

Ein Kampf gegen die Zeit

Mit eigenen Bewegungen war der Wal am Montagabend bis auf einige Meter an die Fahrrinne herangekommen. Helfer hatten zuvor Schlick unter dem Tier weggeblasen, um ihm den Start zu erleichtern. Bis zur Fahrrinne mit tieferem Wasser sei es aber noch ein Stück, hieß es. Es ist ein Kampf gegen die Zeit: In der Nacht sollte der Wasserstand sinken. 

20.04.2026, Mecklenburg-Vorpommern, Kirchdorf (poel): Der Schlepper "Robin Hood" wartet vor der Insel Poel. Nach den Plänen der Rettungsteams soll der Schlepper die Pontons mit dem Buckelwal in den Atlantik ziehen. Der bei Wismar gestrandeten Buckelwal hatte sich am Morgen freigeschwommen und hat sich mehrere Kilometer bewegt. Eine privaten Initiative versucht seit Tagen den Wal zu retten. Foto: Jens Büttner/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ Der Schlepper „Robin Hood“ wartet vor der Insel Poel. Er könnte die Pontons mit dem Buckelwal in den Atlantik ziehen.

© dpa/Jens Büttner

Laut „Bild“ versperrt nun ein Schlepper die Fahrrinne nach Wismar, um dem Wal die falsche Richtung zu blockieren, falls er sich noch einmal von allein in Bewegung setzt.

Unterdessen ist die Tierärztin der privaten Rettungsinitiative, Janine Bahr-van Gemmert, erkrankt, wie Backhaus bestätigte. Einem Medienbericht zufolge wurde sie am Montagabend in einem Hubschrauber in eine Klinik gebracht. Details zu ihrem Gesundheitszustand sind nicht bekannt.

Nach seinem Freikommen am Montagmorgen hatte der Buckelwal vor Poel zunächst immer wieder die Richtung gewechselt. Menschen versuchten von Booten aus vergeblich, ihn ins offene Meer zu treiben. Anschließend stoppte er kurz vor dem Ausgang aus der Bucht.

Ein Sprecher des Schweriner Umweltministeriums sagte danach, nach seinem Wissen ist es an der Stelle teils sehr flach. Doch Landesumweltminister Backhaus erklärte, der Wal liege dennoch nicht vollständig auf.

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Der sinkende Wasserstand könnte für das Tier zum Problem werden. Meeresbiologe Boris Culik sagte am Montag: Ein Wal werde komplett von Wasser getragen – mit 50 Zentimeter weniger Wasser, wie am Dienstag für die Wismarbucht gegen Mittag erwartet, werde es sehr schwierig.

„Dann würden die Organe gequetscht werden: die Lunge, das Herz, die Leber und so weiter.“ Der Forscher appellierte an die Retter: „Wenn der jetzt auf einer Sandbank liegt, wird es höchste Zeit, ihn da wieder wegzubugsieren. Die Retter haben nur wenige Stunden Zeit.“

Wie es dem Wal geht

Was das schätzungsweise drei bis fünf Kilometer lange Schwimmen am Montagmorgen angeht, gibt es Vermutungen von Wal-Beobachtern: Das Tier könnte so geschwächt sein, dass es versucht, in Küstennähe zu bleiben. Eine andere Erklärungsmöglichkeit wäre demnach, dass der Wal desorientiert ist. Er finde den Weg zurück ins offene Meer nicht. Daran scheiterte er schließlich zuvor schon.

Wal-Forscher Fabian Ritter sagte bei „Welt“: „Als er schwamm, waren das keine Bewegungen, die für einen Buckelwal sehr natürlich aussahen.“ Die Geleitversuche seien im Prinzip die richtige Idee, „aber der Wal zeigt aufs Neue, dass wir ihn nicht kontrollieren können“.

Gegenüber der dpa sprach sich Ritter anschließend dafür aus, das Tier in Ruhe zu lassen. „Wir müssen jetzt endgültig einsehen, dass es für uns nicht möglich ist, diesen Wal aktiv zu retten“, so Ritter. „Entweder er findet jetzt wieder zu Kräften und er hat noch so viel Kraft, und die Schädigungen sind nicht so groß, dass er es schafft, auch ohne unser Zutun. Oder er ist halt auf dem Weg zu seinem Lebensende. Das müssen wir einfach jetzt akzeptieren.“

20.04.2026, Mecklenburg-Vorpommern, Kirchdorf (Poel): Helfer beobachten von einem Schlauchboot der DLRG aus den Buckelwal der vor der Insel Poel liegt. Der bei Wismar gestrandeten Buckelwal hatte sich am Morgen freigeschwommen und hat sich mehrere Kilometer bewegt. Foto: Jens Büttner/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ Helfer beobachten am 20. April 2026 von einem Schlauchboot der DLRG aus den Buckelwal, der vor der Insel Poel liegt.

© dpa/Jens Büttner

Die ruhende Position im flachen Wasser nehme der Wal, Ritters Überzeugung nach, immer wieder freiwillig ein, „weil er sich das Leben erleichtern will“. Zum Zustand des Wals sagte der Experte, der Wal habe weiterhin noch Reserven.

Es sei für einen Buckelwal ohne Weiteres möglich, ein paar Wochen ohne Nahrung auszukommen. Ein Problem seien vielmehr die Netzreste im Maul, und damit möglicherweise die Unfähigkeit, Nahrung zu sich zu nehmen. Und nach 20 Tagen an einer Stelle liegend auch Immobilität, zusammen mit einem geschwächten Gesamtzustand.

Greenpeace attestiert Stress

Nach Einschätzung der Umweltorganisation Greenpeace bedeutet die aktuelle Situation eine hohe Belastung für den Wal. „Das ist natürlich ein Megastress“, sagte ein Sprecher. Der Wal habe die letzten Jahre ohne Kontakt zu Menschen verbracht, nun gebe es ständig Aktivitäten. Das Tier müsse sich erst einmal von den vergangenen Tagen erholen und sei jetzt Motorenlärm von den Booten ausgesetzt.

Neue Hoffnung am Wochenbeginn

Rückblick: Am Montagmorgen war der seit knapp drei Wochen vor der Küste Mecklenburg-Vorpommerns festsitzende Wal plötzlich losgeschwommen. Steigende Wasserstände und starker Wind schafften die richtigen Bedingungen. Backhaus beschrieb die Entwicklung „erst mal als Glücksmoment“. Allerdings komme es auf die richtige Begleitung des Wals an.

Erst Plan A, dann Plan B

Diese hat seit vergangener Woche eine private Rettungsinitiative übernommen, die mit staatlicher Duldung arbeitet. Am Sonntagmorgen sah man sich dort auf gutem Weg. Für den Fall eines freischwimmenden Wals greife „Plan B“, also die Begleitung des im Internet „Timmy“ und „Hope“ getauften Tiers mit DLRG-Booten. „Plan A“ sah einen Transport des Wals bis in die Nordsee oder den Atlantik vor. Dabei sollten Pontons – also schwimmende Plattformen – zum Einsatz kommen.

Sofern der Wal tatsächlich in die Freiheit entlassen werden kann, stellt sich die Frage der Nachverfolgung. Stand Sonntag sollte ein Sender noch angebracht werden.

Livestream von News5

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Wal seit Anfang März an Ostseeküste unterwegs

Seit Anfang März war der Wal immer wieder an der Ostseeküste aufgetaucht, zunächst im Hafen von Wismar, später in der Lübecker Bucht und an der Küste bei Steinbeck (Kreis Nordwestmecklenburg). Das Tier hatte sich demnach mehrmals in Netzen verfangen. Einsatzkräfte und Meeresschützer der Organisation Sea Shepherd hatten es von einem Teil des Materials befreit.

Wiederholt lag der Wal fest. Solche Mehrfachstrandungen gelten in Fachkreisen als ein Zeichen für massive Schwierigkeiten. Experten beschrieben das Tier als geschwächt. Es wurde davon ausgegangen, dass es vor der Küste stirbt.

Die Tierschutzorganisation Whale and Dolphin Conservation (WDC) betont auf ihrer Website: „Auch wenn der Fall dieses Buckelwals extrem traurig und tragisch ist – die Realität ist, dass jedes Jahr rund 300.000 Wale und Delfine weltweit einen ähnlich langen Leidens- bzw. Sterbeweg haben, da sie sich in Fischereigeräten verstricken.“ Der Buckelwal in der Ostsee zeige, „wie schlimm die Auswirkungen unserer menschlichen Aktivitäten im Meer sind“.

Inzwischen wird auch satirisch auf die Aufregung um den Wal reagiert: Auf der Parodie-Website „Wal-O-Mat“ können Nutzer herausfinden, ob sie dem „Team Sprengen“, dem „Team Retten“ oder dem „Team Liegen lassen“ angehören.

Vielzahl neuer Walpatenschaften

Der Wal bei Wismar scheint außerdem insgesamt für mehr Aufmerksamkeit beim Thema Wale zu sorgen. Die Umweltschutzorganisation WWF hat zuletzt eine Vielzahl an neuen Walpatenschaften verzeichnet – und führt den Anstieg auf den Buckelwal zurück. „Es ist mehr Aufmerksamkeit auf dem Thema“, sagte eine WWF-Sprecherin der Deutschen Presse-Agentur. „Die Menschen wollen was tun, tippen wir.“

In den vergangenen vier Wochen seien 113 neue Walpatenschaften abgeschlossen worden – in den vier Wochen zuvor seien es lediglich 15 gewesen. Der WWF habe sich in seinem Marketing nicht auf den Buckelwal bezogen und sei auch nicht an den Aktionen rund um das Tier beteiligt gewesen, sagte die Sprecherin.

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Die Gelder aus der Walpatenschaft werden nach Angaben des WWF unter anderem verwendet, um die Kontrolle des Walfangs zu stärken, Meeresschutzgebiete auszuweisen und den Beifang von Walen und Delfinen in Fischernetzen zu verringern. Auch sollen die Wale vor Umweltgiften und Lärm geschützt werden.

Auch die Meeresschutzorganisation Sea Shepherd berichtet von einem deutlich gestiegenen öffentlichen Interesse aufgrund des Wals in der Ostsee. Demnach hätten sich in den vergangenen Wochen zahlreiche Menschen telefonisch und per E-Mail an die Organisation gewandt, um sich zu informieren oder ihre Anteilnahme auszudrücken. Dieses erhöhte Engagement spiegele sich auch in der Unterstützung wider. Nach Angaben von Sea Shepherd ist die Zahl der Dauerspender seit dem Auftauchen des Wals merklich angestiegen. (dpa/AFP/TMA)