Stillstand an der Ostsee: Der vor der Insel Poel im flachen Wasser liegende Buckelwal ist bisher nicht erneut losgeschwommen. Auf Livestreams im Internet ist zu sehen, dass das tonnenschwere Tier weiterhin am Ausgang der Kirchsee genannten Bucht in der Nähe des Fahrwassers liegt und atmet.
Die private Rettungsinitiative, die den Wal ins offene Meer zurückbringen will, setzt ihre Hilfsaktion unterdessen fort.
Umweltminister Till Backhaus (SPD) erklärte, dem Meeressäuger werde Nahrung angeboten – Heringe und Shrimps. Angesichts der sinkenden Wasserstände wurde zudem am Wal gespült. Trotz des weiterhin kritischen Zustands sei der Wal vital und habe noch eine Chance, betonte der Minister.
Doch nach Einschätzung des Berliner Walforschers und Meeresbiologen Fabian Ritter hat sich die Lage zuletzt verschlechtert. „Der ragt tatsächlich deutlich weiter aus dem Wasser. Das ist keine gute Sache“, sagte Ritter über das im Internet „Timmy“ oder „Hope“ genannte Tier.
Der Wasserstand ist im Vergleich zu gestern gesunken. „Jeder Zentimeter bringt ihn in eine Situation, wo er mehr unter seinem eigenen Gewicht leidet.“ Das Tier scheine nun auf Grund zu liegen und nicht weg zu können, sagte Ritter.
Soweit er das sehe, sei der Atem nach wie vor kraftvoll. „Dieser Wal hat ganz offensichtlich eine Kämpfernatur.“ Dass er noch am Leben ist, sei im Grunde ein Ding der Unmöglichkeit. „Die Tatsache, dass ein Wal lebend strandet, dann erneut strandet und dann noch mal und noch mal und dann noch so lange lebt, das gab es noch nie.“
Allerdings sei das Tier nach seinem Freikommen am Montag auf unnatürliche Art und Weise geschwommen und habe zwei Stunden später wieder auf einer Sandbank gelegen. „Ich empfehle, diesen Wal jetzt einfach strikt in Ruhe zu lassen“, bekräftigte Ritter.
Teammitglieder verlassen Wal-Rettungsinitiative
Im Rettungsteam herrscht unterdessen offenbar Unruhe. Mehrere Mitglieder haben die Initiative verlassen oder fallen vorerst aus. Christiane Freifrau von Gregory, die als Pressesprecherin des Teams aufgetreten ist, tritt zurück. Sie mache den Weg frei, da eine konstruktive und professionelle Zusammenarbeit unter den derzeitigen Rahmenbedingungen „für uns“ nicht mehr möglich sei. Weiter teilte sie mit: „Um die Integrität unserer bisherigen Arbeit zu wahren und die weitere Rettung des Tieres nicht durch interne Differenzen zu belasten, ist ein klarer Schnitt zum jetzigen Zeitpunkt unumgänglich.“
Livestream von News5
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Der Rückzug der Sprecherin ist nicht der einzige, den die private Initiative verkraften muss. So ist deren leitende Tierärztin, Janine Bahr-van Gemmert, gestern mit einem Hubschrauber in ein Krankenhaus gebracht worden, wie Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) sagte.
Auch eine weitere Tierärztin fällt demnach aus. „Ich habe natürlich auch mit großer Sorge zur Kenntnis genommen, dass die aus Hawaii eingeflogene Tierärztin abgereist ist“, sagte Backhaus am Morgen. Auf der nicht verifizierten Facebook-Seite von Jenna Wallace wurde inzwischen ein langer Beitrag gepostet, in dem von Differenzen im Team zu lesen ist. Dort heißt es unter anderem: „Gestern Abend habe ich eine sehr schwierige Entscheidung getroffen. Ich musste mich entscheiden, ob ich meinen Job und meinen Lebensunterhalt riskieren oder bei Timmy bleiben wollte“. Sie wirft insbesondere zwei Beteiligten – dem Schriftsteller Sergio Bambarén und dem Influencer Danny Hilse – unprofessionelles Verhalten in Bezug auf die Rettungsaktion vor.
Mediamarkt-Mitgründer und Mitfinanzierer der Aktion Walter Gunz sprach von einer enormen Belastung für das ganze Team. Er selbst habe seit acht Tagen nur drei bis vier Stunden pro Nacht geschlafen und sei auch angeschlagen. „Wir sind alle am Ende.“ Aufgeben wolle die Initiative aber nicht. Es gehe auf jeden Fall weiter.
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Der Wal hatte sich Montagmorgen bei steigendem Wasserstand in der Bucht zunächst freigeschwommen, lag zwei Stunden später aber wieder in dem vielerorts hüfttiefen Wasser fest. Am Abend waren noch einmal Bewegungen des Wals in Richtung der tiefen Fahrrinne zu sehen – dann ruhte er wieder. (dpa/AFP/TMA)