Seit mehr als vier Jahren führt Russland eine verlustreiche und teure Invasion in der Ukraine durch. In dieser Zeit wurden auch die westlichen Sanktionen mehrfach verschärft. Wird die von fossilen Exporten abhängige Wirtschaft unter dieser Last zusammenbrechen? Beobachter beantworten diese Frage unterschiedlich. Thomas Nilsson, der Chef des schwedischen Militärgeheimdienstes, sagt: „Es ist kein nachhaltiges Wachstumsmodell, Material für den Krieg zu produzieren, das dann auf dem Schlachtfeld zerstört wird“.

Der Iran-Krieg mag unverhoffte Öleinnahmen in die Kriegskasse gespült haben. Doch Nilsson sieht eben ein „systemisches Problem“ der russischen Wirtschaft. Es zeige sich auch im Wachstumssektor der Verteidigungsindustrie.

Diese mache Verluste, wenn man die Drohnenproduktion ausklammert. Probleme bestünden in der Korruption und der Abhängigkeit von Krediten staatlicher Banken, sagte Nilsson der „Financial Times“.

Von diesen Schwierigkeiten aber dürfe das Ausland nichts mitbekommen. Der Geheimdienstchef spricht davon, dass Russland systematisch Daten manipuliere. Die Verbündeten der Ukraine sollen das Bild einer widerstandsfähigen russischen Wirtschaft sehen.

Vielleicht kennt auch Putin die Wahrheit nicht

Womöglich wird damit auch der russische Machthaber Wladimir Putin selbst getäuscht. „Er weiß vielleicht gar nicht, wie schlimm die wirtschaftliche Lage wirklich ist“, vermutet Nilsson. Er spricht von einem „System“, das Putin aufgebaut habe. Gemeint sein dürfte: Autoritäre Präsidenten bekommen von ihren Untergebenen zu hören, was sie hören wollen – und nicht, was sie hören sollten.

Zum Beispiel, dass die echte Inflation in Russland näher an 15 Prozent liege, als an den offiziellen 5,86 Prozent. „Für die russische Wirtschaft gibt es nur zwei mögliche Szenarien: einen langfristigen Niedergang oder einen Schock“, meint Nilsson. So oder so steuere das Land auf eine „finanzielle Katastrophe“ zu.

Das US-Institut für Kriegsstudien (ISW) schreibt in einem aktuellen Lagebericht: „Die Einschätzungen des schwedischen Geheimdienstes decken sich mit den seit Langem bestehenden Einschätzungen des ISW“. Dabei gehe es um die „erheblichen Herausforderungen“ der russischen Wirtschaft.

Es gehe zudem um die Bemühungen zur Verschleierung. Damit es so aussieht, als könne Russland noch auf unbestimmte Zeit Krieg führen. Wobei Putin jüngst gar nicht mehr so bemüht darum schien.

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Kürzlich gestand er wirtschaftliche Probleme ein. „Im Januar dieses Jahres ist Russlands Bruttoinlandsprodukt 2,1 Prozent niedriger gewesen als vor einem Jahr“, sagte Putin bei einer Regierungssitzung. Er forderte entschiedene Maßnahmen, um „auf den Pfad nachhaltigen Wachstums zurückzukehren“. (mit dpa)