Nikosia/Teheran. Der Iran und die USA haben sich am Dienstag einen Streit am Abgrund eines neuen Krieges geliefert. Die Konfliktparteien konnten sich kurz vor Ablauf ihrer Waffenruhe an diesem Mittwoch zunächst nicht auf die Fortsetzung ihrer Verhandlungen in Pakistan einigen. Dennoch gab es Anzeichen dafür, dass ein erneuter Kriegsausbruch doch noch verhindert werden könnte.

Die am 8. April verkündete Feuerpause im Iran-Krieg endet am Mittwoch. Vermittler Pakistan bemüht sich um eine Verlängerung und um weitere Friedensverhandlungen. Die Nachrichtenagentur AP berichtete, Pakistan habe Zusagen von USA und Iran für die Teilnahme an einer neuen Gesprächsrunde am Mittwochmorgen erhalten.

Wenn sich dieser Termin bestätigt, wäre die Waffenruhe bis dahin abgelaufen. Donald Trump ließ am Mittwochnachmittag zunächst mit einem Interview mit dem Sender CNBC aufhorchen: Er wolle die Waffenruhe nicht verlängern, sagte der US-Präsident. Damit wollte Trump möglicherweise den Druck auf den Iran erhöhen: Gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg erklärte Trump, die Feuerpause ende erst in der Nacht zum Donnerstag. Bei dieser Auslegung hätten die Unterhändler Zeit, die Waffenruhe zu verlängern.

Trump erneuerte seine Drohung mit neuen Angriffen auf den Iran. Wenn die Mitglieder des iranischen Regimes die vorgeschlagenen Gespräche in Islamabad verweigern sollten, „werden sie Probleme bekommen wie nie zuvor“, sagte Trump dem regierungsfreundlichen US-Radiomoderator John Fredericks.

Irans Parlamentspräsident und Chef-Unterhändler Mohammad Bagher Kalibaf erklärte auf X, sein Land werde nicht „im Schatten von Drohungen“ verhandeln. Teheran verlangt als Vorbedingung neuer Gespräche, dass die USA ihre Seeblockade beenden. Trump lehnt das ab.

Hinter den Kulissen bereitete der Iran laut Medienberichten jedoch die Entsendung einer Delegation nach Pakistan vor. Der Vorschlag für die neue Verhandlungsrunde werde wohlwollend geprüft, berichtete die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf iranische Gewährsleute. Die „New York Times“ zitierte ungenannte iranische Regierungsvertreter mit der Aussage, Kalibaf werde nach Islamabad reisen, wenn auch Vance nach Pakistan komme. Auch der US-Vizepräsident sollte laut US-Medienberichten am Dienstag nach Islamabad fliegen. Da der Flug aus den USA nach Pakistan wesentlich länger dauert als die Anreise aus dem Iran, würde die Bestätigung von Vances Abflug dem iranischen Regime einige Stunden Zeit geben, um die eigene Delegation loszuschicken.

Pakistan bereitete sich trotz der Ungewissheit auf die Ausrichtung des neuen Treffens vor. Vance und Kalibaf hatten sich mit ihren Abordnungen erstmals am 11. April in Islamabad zusammengesetzt. Seitdem hat es nach Angaben beider Seiten in weiteren Kontakten einige Fortschritte bei der Ausarbeitung eines Friedensabkommens gegeben.

Das Abkommen soll die Aufhebung der iranischen Sperre der Meerenge von Hormus und Begrenzungen für Teherans Atomprogramm regeln. Der israelische Sender Channel 12 meldete, Eckpunkte einer möglichen Einigung seien ein 15-jähriger Verzicht des Iran auf eine Uran-Anreicherung sowie die Zusage, den bereits bestehenden Vorrat an 440 Kilogramm hochangereichertem Uran so zu verdünnen, dass er nicht für den Bau einer Atombombe verwendet werden kann. Der Iran solle mit einem Abbau der internationalen Sanktionen belohnt werden.

Iranische Regierungsvertreter lehnten bisher die Forderung ab, das hochangereicherte Uran den USA zu übergeben. Trump deutete jetzt an, dass er zu Kompromissen bei diesem Thema bereit sein könnte. Wegen der Zerstörungen im Iran werde die Bergung des hoch angereicherten Urans schwierig und langwierig, schrieb er auf seiner Plattform Truth Social.

US-Regierungsvertreter beklagen laut dem Sender CNN, Trump behindere die Verhandlungen mit seinen vielen öffentlichen Äußerungen. Der Präsident betont seit Tagen, das Ende des Krieges stehe bevor. Er verlangt von Teheran jedoch, alle Forderungen zu erfüllen. Irans Militär erklärte am Dienstag, es werde auf neue Angriffe „sofort und entschieden“ antworten. Die Revolutionsgarden bauen nach eigenen Angaben ihr Raketen- und Drohnenarsenal derzeit schneller aus als vor Beginn des Krieges am 28. Februar.

Der Iran hatte während des mehrwöchigen Krieges gegen die USA und Israel schwere Verluste erlitten. Das Regime präsentiert sich trotzdem als Sieger, weil der amerikanisch-israelische Versuch eines Regimewechsels in Teheran vorerst scheiterte und sich der Iran die Kontrolle über die Straße von Hormus sichern konnte. Die weltwirtschaftlich wichtige Tankerroute am Persischen Golf blieb auch am Dienstag gesperrt. Die iranische Führung sei für Trumps Drohungen mit einem neuen Krieg nicht empfänglich, schrieb der Iran-Experte und frühere israelische Militärgeheimdienstler Danny Citrinowicz auf X. „Selbst ein geschwächter Iran wird eher weiter eskalieren, als sich zu ergeben.“