Ausgangspunkt der Studie waren 47 Mäuse, die vom Jugendalter an entweder Wasser oder eine süßstoffhaltige Lösung zu trinken bekamen. Die Dosis der Süßstoffe Stevia oder Sucralose entsprach dabei der Menge, die ein Mensch im Alltag aufnehmen würde. Diese Mäuse wurden dann verpaart und über zwei Generationen hinweg weitergezüchtet. Dabei erhielt nur die Gründergeneration die Süßstofflösungen, Kinder und Enkel tranken normales Wasser.

Alle Tiere wurden nach Erreichen des Erwachsenalters auf ihre Darmflora, ihre Glucosetoleranz und epigenetische Veränderungen an fünf wichtigen Genen untersucht. Diese Gene regulieren Entzündungen, die Darmbarriere und Leber- und Darmstoffwechsel.

Veränderungen noch bei den Enkeln

Es zeigte sich: Die Süßstoffe hatten nicht nur Auswirkungen auf die Mäuse, die selbst Stevia und Sucralose konsumiert hatten. Auch ihre Nachkommen zeigten Veränderungen in ihrer Darmflora und Genaktivität. Unter anderem produzierten die Darmbakterien der Kinder und Enkel weniger gesundheitsfördernde kurzkettige Fettsäuren als die Nachkommen der Kontrollmäuse. Nachkommen der Sucralose-trinkenden Mäuse hatten zudem mehr krankheitserregende und weniger nützliche Bakterien im Kot, wie die Forschenden feststellten.

Bei der Genaktivität hatten die Süßstoffe ebenfalls generationsübergreifende Effekte: Bei den Mäusenachkommen waren die entzündungsfördernden Gene Tlr4 und Tnf aktiver, dafür war die Expression einiger Stoffwechselgene verringert. „Diese Effekte waren in der ersten Folgegeneration am stärksten und nahmen dann in der Enkelgeneration ab“, berichtet Concha Celume. Sucralose hinterließ zudem stärkere und anhaltendere Spuren als Stevia.

Was könnte die Folge sein?

„Was wir beobachtet haben, waren subtile Veränderungen in der Weise, wie der Körper Glucose und die Aktivität von Genen reguliert, die mit Entzündungen und dem Stoffwechsel verknüpft sind“, erklärt die Forscherin. Das bedeute zwar nicht, dass diese Süßstoffe Stoffwechselstörungen verursachen. „Aber es ist möglich, dass diese Veränderungen die Anfälligkeit für solche metabolischen Störungen unter bestimmten Bedingungen erhöhen – beispielsweise bei einer fettreichen Ernährung.“

Nach Ansicht der Forschenden liefern ihre Ergebnisse zudem Indizien dafür, dass die süßstoffbedingten Veränderungen an die Folgegeneration weitergegeben werden können. Möglich ist dies beispielsweise über das Muster der epigenetischen Anhänge an der DNA. Auch für ernährungsbedingte Veränderungen dieser Muster haben Studien schon generationsübergreifende Effekte nachgewiesen.

Ist dies auf uns Menschen übertragbar?

Was aber bedeutet dies konkret? Und wie übertragbar sind die Resultate auf uns Menschen? An diesem Punkt ist noch weitere Forschung nötig, wie auch Concha Celume und ihr Team einräumen. Dies betont auch der nicht an der Studie beteiligte Physiologe Parveen Yaqoob von der University of Reading. „Hinweise auf einen transgenerationalen Effekt sollten mit Vorsicht interpretiert werden“, sagt er. Dennoch sei es sinnvoll und ratsam, die Wirkung von Süßstoffen weiter intensiv zu überprüfen.

Ähnlich sehen es auch Concha Celume und ihre Kollegen: „Unser Ziel ist es nicht, Alarm zu schlagen. Wir wollen aber unterstreichen, dass hier weitere Forschung nötig ist.“ Das Team rät zudem dazu, im Alltag möglichst wenig Süßstoffe zu konsumieren. (Frontiers in Nutrition, 2026; doi: 10.3389/fnut.2026.1694149)

Quelle: Frontiers, Science Media Centre UK







22. April 2026

– Nadja Podbregar