Die energieintensive Branche stöhnt unter den Folgen des Kriegs im Iran. Die Strompreiskompensation dürfte noch länger nicht bei den Unternehmen ankommen, fürchtet man in der Branche. Die Konsequenz: Kunden werden schon bald deutlich mehr zahlen.

Wien. „Die wirtschaftlichen Folgen des Iran-Kriegs für die Konjunktur gehen weit über den Anstieg der Preise hinaus“, warnte Ökonom Achim Wambach, Präsident des deutschen Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), am Dienstag. Die Sorge vor einer längerfristigen Verknappung des Energieangebots hemme Investitionen und schwäche die Wirkung staatlicher Impulse, schrieb das Institut und senkte seinen Konjunkturausblick. Auch die heimischen Wirtschaftsinstitute korrigierten zuletzt ihre Prognosen nach unten. Besonders für die energieintensive Industrie sind die neuerlichen Preissprünge ein Dämpfer.

Exemplarisch dafür steht die heimische Papierindustrie, die am Dienstag ihre Jahresbilanz für 2025 präsentierte. Kaum eine andere Branche ist so stark von der Entwicklung der Energiepreise abhängig. Der Anteil der Energiekosten liegt zwischen 20 und 30 Prozent der gesamten Produktionskosten, heißt es aus der Branche.

Diese stecke seit einigen Jahren ohnehin in einer strukturellen Transformation, sagt Martin Zahlbruckner, Präsident des Branchenverbandes Austropapier. Der Umsatz der Branche ging im Vorjahr um 5,7 Prozent auf 4,4 Mrd. Euro zurück. Während die Produktion von Verpackungspapier und Wellpappe 2025 bei rund 2,7 Mio. Tonnen stagnierte, setzte die Erzeugung von grafischem Papier (u.a. Zeitungen, Magazine) ihren starken Einbruch der vergangenen Jahre auch 2025 fort. Alleine im Vorjahr ging die heimische Papierproduktion um 19,2 Prozent zurück. Im europäischen Durchschnitt fiel der Produktionsrückgang deutlich geringer aus (minus 7,3 Prozent).

Der in Österreich überproportional starke Einbruch in den vergangenen Jahren sei einerseits die Folge von Managemententscheidungen sowie einer sinkenden Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Industrie im Vergleich zu europäischen Mitbewerbern, sagt Zahlbruckner. Die Konkurrenz sitzt aber nicht wie in anderen Industriezweigen in China oder den USA, sondern in den europäischen Nachbarstaaten. Im Gegensatz zu Österreich würden dort staatliche Strompreis-Fördermechanismen funktionieren und tatsächlich in der Industrie ankommen. Im Vergleich zu deutschen Mitbewerbern würden heimische Betriebe etwa das 2,3-Fache an Energiekosten zahlen, sagt Austropapier-Vorstandsmitglied Harald Ganster.

Ein wichtiger Teil des Produktionsprozesses ist das Trocknen von Papier. Die dafür nötige Wärme wird vor allem durch Gas gewonnen, von dessen Preissteigerungen alle europäischen Produzenten gleichermaßen betroffen sind. Problematisch seien vor allem die in Österreich überdurchschnittlich hohen Stromkosten. Seit vergangener Woche können sich energieintensive Unternehmen für einen geförderten Industriestrompreis bewerben. Der Bund stellt dafür für 2025 (rückwirkend) und 2026 insgesamt etwa 150 Mio. Euro bereit. Anspruch auf die Förderung haben rund 60 österreichische Betriebe aus festgelegten Branchen wie der Papier- und Stahlindustrie.

Doch mit den vom Wirtschaftsministerium angekündigten Strompreiskompensationen möchte man sich in der Branche nicht zufriedengeben. 2023 hatte es eine solche Kompensation zuletzt gegeben, nun wartet die Industrie sehnsüchtig auf neue Gelder. Die angekündigten Förderungen seien allerdings „sehr schmal budgetiert“, sagt Ganster. Er wünscht sich eine Kompensation „in fünffacher Höhe“ – wohl wissend, dass die budgetäre Situation den Handlungsspielraum der Bundesregierung aktuell stark einschränkt. Dennoch spricht Ganster von „existenzbedrohlichen Bedingungen im Vergleich zu den europäischen Mitbewerbern“, sollten die mehrfach angekündigten Entlastungen nicht bald bei den Betrieben ankommen.

Sebastian Heinzel, Chef des gleichnamigen Zellstoff- und Papierproduzenten, ist skeptisch, dass dies bald der Fall sein wird. Auch, weil die beihilferechtlichen Genehmigungen der EU dafür noch ausstehen. „Wir wissen von der Strompreisförderung 2023, dass diese Prozesse mehrere Monate dauern. Vor dem vierten Quartal wird hier wohl leider nichts bei uns ankommen“, zeigt sich der Unternehmer ernüchtert von der zaghaften Wirtschaftspolitik der Regierung. In der zu Jahresbeginn präsentierten Industriestrategie würden zwar die richtigen Schwerpunkte angesprochen, die Umsetzung sei aber „viel zu langsam“, sagt Heinzel: „Das ist keine Industriepolitik, die bei den Unternehmen ankommt.“

Die Konsequenz: Die Papier- und Faserindustrie beginne bereits, die gestiegenen Kosten an ihre Kunden weiterzugeben. Es sei mit Preissteigerungen von 15 bis 20 Prozent zu rechnen, heißt es aus der Branche.

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