Der Ex-ORF-Generaldirektor will eine sachliche und vollständige Bewertung der Causa ermöglichen, in der ihm Fehlverhalten gegenüber einer Mitarbeiterin vorgeworfen wird. Die Sicht des „Falter“ sei nicht zutreffend.

Roland Weißmann will, dass der Compliance-Bericht den ORF-Stiftungsräten vorgelegt wird. Damit solle eine sachliche und vollständige Bewertung der Beziehung zwischen ihm und jener ORF-Mitarbeiterin, die ihm Fehlverhalten ihr gegenüber vorwirft, für die Räte ermöglicht werden. Denn die unlängst vom „Falter“ veröffentlichten privaten Nachrichten würden „kein zutreffendes Gesamtbild der tatsächlichen Beziehung und der zugrunde liegenden Dynamik vermitteln“, teilte Weißmanns Anwalt Oliver Scherbaum am Mittwoch in einer Aussendung mit.

Der Compliance-Bericht hat keine sexuelle Belästigung im strafrechtlichen Sinne und ebenso keine im Sinne des Gleichbehandlungsgesetzes festgestellt. „Uns hat sich auch der Eindruck ergeben, dass der Austausch für keine der beiden Seiten unerwünscht war“, erklärte der ORF-externe Anwalt Christopher Schrank als einer von drei Juristen, die die Untersuchung durchführten. Er betonte in der Vorwoche zudem, dass der Bericht nicht herausgegeben werde – auch nicht auszugsweise. Das sei Standard in derartigen Verfahren und schütze Persönlichkeitsrechte.

Am Donnerstag wird indes bei einer ORF-Stiftungsratssitzung nicht nur entschieden, wer den ORF bis Ende 2026 führt, auch wird eine mögliche Vorverlegung der ORF-Wahl für die eigentliche nächste Führungsperiode ab 2027 diskutiert. Neben dem von der FPÖ entsandten Stiftungsrat Peter Westenthaler wollen auch Stiftungsräte aus dem ÖVP-„Freundeskreis“ einen Antrag auf Vorverlegung der Wahl auf den 11. Juni (statt 11. August) einbringen. Argumentiert wird mit der „außergewöhnlichen Situation“, in der sich der ORF gegenwärtig befinde. Sie verlange rasch Klarheit über die zukünftige Führung. Laut „Kurier“ zeigt sich Stiftungsratsvorsitzender Heinz Lederer offen für eine Debatte dieser „interessanten Idee“. Die Ausschreibung für den ORF-Generaldirektorenposten erfolgt in etwas mehr als einer Woche. (APA)

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