2016 überraschte Leicester City die Fußballwelt mit dem Titelgewinn in der Premier League. Nach dem zweiten Abstieg in Folge ist der Klub nun in der 3. Liga angekommen.
Es ist Fußballfans noch in Erinnerung, als sich mit Leicester City das große Geld machen ließ. 5000:1 betrug die Wettquote für den Klub aus den Midlands auf den Titelgewinn in der englischen Meisterschaft 2015/16 und zugegeben, es brauchte durchaus Mut darin eine Kapitalanlage zu erkennen. Denn dass es der damaligen Mannschaft von Claudio Ranieri in der Premier League tatsächlich gelingen sollte, Rivalen wie Arsenal, Manchester City oder United hinter sich zu lassen ging als modernes Fußballmärchen in die Geschichte ein. 250.000 Fans feierten die Meisterhelden um ÖFB-Teamkapitän Christian Fuchs damals ausgelassen auf den Straßen. Statt heuer ob des Jubiläums in glanzvollen Erinnerungen zu schwelgen, herrscht in Leicester jedoch blankes Entsetzen: Nach dem Abstieg aus der Premier League vergangenen Sommer ist seit Dienstagabend der Absturz bis in die dritte Liga amtlich.
Wo 2016 „Jamie Vardy‘s having a party“ von den Rängen erklang, war nach dem 2:2 gegen Hull City „Schmeißt den Vorstand raus“ zu hören. Noch lange nach Schlusspfiff machten enttäuschte Anhänger vor dem King Power Stadium ihrem Frust lautstark Luft.
Ihr Ärger richtete sich insbesondere an den umstrittenen Klubvorsitzenden Aiyawatt Srivaddhanaprabha, der die Agenden von seinem 2018 tödlich verunglückten Vater Vichai übernommen hat. „Es gibt keine Ausreden“, wird der 40-Jährige in einem Statement zitiert: „Wir haben die größten Höhen und nun die tiefsten Tiefen erlebt, und der Schmerz ist uns allen gemeinsam. Es tut mir aufrichtig leid für die Enttäuschung, die wir verursacht haben.“ Das thailändische Konsortium hatte den Klub 2010 übernommen und zunächst in neue Sphären geführt.
2021 durften Klub und Fans mit dem Triumph im FA Cup noch einmal jubeln, dann begann Leicesters sportlicher Fall. Vor drei Jahren stiegen die „Foxes“ aus der Premier League ab, dem sofortigen Wiederaufstieg folgte für den 1884 gegründeten Traditionsverein zu Saisonende der neuerliche Gang in die 2. Liga – und ein Umbruch. Diesmal wollte Leicester den echten Neuanfang wagen und verabschiedete im Sommer routinierte Kräfte um Kultstürmer Vardy ebenso wie Trainer Ruud van Nistelrooy.
Der stattdessen installierte Spanier Marti Cifuentes Corvillo musste mit ablösefreien Neuzugängen das Auskommen finden und im Winter auf Platz 14 liegend gehen. „Mit diesem Kader sollten wir nicht absteigen“, war Klubchef Srivaddhanaprabha zu Jahresbeginn vom immerhin viertwertvollsten Championship-Kader noch überzeugt. Doch im Februar stürzte ein Sechs-Punkte-Abzug wegen Verstößen gegen die Finanzregeln beim Aufstieg 2024 Leicester in die Abstiegszone und die Krise: Von den jüngsten 18 Ligaspielen wurde nur noch ein einziges gewonnen.
Zwei Runden vor Schluss ist das rettende Ufer für Leicester City nun uneinholbare sieben Punkte entfernt. „Das war eine Leistung wie sie vor zehn oder zwölf Runden hätten zeigen sollen. Es war viel Energie und Willen da, und ein bisschen Verzweiflung“, resümierte Trainer Gary Rowett, der sich nicht unbedingt für eine Verlängerung seines auslaufenden Vertrages empfohlen hat. „Ich übernehme Verantwortung. Ich wusste, dass ich hier in eine schwierige Situation kommen würde.“

Erinnerung an den Höhenflug: Erfolgscoach Claudio Ranieri und sein Team mit der Meistertrophäe. AFP
Damit geht Leicester zehn Jahre nach dem sensationellen Titelgewinn auch mit dem seltenen Kunststück in die Geschichte der Premier League ein, zweimal in Folge abzusteigen: Zuvor wurden Swindon Town (1993/94), Wolverhampton Wanderers (2012/13) und Sunderland (2016/17) durchgereicht. Kommende Saison finden sich die „Foxes“ zum zweiten Mal in ihrer 142-jährigen Klubgeschichte nach 2008/09 nur noch in der dritten Leistungsstufe wieder. Eine „sportliche Katastrophe“ befand der „Guardian“, der „Mirror“ titelte gewohnt scharf: „Von Champions zu Versagern“.
Ob Leicester neuerlich die sofortige Rückkehr in die Championship gelingen wird? Englischen Medienberichten zufolge verlassen 17 Profis im Sommer das sinkende Schiff. Die Wettquoten dürften also nicht allzu hoch sein, doch schon einmal hat dieser Klub nicht nur die Buchmacher überrascht.
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