Die Kunstsammlung hat ihr Programm für die Häuser K20 und K21 bekannt gegeben. Direktorin Susanne Gaensheimer kommentiert die bis zum Jahresende geplanten Ausstellungen. Sie hat „eine Sensation“ anzukündigen, „ein Genie“ – und einen Kunstraum, der erst ab 18 zu besuchen sein wird.
Anne Truitt (bis 2. August)
Die Werkschau der 2004 gestorbenen „Pionierin der Minimal Art“, wie der Untertitel der Ausstellung lautet, ist derzeit im K20 zu erleben. Wer beim Stichwort „Minimal Art“ Kühle, Neutralität und Distanziertheit befürchtet, dürfte eine Überraschung erleben. „Anne Truitt hat etwas anderes gemacht“, erklärt Susanne Gaensheimer. „.Sie hat in eine minimalistische Form Gefühle hineingebracht – und zwar durch Farbe. Deswegen sind diese Skulpturen so unglaublich schön. Sie haben diese sehr bunte und zugleich subtile Farbigkeit. Und das sind keine Farben aus einer Farbpalette, sondern angemischte Farben: ein ganz besonderes Gelb zum Beispiel. Und innerhalb dieses Gelbs gibt es dann noch ein dunkleres Gelb. Sie bemalt die Stelen mit der Rolle und mit Hand, in vielen Schichten, und gibt den Werken poetische Titel.“
Playground (ab 25. April)
Am 25. April startet etwas Neues im K20, und die Idee klingt toll. Unter dem Titel „Playground“ wird die größte Ausstellungshalle des Hauses zum Spielplatz. Und zwar wirklich: Kinder dürfen das eigens für diese Zweck gestaltete Kunstwerk von Sonia Kazovsky und Oded Rimon „bespielen“: Zu erleben ist eine begehbare Installation für Kinder. Ergänzt wird der Raum durch eine Lese- und Kaffee-Ecke für die ganze Familie. Die Kunstsammlung nimmt damit eine Idee auf, die etwa schon in der Tate Gallery verwirklicht wurde. Es bietet sich als Museum für alle an, und andere Künstler sollen künftige weitere Spielplätze gestalten.
Franz Marc (12. September bis 24. Januar 2027)
Die große Publikumsausstellung im K20. Und die erste umfassende Ausstellung zu Franz Marc in Deutschland seit mehr als 20 Jahren. „Die Suche nach einer besseren Welt“ fächert das Gesamtwerk des Künstlers, das in den wenigen Jahren zwischen 1904 und 1914 entstand, neu auf. „Ich glaube, die Ausstellung wird eine Sensation“, sagte Susanne Gaensheimer. „Wir zeigen alle Schaffensphasen des Künstlers, angefangen von seinem
bis heute unbekannten Frühwerk über die berühmten Bilder des Blauen Reiter bis hin zu seinem düsteren Spätwerk. Kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs entstehen dystopische Bilder. Das Tier, vorher Symbol für eine bessere Welt, wird aufgelöst und dekonstruiert, bis es ganz in der Abstraktion verschwindet. Franz Marc ist im Ersten Weltkrieg in Verdun gefallen, und man kann sich fast nicht vorstellen, wie es weitergegangen wäre, als wäre seine Malerei an ein Ende gekommen.“ Der Maler habe versucht, in eine bessere Welt zu flüchten, sich in ein Paradies wegtragen zu lassen: „Wir wollen dem Publikum diese schönen Bilder in ihren prächtigen Farben zeigen.“
Jon Rafman (30. Mai bis 27. September)
Im K21 wird ein wegweisender Künstler des digitalen Zeitalters gewürdigt: Jon Rafman. „Er ist zusammen mit Ed Atkins, Bunny Rogers und Hito Steyerl der wichtigste und vielleicht extremste Künstler, der sich mit der digitalen Welt auseinandersetzt“, so Gaensheimer. „Seine Bildwelten kommen aus den digitalen Abgründen des Internets und des Gaming.“ Euphorisch und kritisch zugleich nutzte er für seine Videos und Filme die Möglichkeiten des Internets und dessen überbordende computergestützte Bildsprache. Im Austausch mit Musik, Popkultur, Mode und Design erprobt und entwickelt Rafman fortlaufend neue bildgebende Verfahren. Seine Experimente mit KI werden nun erstmals gezeugt. „Er zeigt die Kaputtheit der modernen Gesellschaft und ist dabei klug und tiefgründig. Es wird Räume geben, die erst ab 18 Jahren zugänglich sind.“
Holly Herndon & Mat Dryhurst (26. Juni bis 11. Oktober)
Parallel zu Jon-Rafman-Ausstellung zeigt das K21 das international aufstrebende Künstlerduo Holly Herndon & Mat Dryhurst. „Es wird die Bel Etage in einen Raum verwandeln, in dem Menschen und Künstliche Intelligenz gemeinsam Kunst und Musik entwickeln“, sagt Gaensheimer. Ihre immersive Klanginstallation dient gleichzeitig als Aufnahme- und Hörumgebung. Gemeinsam mit lokalen Chören kann das Publikum unter der Leitung eines Vokalensembles an öffentlichen Gesangsaufnahmen teilnehmen. Die werden dann in einen Datensatz überführt, der es dem Duo ermöglicht, einen KI-Chor zu entwickeln.
Thomas Schütte (14. November 2026 bis 18. April 2027)
Bei diesem Künstler gerät Susanne Gaensheimer ins Schwärmen, man kann es nicht anders sagen: „Thomas Schütte ist einer der größten Bildhauer und Künstler seiner Generation“, sagt sie. „Ob er ein Stück Ton anfasst oder Glas oder eine Zeichnung macht, es entsteht ein großes Kunstwerk. Er ist unfassbar kreativ. Ein Genie.“ Der für ungewöhnliche Präsentationsformate bekannte Künstler wird die Piazza im Erdgeschoss und den Ausstellungsraum im Untergeschoss des K21 bespielen. Schütte setzte sich in dieser Ausstellung mit dem Ständehaus als Institution und Architektur auseinander.