Steigt China gut oder schlecht aus dem US-israelischen Krieg mit dem Iran aus? Diese Frage diskutieren nicht nur westliche Beobachter. Auch in China selbst ist unter Experten eine Debatte über die Interpretation des Iran-Kriegs entbrannt.

Das offizielle Peking jedenfalls setzt auf „strategische Zurückhaltung“: Zwar werden die Rufe nach einer Öffnung der Straße von Hormus, über die China rund 50 Prozent seines Öls und 38 Prozent Erdgases bezieht, lauter, doch die KP-Führung hat bisher nicht direkt in den Konflikt eingegriffen und bestreitet Medienberichte über Waffenlieferungen an den Iran.

„Peking zieht es vor, China als neutralen Vermittler und Förderer des Friedens darzustellen, anstatt als Kriegsprofiteur“, schreibt Jacob Mardell, einer der Autoren des Newsletters „Sinification“. „Obwohl sich die allgemeine Stimmung unter Kommentatoren zu etwas zwischen Bestürzung und Schadenfreude verhärtet hat, herrscht weiter Empfindlichkeit, wenn es darum geht, über die ‚Chancen‘ des Krieges zu sprechen.“

Stattdessen kritisieren Akademiker und Denkfabriken das US-Vorgehen. Der Angriff sei ein völkerrechtswidriger Hegemonialakt der USA auf Drängen Israels, argumentieren viele. Wang Jiangyu, Experte für internationales Recht an der City University Hong Kong, zählt zu den extremen Stimmen: Der Iran-Krieg könnte der letzte Krieg gewesen sein, den Washington noch mit ein wenig Würde kämpfe. Dass US-Verbündete Donald Trump die Unterstützung versagten, werde die Mobilisierung von US-Alliierten in der Zukunft erschweren. Trump habe es schwer vom Tiger abzusteigen, den er reite, zitiert Wang ein Sprichwort.

Immer wieder wird der Erhalt des Petrodollar-Systems als Motiv des US-Präsidenten genannt. Öl wird weltweit in US-Dollar gehandelt, die Überschüsse fließen zurück in US-Staatsanleihen. Durch Angriffe auf den Iran wolle Donald Trump beweisen, dass er das Versprechen „Sicherheit gegen Öl“ im Nahen Osten aufrechterhalten und das System durch die Kontrolle von Ölflüssen sichern könne, so US-Beobachter Chen Wenxin in der KP-Zeitschrift „Qiushi“.

Dem widerspricht ein Ex-Forscher am US-Institut Brookings: Der Schluss, dass ein Ölpreisschock die US-Hegemonie im Finanzwesen brechen könne, sei voreilig, schreibt Shi Zhan. Doch einige sehen langfristig Chancen: etwa für die Abwicklung von Energiegeschäften in Renminbi oder die steigende Nachfrage nach Chinas grüner Technologie.

Der Diskurs geht aber nicht auf israelische Sicherheitsinteressen nach dem Hamas-Terroranschlag von 2023 und Angriffen der pro-iranischen Miliz Hisbollah ein. Beide Terrorgruppen schwören die Auslöschung Israels. Stattdessen beschreibt etwa Nahost-Experte Jin Liangxiang die vom Iran finanzierten Milizen als „Netzwerk zur Vorwärtsverteidigung“. Er prognostiziert eine Neuordnung des Nahen Ostens mit einer verminderten Rolle der USA als Sicherheitsgarant und Sicherheitspartnerschaften mit lokalen Akteuren wie der Türkei und Ägypten.

Staatschef Xi Jinping präsentierte China unterdessen bei einer Reihe ausländischer Besuche als Garant für Frieden, Stabilität und die Sicherung der internationalen Ordnung. Dass er diese sukzessive nach Vorstellungen der KP umzuformen versucht, verschweigt er dabei.