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Was richten Süßstoffe wirklich im Körper an – und reichen die Spätfolgen möglicherweise bis in nachfolgende Generationen? Eine Studie an Mäusen legt genau das nahe. Forscher der Universidad de Chile untersuchten, wie sich Sucralose und Stevia über Generationen hinweg auswirken. Die bemerkenswerten Erkenntnisse lassen sich nicht einfach auf uns Menschen übertragen, liefern aber Argumente für weitere Forschung auf dem Gebiet.
Maus-Studie zu Sucralose und Stevia
Bei dem Experiment bekamen 47 männliche und weibliche Mäuse ein Standardfutter, allerdings unterschiedliche Getränke. Eine Gruppe trank nur Wasser, eine Wasser mit Stevia, eine Wasser mit Sucralose. Die Dosis lag mit fünf bis 15 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht und Tag im Bereich der für Menschen zugelassenen täglichen Aufnahmemenge. Nach sechs Wochen wurden die Tiere verpaart. Die Nachkommen wuchsen ohne Süßstoffe auf. Beobachtet wurden zwei Generationen (Kinder und Enkel) bis zur 20. Lebenswoche.
Studienautorin Dr. Francisca Concha Celume erklärt in einer Pressemitteilung: „Tiermodelle ermöglichen es uns, die Umweltbedingungen sehr genau zu kontrollieren und die Wirkung eines bestimmten Faktors, wie zum Beispiel einer Nahrungskomponente, zu isolieren, während wir gleichzeitig mehrere Generationen innerhalb einer relativ kurzen Zeit verfolgen können.“
Süßstoffe zeigten generationsübergreifende Effekte
In der ersten Generation zeigten nur männliche Nachkommen von Sucralose-Mäusen eine gestörte Glukosetoleranz. In der zweiten Generation hatte dieselbe Gruppe einen erhöhten Nüchternblutzuckerspiegel. Auch weibliche Nachkommen waren betroffen – hier allerdings bei Stevia in der zweiten Generation.
Zusätzlich veränderte sich bei allen Gruppen das Darmmikrobiom. Die Mäuse hatten weniger kurzkettige Fettsäuren im Darm. Das sind Produkte von nützlichen Darmbakterien, die eine zentrale Rolle für unsere Darmgesundheit spielen. Bei Sucralose waren die beobachteten Veränderungen stärker. Es fanden sich mehr pathogene und weniger nützliche Bakterienarten im Darm der Mäuse.
Sowohl Sucralose als auch Stevia steigerten die Aktivität von Genen, die mit Entzündungsprozessen zusammenhängen. Bei Sucralose hielten die Effekte teils bis in die zweite Nachkommengeneration an. „Insgesamt waren die mit Sucralose verbundenen Effekte über die Generationen hinweg konsistenter und anhaltender“, sagte Concha.
Keine Krankheiten, aber Warnsignale
Die Tiere entwickelten keine manifesten Erkrankungen wie Diabetes. „Die beobachteten Veränderungen der Glukosetoleranz und Genexpression könnten als frühe biologische Signale im Zusammenhang mit Stoffwechsel- oder Entzündungsprozessen interpretiert werden“, sagte Concha. In Kombination mit einer ungesunden Ernährung könnten diese Veränderungen aber die Entstehung von Krankheiten befeuern.
Wichtig ist: Die Studie zeigt Zusammenhänge, aber keine direkte Ursache-Wirkung-Beziehung. Und Ergebnisse aus Tierexperimenten lassen sich nicht ohne Weiteres auf den Menschen übertragen.