Seilbahn-Obmann Franz Hörl spricht von einer schwierigen Wetterlage. „Das haben wir mit unseren effizienten Schneeanlagen gut kompensieren können.“ Investiert hat die Branche zwischen 600 und 700 Millionen Euro.
Innsbruck – Die heimischen Seilbahnen ziehen eine sehr zufriedene Winterbilanz. Laut aktueller Hochrechnung – noch läuft der Betrieb in manchen Gletschergebieten – verzeichneten die Bergbahnen rund 54 Millionen Ersteintritte (Ersteintritte messen die erste Nutzung einer Liftanlage durch einen Gast pro Tag, Anm.). Damit dürften die letzten Saisonen vor der Corona-Pandemie übertroffen und ein neuer Höchststand erzielt worden sein.
„Wir liegen damit ca. vier Prozent über dem Wert des letztjährigen Winters“, freut sich Franz Hörl, Obmann des Fachverbandes der österreichischen Seilbahnen in der Wirtschaftskammer. Parallel dazu feiert die Branche ihr 100-jähriges Bestehen, das mit dem Bau der Tiroler Zugspitzbahn und der Rax-Seilbahn 1926 ihren Anfang nahm.
„Widrige Bedingungen“
Einen wesentlichen Beitrag zur erfolgreichen Bilanz lieferte dabei auch der frühe Saisonstart dank künstlicher Beschneiung. „Die Saison ist aufgrund der Wetterlage sehr schwierig gewesen, aber aufgrund der Infrastruktur, die wir in den letzten Jahren aufgebaut haben, steuern wir auf die stärkste Saison überhaupt hin“, sagt Hörl.
Das Wetter sei immer schön gewesen, auch an Weihnachten habe es herrlichen Sonnenschein gegeben, erklärt der Seilbahn-Obmann und Nationalratsabgeordneter (ÖVP) die „widrigen Bedingungen“. Für den Gast sei das ja etwas Positives gewesen. Allerdings hätte deswegen der Naturschnee gefehlt. „Das haben wir mit unseren effizienten Schneeanlagen gut kompensieren können.“
Wertschöpfung und Nächtigungen
In der letzten Saison habe man 600 bis 700 Millionen Euro in die heimischen Seilbahnen investiert, schildert der Tiroler. „Heuer wird es sich bei rund 800 Millionen Euro einpendeln.“
Der frühe Saisonstart durch technische Beschneiung sicherte insgesamt 1,2 Milliarden Euro an Wertschöpfung und rund 8,7 Millionen Nächtigungen, wie eine Analyse des Marktforschungsinstituts Manova zeigt.
Seilbahn-Obmann Franz Hörl.
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Der Krieg in Nahost und die dadurch gestiegenen Energiepreise hätten die Seilbahnen nicht beeinflusst, sagt Hörl. Die Beschneiung sei zu Beginn des Kriegs schon beendet gewesen. Hörl wundert sich generell, „dass Sprit an den Tankstellen überall teurer wird, weil die jetzt immer noch Treibstoffe verkaufen, die sie bereits längst vor der Krise eingekauft haben“.
Zurück zu den Auswirkungen der Energiepreise auf die Seilbahnen. Grundsätzlich würden der Bau und die Errichtung der Beschneiungsanlage einen Großteil der Kosten ausmachen. Der Betrieb nur wenige Wochen im Jahr spiele eine geringere Rolle, so Hörl. Außerdem: „Kein Mensch kann voraussagen, wie es im November oder Dezember aussieht. Ich bin allerdings optimistisch. Da kann sich vieles wieder beruhigt haben.“
„Erfolgsstory für Österreich“
Zum 100 Jahre-Jubiläum sagt Hörl, dass mit den ersten Seilbahnen in Tirol auch der Wohlstand gekommen sei. „Das ist eine Erfolgsstory für ganz Österreich, weil wir im Seilbahnbereich zu den globalen Spitzenplayern gehören. Wir kämpfen jedes Jahr mit den USA und Frankreich um Platz 1.“
Die nächsten 30 bis 40 Jahren könne man die zurückgehende Schneedecke „locker mit der neuen Technik kompensieren“, sagt Hörl. „Da sehe ich keine großen Probleme. Weiter vorauszuschauen ist eh Humbug.“