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Potsdam – Sie wirkt stark, souverän, professionell. Doch die letzten Wochen sind nicht spurlos an Collien Fernandes (44) vorbeigezogen. In einem Video-Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“ spricht der „Traumschiff“-Star von Asien aus mit den Autoren Joshua Beer und Hannah Wilhelm und gewährt sehr persönliche Einblicke in ihr Seelenleben.
Fernandes spricht über „Belastung“
Vor rund fünf Wochen machte Fernandes öffentlich, was sie jahrelang belastet habe. 2024 hatte sie erstmals Anzeige erstattet. Grund: digitale Gewalt, Identitätsmissbrauch, Sex-Chats unter ihrem Namen. Besonders schlimm für sie: Dahinter soll ihr Ex-Mann, TV-Star Christian Ulmen (50), stecken. In ihrem Namen soll er mit Männern u.a. intime Nachrichten geschrieben haben. Pikant: Er soll sich geweigert haben, die Namen der Männer preiszugeben, mit denen er angeblich in ihrem Namen Kontakte hatte.

Christian Ulmen (damals 36) und Collien Fernandes (damals 30) bei einer Filmpremiere 2012 in München
Foto: picture alliance/dpa
„Das hat mich extrem belastet“, erzählt Fernandes der „SZ“. Für sie sei das mehr gewesen als nur ein Vertrauensbruch. Es sei eine permanente Bedrohung gewesen. „Ich kann ja nicht weiter in der Branche rumlaufen mit der Angst, an jeder Ecke jemanden zu treffen, mit dem ich, ohne mein Wissen, eine sexuelle Online-Affäre hatte.“
Die Folge: Angstzustände, Panikattacken – und ein Gefühl völliger Kontrolllosigkeit. Noch deutlicher wird sie bei der Beschreibung dessen, was sie weiter erlebt.
Hintergrund: Im „Spiegel“ hatte Fernandes erzählt, dass Ulmen Videos von Frauen verschickte, die ihr ähnlich sahen. In der Berichterstattung ging es auch um Deepfakes. Ulmens Anwalt hatte diesen Deepfake-Punkt in einem Schreiben bestritten, sich zu anderen Vorwürfen aber nicht geäußert. Fernandes über das Problem dieser thematischen Vermischung: „Jetzt, nach der Pressemitteilung seines Anwalts, glauben einige, mir sei widersprochen worden, damit sei ja klar, dass ich lüge.“ Weiter: „Ich empfinde das als krassen Psycho-Terror vonseiten meines Ex-Manns.“

Lebten vor ihrer Trennung im vergangenen Jahr einige Jahre zusammen auf Mallorca: Christian Ulmen und Collien Fernandes
Foto: picture alliance/TSI
Collien Fernandes schildert ausführlich, wie ihr Ex-Partner angeblich täuschend echte Fake-Profile erstellt habe. Mit Insiderwissen aus ihrer Beziehung. Er wusste, wann sie dreht, wen sie mag, welche Konflikte sie hat. Genau das habe ihn, so Fernandes, zur „authentischsten Fake-Collien“ gemacht.
Wie groß der Druck auf Fernandes war und aktuell ist, wird deutlich, wenn sie erzählt, dass sie sich zunächst lange kaum jemandem anvertrauen konnte. Selbst Gespräche mit Freundinnen habe sie aus Angst unterlassen. Erst ihre Schwester, ihre Therapeutin und enge Vertraute hätten sie schließlich ermutigt, den Schritt zu gehen – und den Fall öffentlich zu machen. Auch aus ihrem Umfeld kam klar die Botschaft: „Das kannst du nicht mit dir alleine ausmachen, das musst du anzeigen.“
Es schlägt ihr Hass entgegen
Ein mutiger Schritt mit Folgen. Denn seitdem schlägt ihr nicht nur Unterstützung entgegen, sondern auch Hass. Tausende Nachrichten, Drohungen, Zweifel. Bei einer Demo gegen digitale Gewalt musste sie nach eigenen Angaben in kugelsicherer Weste auftreten. Trotz allem bereut sie den Schritt nicht. Viele Frauen hätten sich bei ihr gemeldet, mit ähnlichen Geschichten. Das habe ihr gezeigt, dass sie nicht alleine ist.

Als Bordärztin dreht Collien Fernandes aktuell auf dem „Traumschiff“. Von der Küste Sri Lankas meldete sie sich bei den „SZ“-Autoren
Foto: Collien Fernandes/Instagram
Die vergangenen Wochen haben viel Kraft gekostet. Collien Fernandes im „SZ“-Interview: „Mir ging es vor der Anzeige besser als jetzt.“ Und weiter: „Auch das schilderten mir viele Frauen: Der erste Schmerz sei die Tat, der zweite die Stigmatisierung, die folgt, sobald man den Mund aufmacht. Man sei eine rachsüchtige Ex, die lügt, und so weiter. Ich glaube, deswegen sind so wahnsinnig viele wütende Frauen – und auch einige Männer – auf die Straße gerannt. Nicht nur meinetwegen.“
Ob sie Männern noch vertrauen könne? Fernandes: „Ich habe das Gefühl, dass ich meinen ehemaligen Ehepartner erst nach vielen Jahren richtig kennengelernt habe, eigentlich erst nach 15 Jahren.“ Fernandes will weiter kämpfen. Nicht nur für sich, auch für andere Betroffene. Mittlerweile kümmert sich die Staatsanwaltschaft in Potsdam um den Fall.
Der Fall Fernandes/Ulmen
Fernandes wirft ihrem Ex-Mann massive digitale Übergriffe vor. Es geht um Fake-Accounts, sexuelle Chats mit fremden Männern und pornografische Darstellungen, die unter ihrem Namen verbreitet worden sein sollen. Auch von „digitaler Vergewaltigung“ ist die Rede. Gegen Ulmen laufen aktuell Ermittlungen. Ulmens Anwalt weist zentrale Punkte zurück. Vor allem der Verdacht, sein Mandant habe Deepfake-Pornos erstellt oder verbreitet, sei falsch. Es gilt die Unschuldsvermutung.