Der Schlagabtausch mit US-Präsident Donald Trump stand im Mittelpunkt der Berichterstattung über die Reise von Papst Leo nach Afrika. Doch der Heilige Vater nimmt mehr mit zurück in den Vatikan als die Aufregung.

Das Ende der Reise war quasi ein Heimspiel für Papst Leo XIV. Die mehr als 30.000 Menschen, die gekommen waren, um dem Gast aus Rom nahe zu sein, jubelten ihm freudig zu. Der 70-Jährige schaute auf ein Meer an leuchtend gelben Schirmmützen, Tüchern, weiß-gelben Gewändern. Die Nationalfarben des Vatikan fanden sich nicht nur in den geschwenkten Vatikanfähnchen, die zu solchen Gelegenheiten verteilt werden. Viele der Gläubigen hatten ihr Outfit auf das Event abgestimmt. 

Die Heilige Messe im Stadion von Malabo war der letzte öffentliche Auftritt Leos auf dessen elftägiger Afrikareise. Nach Algerien, Angola und Kamerun traf der Papst in Äquatorialguinea auf eine mehrheitlich christliche Gesellschaft: Rund 75 Prozent sind dort laut Angaben des Vatikans katholischen Glaubens. Die Amtssprache des Landes ist Spanisch – auch damit fühlt sich Papst Leo zu Hause, rund 20 Jahre hat er in Peru gelebt.

Nach elf Tagen Reise, während der er mit einer Ausnahme täglich mindestens ein Flugzeug bestiegen hat, sah man von Erschöpfung bei dem als sportlich geltenden Pontifex keine Spur. Am Ende seines Afrikabesuchs wirkte der Papst eher gelöst und entspannt. Dabei hatte der Beginn der Reise weltweit für große Aufmerksamkeit gesorgt. Wenige Stunden vor der Abreise aus Rom hatte US-Präsident Donald Trump in den sozialen Medien einen verbalen Angriff auf Leo losgelassen. 

Davon ließ sich der Papst nicht beirren. Noch im Flugzeug von Rom nach Algier stellte Leo klar, dass er von seiner Friedensbotschaft keinen Millimeter abrücken und sich in seiner Mission nicht beirren lassen werde. Er habe keine Angst vor der Trump-Regierung, sagte Leo. Er werde „weiterhin lautstark gegen den Krieg sprechen“. 

Das tat er dann auch wenige Tage später auf seiner nächsten Reiseetappe, bei einem Friedenstreffen in Kamerun: „Die Welt wird von wenigen Tyrannen zerstört und von Myriaden solidarischer Brüder und Schwestern aufrechterhalten!“. Ungewohnt leidenschaftlich warnte der Papst an diesem Tag: „Wehe denen, die die Religionen und selbst den Namen Gottes für ihre militärischen, wirtschaftlichen und politischen Zwecke verbiegen und damit das Heilige in Schmutz und Finsternis ziehen.“

Doch die Euphorie über seine deutlichen Worte, wollte Leo nicht teilen. Zumindest nicht offiziell. Auf dem Flug von Kamerun nach Angola äußerte er sich erneut zu Trump. Diesmal galt die Kritik nicht dem US-Präsidenten, sondern der Berichterstattung über das Friedenstreffen. Seine Rede sei schon länger vorbereitet gewesen, „lange bevor der Präsident sich überhaupt zu meiner Person und zu der Friedensbotschaft, für die ich eintrete, geäußert hatte.“ 

Seine Worte seien so aufgefasst worden, „als würde ich erneut versuchen, mit dem Präsidenten zu debattieren, was überhaupt nicht in meinem Interesse liegt.“ Ein diplomatisch kluger Schachzug: Die Gegenseite in der Person von Vizepräsident J.D. Vance zeigte sich direkt besänftigt. Dass eine vorbereitete Rede auch abgeändert werden kann, ist kein Thema – der Streit scheint vorerst beigelegt. 

Doch da war es schon geschehen: Die eigentliche Essenz der Afrika-Reise war in der öffentlichen Wahrnehmung weit in den Hintergrund gerückt. So stand die erste Etappe in Algerien ganz im Zeichen des christlich-muslimischen Dialogs. Bei einem historischen Besuch des Papstes in der großen Moschee von Algier betonte Leo die Wichtigkeit von gegenseitigem Respekt und Harmonie beim Aufbau einer friedlichen Welt. 

Algerien, die Heimat des Heiligen Augustinus, hatte für Leo auch persönlich große Bedeutung. Bereits als Jugendlicher ist er dem Augustinerorden beigetreten. Sein geistlicher Vater habe die Welt die Suche nach Wahrheit und die Bedeutung des Friedensstiftens lehren wollen, sagte der Papst in Algier.

Auf seinen weiteren Stationen absolvierte Leo Termine, die zwar nicht so viel Aufmerksamkeit wie der Disput mit Trump brachten, aber den Menschen vor Ort wohl nachhaltig im Gedächtnis bleiben werden. In Angola besuchte er ein Seniorenheim, in Äquatorialguinea eine Haftanstalt. Bei Treffen an Universitäten stand immer wieder das Thema Bildung und die Zukunft der jungen Generation im Vordergrund.

Und nicht nur bei den Menschen vor Ort, auch bei Leo selbst hinterlässt diese Reise besondere Spuren. „Ich verlasse Afrika und nehme einen unschätzbaren Schatz an Glauben, Hoffnung und Nächstenliebe mit“, sagte der Papst in seinen Abschiedsworten im Stadion in Malabo. Es sei ein großer Schatz, „der aus Geschichten, Gesichtern und Zeugnissen – freudigen wie leidvollen – besteht, die mein Leben und meinen Dienst als Nachfolger Petri bereichern.“

Lesen Sie mehr zu diesen Themen: