Das deutsche Familienkino der vergangenen Dekade hat einige erfolgreiche Filmreihen hervorgebracht – von Die drei ??? bis zu Die Schule der magischen Tiere. Auch abseits der namhaften Kinderfilm-Blockbuster gab es einiges zu entdecken. Die vielleicht größte Entdeckung: Königin von Niendorf aus dem Jahr 2017.
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Neu bei Amazon Prime: Wenn die Sommerferien in Brandenburg zum Abenteuer werden
Angesiedelt in Brandenburg erzählt Königin von Niendorf von der zehnjährigen Lea (Lisa Moell), die von einer unheimlichen Melancholie geplagt wird. Die Sommerferien stehen vor der Tür, doch Ruhe und Entspannung wollen bei ihr nicht einkehren. Denn ihre beste Freundin ist nicht da. Das bedeutet: sechs Wochen Langeweile.
Lea fühlt sich einsam und ausgeschlossen. Nicht zuletzt haben alle anderen Mädchen gerade sowieso nur Jungs im Kopf – und mit Junges kann sie nicht viel anfangen. Die meiste Zeit schlägt sie auf dem Bauernhof mit dem alten Musiker Mark (Mex Schlüpfer) tot. Dann wird sie aber auf eine Jugendbande aufmerksam.
Nico (Denny Sonnenschein) und seine Freunde ziehen durchs Dorf, hecken in ihrem Baumhaus geheime Pläne aus und bauen ein Floß. Am liebsten wäre Lea Teil der Clique. Beim ersten Annäherungsversuch heißt es: nur Jungs! So leicht lässt sich Lea allerdings nicht unterkriegen. Die Sommerferien sind noch nicht gelaufen.
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Königin von Niendorf ist in jeder Hinsicht ein erstaunlicher Film. In nur 65 Minuten Laufzeit entfalten sich mehr Gefühle als in den meisten abendfüllenden Kinofilmen. Gerade der Übergang vom Kindesalter in die langsam aber sicher anklopfende Jugend fängt Joya Thome mit sehr viel Feingefühl und leisen Beobachtungen ein.
Gemeinsam mit Lea wandern wir durch durch Niendorf und Umgebung. Auf den ersten Blick ein trostloser Ort, in dem nichts los ist. Auf den zweiten ein Abenteuerspielplatz, der mit Geheimnissen und Herausforderungen aufwartet. Hier ein seltsamer Nachbar, da eine Mutprobe, bei der sich die Halbstarken unter Beweis stellen können.
Ein vorsichtiges Austesten von Grenzen, ein Zulassen von Neugier, aber auch ein in sich gekehrtes Nachdenken, das sich auf einer Augenhöhe mit dem Coming-of-Age-Klassiker Stand by Me befindet, bei dem wir die meiste Zeit vier Jungs folgen, die auf der Suche nach der Leiche eines vermissten Bekannten über Bahnschienen wandern.
Keine Angst: Königin von Niendorf dringt nicht in dermaßen düstere Gefilde vor. Thome inszenierte einen deutlich schlichteren Film. Weniger einnehmend ist er deswegen jedoch nicht. Im Gegenteil: Selbst Leas Hadern begegnet er mit einer berührenden Zärtlichkeit, die in jedem einzelnen der erlesenen Bilder zum Vorschein kommt.