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Eine 38-jährige, sportliche Frau bekommt Monate nach ihrer Covid-Impfung die Diagnose Blutkrebs. Zufall – oder mehr? In der onkologischen Fachzeitschrift „Oncotarget“ schildern Forscher jetzt genau diesen Fall. Die Frau erhielt im Juli 2021 ihre zweite Dosis des mRNA-Impfstoffs Comirnaty® (Pfizer/BioNTech). Am Morgen danach begannen die Beschwerden: Nackensteife, Tinnitus, Übelkeit, diffuse Schmerzen, Kopfschmerzen.
Was zunächst wie typische Impfreaktionen wirkte, hörte nicht auf. In den Tagen darauf kamen Schlaflosigkeit, Temperatur- und Geräuschempfindlichkeit hinzu. Auch Wochen später litt die Frau weiter an Schmerzen, Nachtschweiß und Erschöpfung.
Leukämie-Diagnose Monate nach Impfung
Bluttests zeigten auffällige Werte. Bestimmte weiße Blutkörperchen, die neutrophilen Granulozyten, waren vermindert. Weitere Werte deuteten auf Entzündungen im Körper hin. Im November 2021 stellten Ärzte Veränderungen im Knochenmark fest. Am 1. Dezember 2021 dann die Diagnose: B-lymphoblastische Leukämie, genauer gesagt ein lymphoblastisches Lymphom – eine aggressive Form von Blutkrebs nach WHO-Klassifikation.
Die Wissenschaftler beschreiben den Krankheitsverlauf in ihrem Fachbericht detailliert. Zusätzlich werteten sie veröffentlichte Fälle aus wissenschaftlichen Datenbanken aus. Berücksichtigt wurden Fallberichte, Beobachtungsstudien, Meta-Analysen sowie Briefe und Dokumente von Behörden zwischen Dezember 2020 und Oktober 2025.
Mögliche Mechanismen – aber kein Beweis
Was für einen Zusammenhang zwischen der Krebserkrankung und der Covid-Impfung sprechen könnte: der enge zeitliche Ablauf. Die Patientin litt an massiven Beschwerden direkt nach der zweiten Dosis, zunehmenden Veränderungen im Blut, und erhielt Monate später die Krebsdiagnose.
Nach der Impfung kam es zu deutlichen Verschiebungen im Blutbild. Die neutrophilen Granulozyten blieben länger erniedrigt, die Lymphozyten stiegen an. Das kann harmlose Gründe haben, etwa eine Erkältung. In seltenen Fällen kann eine anhaltende Erhöhung aber auf Erkrankungen des blutbildenden Systems hinweisen. Auch die Blutsenkung war stark erhöht, ein Zeichen für Entzündungsprozesse. Die Autoren sprechen von einer möglichen starken Immunaktivierung.
Im Diskussionsteil ihres Berichts verweisen sie auf Arbeiten, die Effekte von mRNA-Impfstoffen auf das Immunsystem beschreiben. Dabei geht es um Veränderungen bestimmter Immunzellen oder regulatorischer Mechanismen. Doch das sind Hypothesen oder Laborergebnisse. Einen direkten Auslöser im konkreten Fall belegen sie nicht.
Autoren betonen: kein Beweis für Ursache
Entscheidend ist: Ein einzelner Fall beweist keine Ursache. Akute lymphoblastische Leukämie kann auch ohne erkennbaren Auslöser auftreten. Zudem gab es bei der Patientin bereits im April 2021 – also vor der zweiten Impfung – eine milde Leukopenie. Das heißt, sie hatte zu wenig weiße Blutkörperchen. Ob das harmlos war oder ein früher Hinweis auf die spätere Erkrankung, lässt sich laut den Autoren nicht sicher klären. Auch die gesammelten Fallberichte sind kein Risikonachweis. Sie zeigen, dass etwas beobachtet wurde, nicht wie häufig es passiert oder ob es statistisch häufiger vorkommt. Große Studien, die Krebsraten systematisch nach Impfstatus vergleichen, fehlen.
Die Forscher kommen daher ausdrücklich nicht zu dem Schluss, dass die Impfung die Leukämie verursacht hat. Ihr Bericht dokumentiert einen zeitlichen Zusammenhang und nennt mögliche Erklärungen – mehr nicht.