Habt ihr schnell herausgefunden, wie ihr den Raum am besten nutzen könnt?
SF: Das ist der Vorteil am begrenzten Raum: So viele Möglichkeiten gibt es am Ende gar nicht. So war recht schnell für jedes Element ein Platz gefunden. Der Teufel…
LH: …oder „Gott“ wie es bei Aby Warburg heißt,…
SF: …lag im Detail und wir haben uns über viele kleine Dinge lange den Kopf zerbrochen. So ist das Vitsœ-Regal größtenteils neu, das Tablar mit Schublade jedoch Vintage und aus Holz und der Vorhang eine Sonderanfertigung des Marseiller Studios Azur. Auch die Steckdosen sind ein Modell aus Porzellan der Firma Busch-Jäger.
LH: Das ist das Schöne an einer kleinen Wohnung, solche Spielereien kann man sich erlauben, ohne dass es den Rahmen sprengt.
Small Spaces – zeitgemäß oder unpraktisch?
Wünscht ihr euch manchmal dennoch mehr Platz für Kunst und Objekte, die euch faszinieren?
SF: Noch müssen wir keine Bilder übereinanderhängen und es hat auch etwas Gutes, sich zu begrenzen, aber der Platz an den Wänden wird langsam knapp.
LH: Durch unsere Projekte im Viertel wie unseren Kunstraum Grotto oder das Café Tiergarten, das wir vor wenigen Monaten übernehmen durften, konnten wir unseren Wohnraum kurzerhand im übertragenen Sinne erweitern und dadurch temporär Raum für Objekte schaffen, die bei uns Zuhause keinen Platz finden. Was mich besonders freut ist, dass die Werke dann von mehr als nur vier Augen gesehen werden.
Das klingt, als gäbe es keine Nachteile beim gemeinsamen Wohnen auf so kleinem Raum?
SF: Da wir durch unsere Berufe oft unterwegs sind und nur wenig direkte Zeit miteinander verbringen, genießen wir jeden Moment, den wir gemeinsam in unserer kleinen Wohnung teilen.
LH: Für uns fühlt es sich zudem auch einfach zeitgemäß an, sich mit vielen Menschen ein Haus zu teilen. Auch wenn das zunächst widersprüchlich klingen mag: Die Gebäude hier sind ja bald 70 Jahre alt.
Seit ihr hierhergezogen seid, habt ihr das Hansaviertel nicht nur selbst entdeckt, sondern durch Grotto und das Café Tiergarten für viele Menschen überhaupt erst auf die Karte gebracht.
LH: Wir haben recht schnell bemerkt, wie viele der Geschäfte und Läden leerstanden und dass das Viertel gewissermaßen in einer Art Dornröschenschlaf lag. Das hat in unseren Köpfen die Möglichkeit der Mitgestaltung überhaupt erst denkbar gemacht. Im Graefekiez in Kreuzberg, wo ich vor einigen Jahren kurz gelebt habe, wäre ich aufgrund der Fülle des vorhandenen Angebots gar nicht unbedingt auf die Idee gekommen, selbst tätig zu werden.