Foto: 2026 Netflix, Inc.
In „Apex“ kämpft Charlize Theron in der australischen Wildnis ums Überleben. So spannend ist der neue Thriller wirklich.
Eines muss man „Apex“ lassen: Dies ist kein Film der Umwege. Er verliert kein Wort und keine Minute Laufzeit zu viel. Stattdessen hat man ihn als Zweipersonen-Stück aufs Wesentliche reduziert. Regisseur Baltasar Kormákur hat eine Hatz durch die Wildnis inszeniert, die fast durchweg in Bewegung bleibt. Kormákur, der schon in Filmen wie „Beast“ und „Die Farbe des Horizonts“ von den Kämpfen von Mensch gegen Natur erzählt hat, fügt damit seinem Schaffen ein weiteres brutales Survival-Szenario hinzu.
Für Netflix ist das ein dankbarer Stoff. Er kann mit Charlize Theron und Taaron Egerton auf zwei talentierte Stars als Werbegesichter zurückgreifen. Dazu kommt der ganze Film mit wenigen zentralen Schauplätzen aus und versucht, mit wenigen Mitteln einen kurzweiligen Genre-Stoff der etwas härteren Gangart hinzulegen. Vergleichsweise wenig Aufwand für viel Spannung also?
Foto: 2026 Netflix, Inc.
Darum geht es in „Apex“
Dass die Handlung dabei so überschaubar bleibt, kann man durchaus als Segen und Fluch zugleich begreifen. Einerseits gibt es hier kaum überflüssigen Plot-Ballast oder ausschweifende Charakterdramen, die den Überlebenskampf in rauer Kulisse ausbremsen könnten. Zugleich kommt der Film damit weder seinen Figuren sonderlich nahe noch bietet er erzählerisch allzu viel für eine Auseinandersetzung an. Er verlässt sich auf seinen oberflächlichen Spannungseffekt und B-Movie-Charme und braucht dafür nur wenige Eckpunkte.
Charlize Theron spielt eine Extremsportlerin, die gleich zu Beginn während eines Klettertrips an der norwegischen Trollwand ihren Partner verliert. Einige Zeit später unternimmt sie eine Reise nach Australien, wo sie es im Wald mit einem gefährlichen Mann (Egerton) zu tun bekommt. Er eröffnet die Jagd auf sie mit einer Armbrust und ausgelegten Fallen.
Foto: 2026 Netflix, Inc.
Brutale Hatz in der Wildnis
Taaron Egerton und Charlize Theron haben nun in erster Linie Schmerz und Erschöpfung zu spielen. Es wird gebrüllt, gezischt, gestöhnt. Die beiden rennen, klettern, seilen sich ab und werden von den Fluten und Stromschnellen davongerissen. Das ist als Katz- und Mausspiel lange packend, gerade wenn die beiden Figuren unmittelbar aufeinander losgehen und sich der Film durch eine Reihe drastischer Gewaltszenen hangelt. Nur: So richtig schmerzhaft für das Publikum wird es nie.
Andere vergleichbare Survival-Filme wie „The Revenant“ mit Leonardo DiCaprio, „Jungle“ mit Daniel Radcliffe oder der Geheimtipp „Outback“ von 2019 haben es schon beeindruckender verstanden, die Strapazen, Qualen und Gefahren der Natur für das Publikum erfahrbar werden zu lassen. Diesbezüglich wartet „Apex“ zwar mit einigem bedrohlichen Stationen auf. Am Ende ist deren Illusion aber zu löchrig gebaut. Dafür sieht zu viel nach künstlicher Studiokulisse und Choreografie aus. Dafür sind die digitalen Effekte und Hintergründe zu deutlich als solche erkennbar. Außerdem werden die Gefahren der Wildnis immer wieder zweitrangig, wenn der Film das wahre Grauen in der menschlichen Willkür und Gewalt entdeckt.
Foto: 2026 Netflix, Inc.
„Apex“ erzählt von der Verarbeitung eines Traumas
Wenn man also aus „Apex“ immer wieder kurzzeitig herausgeworfen wird, wirkt das Gerüst nur noch klappriger. Schließlich handelt es sich bei diesem Durchhalte- und Durchbeißszenario in erster Linie um ein recht austauschbares Stück Traumakino, mit dem die Protagonistin nach ihrem Schicksalsschlag wieder zurück ins Leben finden soll. Das Greifen nach dem Archaischen und Rituellen steigert sich derweil in eine Horrorvision, bei der, wie es der Film zeigt, der Mensch im Wahn versinkt und in der Abgeschiedenheit danach lechzt, sein eigenes verzehrendes System zu errichten. Kompensation für das eigene Unglück ist dort nur in der Zerstörung zu finden. In dem Ritus, den „Apex“ seiner Hauptfigur abverlangt, um in einen neuen Lebensabschnitt zu gelangen, werden die Grenzen zwischen Täter und Opfer fragil.
„Apex“ ist seit dem 24. April 2026 bei Netflix verfügbar.
„Apex | Offizieller Trailer | Netflix“ von YouTube anzeigen