Am Freitagabend öffneten Hochschulen und Unternehmen im ganzen Land ihre Türen – und das Publikum kam in Scharen.
Es war kein gewöhnlicher Freitagabend in Tirol. An knapp 500 Stationen zwischen Innsbruck und Lienz konnten Interessierte am 24. April erleben, was sonst hinter verschlossenen Labortüren bleibt: explodierende Chemikalien, schwebende Drohnen, medizinische Simulationen und die Frage, wie viel CO₂ ein Teller Essen kostet. Rund 15.000 Menschen nutzten die Lange Nacht der Forschung – und damit ihren seltenen Zugang zur Tiroler Wissenschaftswelt.
Die Veranstaltung ist Teil eines österreichweiten Formats, das in diesem Jahr bundesweit rund 3.000 Programmpunkte bot. Koordiniert wurde das Tiroler Programm von der Standortagentur Tirol im Auftrag der Lebensraum Tirol Gruppe; neun Hochschulen sowie zahlreiche Unternehmen beteiligten sich.
Die Universität Innsbruck setzte auf Spektakel mit Substanz: Eine Chemie-Show mit Knalleffekten zog ebenso Besucher an wie eine Außenstelle in Obermieming, wo das Ökosystem Wald erklärt wurde. Die Medizinische Universität Innsbruck ließ ihr Anatomisches Museum öffnen und lud zum Escape Game rund um das Thema Hormone – Wissensvermittlung, die sich anfühlte wie Unterhaltung. An der Pädagogischen Hochschule Tirol wiederum konnten Besucher erleben, wie überzeugend Deepfakes täuschen – und wie man sie erkennt.

Viele haben die Geheimnisse des Botanischen Gartens erkundet.
In Kufstein drehte sich an der dortigen Fachhochschule vieles um Robotik und Motion-Capture-Technologie; Kinder erhielten einen eigenen Forscherinnen- und Forscherpass. Das MCI in Innsbruck widmete sich Zukunftsthemen wie nachhaltigen Technologien und Biotechnologie, während die UMIT Tirol in einem sogenannten Room of Horrors spielerisch auf Gefahren im Pflegealltag aufmerksam machte.
Jedes Jahr ein Publikumsmagnet: Die Chemie-Show der Universität Innsbruck.
Auch die Industrie war vertreten: Im Centrum für Chemie und Biomedizin präsentierten unter anderem Novartis, Sandoz und Dynatrace ihre Forschungsarbeit. In Osttirol öffneten die Durst Group, iDM Energiesysteme und Liebherr-Hausgeräte ihre Standorte, ergänzt durch den MCI-Campus in Lienz.

Robotics für alle beim MCI
Was die Lange Nacht der Forschung von einem Museumsbesuch unterscheidet, ist ihr Versprechen der Unmittelbarkeit: Hier kann man fragen, ausprobieren, scheitern und nachfragen. Ob dieses Versprechen eingelöst wird, entscheidet sich freilich an jedem einzelnen Stand – und an jedem einzelnen Besucher, der bereit ist, mehr als nur zuzuschauen.