Richard Hawkins, "Soft yet Weirdly Ways"

AUDIO: Götter, Monster, Posterboys: Kestner Gesellschaft zeigt Richard Hawkins (3 Min)

Stand: 24.04.2026 06:00 Uhr

Unter dem Titel „Potentialities“ zeigt die Kestner Gesellschaft in Hannover mehr als 100 Werke aus rund 20 Jahren in dem Schaffen des US-Amerikaners. Collagen bilden dabei den Ausgangspunkt für seine Malereien, KI-generierte und -bearbeitete Videos und Skulpturen.

von Agnes Bührig

Es fühlt sich an, als sei man in eine Kunst-Kathedrale geraten: links und rechts eine Reihe von großformatigen, sehr bunten Gemälden in Collagentechnik. Sie scheinen auf ein Bild zuzulaufen, das mittig am Ende des Raumes hängt. Männerfiguren und Männerköpfe aus verschiedenen Zeiten sind auf den Werken zu sehen, ein Torero, eine Art Don Quichotte und ein junger männlicher Akt von heute. Der Hintergrund: Farbfelder, Schriftzüge, sortiert im Computer, gemalt in Acryl.

„Photoshop wurde zu einer Art Werkzeug, um all diese Bilder zusammenzustellen, sie vielleicht übereinanderzulegen und in einen eigenen Kontext zu setzen“, erklärt Richard Hawkins. „Gleichzeitig war ich fasziniert von Algernon Charles Swinburne, einem britischen Autor des frühen 19. Jahrhunderts, der für seine romantische Lyrik bekannt war, mit der ich mich identifizieren konnte.“

Halbnackte Männer in Collagen verewigt

Richard Hawkins, geboren 1961 in Texas, münzt die stark verdichtete Sprache des britischen Lyrikers visuell in Collagen. Er komponiert Bildersammlungen sowohl mit ausgeschnittenen Fotos wie auf Keramikreliefs mit Referenz auf antike Skulpturen und Popkultur gleichermaßen. „The Lust for evil sequence“ heißt eine Videoarbeit von 2025. In Montagetechnik schweben verschiedene Szenen mit jungen, oft halbnackten Männern über den Bildschirm, dann bricht ein schleimiges Monster in ein irres Lachen aus.

Begehren und Fankultur seien Themen in Richard Hawkins‘ Werk, sagt die Direktorin der Kestner Gesellschaft, Eva Birkenstock: „Für mich ist es einfach eine spannende malerische Position. Sie geht von einem forschenden und suchenden Werk aus und hat dazu eine sehr offene Arbeitsweise.“ Eva Birkenstock ist es wichtig, regelmäßig große Werkschauen in Hannover zu zeigen.

Außenansicht der Kestner Gesellschaft

Das Haus gehört zu den größten deutschen Kunstvereinen und möchte internationale Kunst nach Hannover holen.

Von der Antike bis zu den Gruselfilmen

Die Direktorin der Kestner Gesellschaft möchte mit dieser Ausstellung an die Geschichte des Hauses andocken. Vor 100 Jahren stellte Kurt Schwitters hier aus, der auch für seine Collagen bekannt war. Etwa Jahre später ging es 2019 um das wegweisende California Institute of the Arts, wo auch Richard Hawkins studierte.

Dass der US-Amerikaner die KI nutzt, mache ihn heute zum Impulsgeber für die Malerei, meint Eva Birkenstock: „Ich merke auch, wie so die jüngere Generation, die hier auch im Haus tätig ist, auf die Arbeiten reagiert. Alles ist jetzt viel mehr gang und gäbe, zum Beispiel kleine Clips und Collagen zu machen und dadurch werden die Bilder erstmal zugänglicher.“ Es ist ein Werk, das einen aufgrund seiner vielen Ebenen in den Bann zieht und in dem sich viele Bezüge auf die Kunstgeschichte entdecken lassen – von der Antike bis zu den Gruselfilmen unserer Tage.

"The Deep West Assembly" von Cauleen Smith

Kestner Gesellschaft in Hannover präsentiert das umfassende Werk der US-Amerikanerin Cauleen Smith.

Firmengründer Hermann Bahlsen mit seinen Söhnen.

1889 gründete Hermann Bahlsen in Hannover eine „Cakes-Fabrik“. Der Hersteller entwickelte sich zu einem weltweit agierenden Keks-Imperium.