Selbst Republikaner, die den Präsidenten bislang gestützt haben, sind dabei, rote Linien zu ziehen. Einige, wie der nicht zur Wiederwahl antretende Thom Tillis, sprechen ganz offen davon, der Krieg könne ohne Zustimmung des Kongresses eigentlich nicht über die vorgesehenen maximalen 60 Tage hinausgehen. Auch die Senatorin Susan Collins äußerte sich ähnlich. Andere Abgeordnete und Senatoren zögern noch, sich festzulegen. Aber auch sie geben an, von der Regierung mehr Details zur Strategie zu benötigen, um sich ein Bild machen zu können.
Diese Wackelkandidaten sind der Grund, weshalb Lex von der Protestbewegung 50501 und die zwei Dutzend Demonstranten gekommen sind. Es mag eine kleine und unscheinbare Aktion sein. Aber nach den kurzen Reden vor dem Kapitol machen sie sich in zwei Gruppen auf, um in die nahegelegenen Senatsgebäude zu gehen. Ein Großteil der öffentlich zugänglichen Büros befindet sich im Dirksen-, im Hart- und im Russell-Gebäude. Die anwesenden und aufgebrachten Amerikaner wollen ihre Vertreter daran erinnern, was ihre verfassungsmäßige Pflicht ist.
„Seid friedlich und höflich, aber bestimmt“, ruft eine Frau mit dem Namen Kendall zwischendurch durchs Mikrofon. Ganz besonders haben sie es auf den demokratischen Senator John Fetterman abgesehen. Der in Washington längst als notorischer Quertreiber bekannte Politiker ist der Einzige, der gegen seine Parteikollegen und mit den Republikanern gegen einen Gesetzesvorschlag der Demokraten gestimmt hat, das Kriegsrecht des Präsidenten einzuschränken.
Lex auf der Bühne glaubt nicht daran, dass das bereits bestehende Gesetz, der „War Powers Act“ mit der 60-Tage-Frist, standhält. „Glauben wir, dass Trump sich dann die Zustimmung des Kongresses holen wird?“, fragt er und es klingt rhetorisch. „Nein. Also steuern wir auf die nächste Verfassungskrise zu“, ruft Lex.
Für ihn wäre Trumps Ignorieren der 60-Tage-Frist ein nächster Bruchpunkt dieser Präsidentschaft. Es würde die Hemmschwelle für den nächsten Regelbruch weiter senken, sagt er im Gespräch danach. „Wenn man die Gesetze einmal gebrochen hat, wird es immer leichter, sie wieder zu brechen“, so Lex.