Es war die bisher längste Reise des amtierenden Papstes. Und was bleibt von den elf Tagen in Erinnerung? Von Afrika? Die Auseinandersetzungen Leos mit US-Präsident Donald Trump.
Ja, sie haben einen Punkt. Jene Leserinnen und Leser, die ein wichtiges Faktum des Kriegs gegen den Iran in Erinnerung rufen: nicht zu vergessen, weshalb zwei ältere Männer in den hohen 70er-Jahren, beide politisch nicht unumstritten und mehr von der Justiz als von der Opposition drangsaliert, US-Präsident Donald Trump und Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, den Einsatz befohlen haben.
Der Iran ist ein Staat, an dessen Spitze ein Regime steht, das gegen alle politischen Abweichler mit selten gesehener Härte vorgeht. Nicht genug damit, dass im Vorjahr laut Menschenrechtsorganisationen 1600 Menschen hingerichtet wurden, also im Durchschnitt mehr als vier Personen pro Tag.
An der Jahreswende 2025/2026 war ein selbst für iranische Verhältnisse neuer Exzess von Staatsgewalt als Reaktion auf landesweite Massenproteste gegen Mullahs und Revolutionsgarde, gegen die Machthaber also, zu erleben. Mit laut Augenzeugen gezielten Kopfschüssen wurden Protestierende getötet.
Selbst die iranischen Behörden geben offiziell 3100 Tote an. Schätzungen unterschiedlicher Organisationen zufolge sollen bis zu 12.000 Menschen getötet worden sein. Überprüfen lässt sich derzeit natürlich keine der genannten Zahlen. Donald Trump wiederum mit seinem Hang zum Maximalismus bietet noch mehr. Er schrieb jüngst in seinem Onlinedienst nach der Verurteilung des Kriegs durch das Oberhaupt der Katholiken: „Kann bitte jemand Papst Leo sagen, dass der Iran in den letzten zwei Monaten mindestens 42.000 unschuldige, völlig unbewaffnete Demonstranten getötet hat?“
Und dann ist da noch ein anderer, seit Jahrzehnten beunruhigender Aspekt. Der Iran, seine Anführer, sprechen Israel schlichtweg das Recht ab, ein Staat zu sein und haben immer wieder öffentlich mit dessen Auslöschung gedroht. Es verwundert wenig, dass Israel auf die Gefahr, der Iran könnte trotz Dementis daran arbeiten, Atombomben herzustellen, eine Antwort sucht.
Die Lage im Nahen Osten ist ein Minenfeld für jeden politischen Akteur, auch wenn es der Papst ist. Leo XIV. hat den Krieg gegen den Iran verurteilt und vor allem die ultimative Aussage Donald Trumps, er könnte die iranische Zivilisation auslöschen, wenn es zu keinem Abkommen, sorry, keinem Deal komme. Das ist das gute Recht eines Papstes. Die Zeiten, da der Vatikan zu den Waffen gerufen hat, sind vorbei.
Der Pontifex hat im Jänner auch zu den Protesten im Iran und den Massakern Stellung bezogen. Er hat von Spannungen gesprochen und appelliert, Auseinandersetzungen zu beenden. Besonders mutig und kraftvoll hat sich das nicht angehört.
Vielleicht hätten sonst die jüngsten mutigen und kraftvollen Worte gegen den Krieg mehr Wirkung entfaltet. Ob es für einen Papst leichter ist, Opponent eines sich als christlich sehenden Präsidenten zu sein als einer Islamischen Republik?
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