Künstliche Intelligenz. Alphabet und Amazon zählen zu den größten Aktionären der KI-Firma, die heuer an die Börse gehen könnte. Zu melden haben sie nicht viel.

Mountain View. Erst vorige Woche hatte Amazon seine Beteiligung an der KI-Firma Anthropic aufgestockt. Da kann Google-Mutter Alphabet nicht nachstehen. Das Unternehmen investiert nun seinerseits zehn Milliarden Dollar in das KI-Unternehmen von Dario Amodei, dessen Börsengang noch heuer erfolgen könnte. Weitere 30 Milliarden Dollar sollen fließen, wenn Anthropic bestimmte Ziele erreicht. Doch was bezweckt Google mit dieser Investition?

Anthropic wurde im Jahr 2021 von den Geschwistern Dario und Daniela Amodei gegründet, die zuvor bei der ChatGPT-Mutter OpenAI tätig waren, sich aber mit deren Chef Sam Altman zerstritten hatten, weil sie fanden, diesem gehe es mehr um schnelles Wachstum als um Sicherheit. Anthropic setzte hingegen von Anfang an auf einen sicherheitsorientierten Ansatz. Die KI Claude gilt als äußerst zuverlässig und gut im Programmieren. Google hat zwar eine eigene KI, Gemini. Doch Anthropic ist ein großer Kunde von Googles Cloud-Dienstleistungen und spezialisierten KI-Chips (TPUs). Durch das Angebot von Claude über die Google-Cloud will man auch Kunden anziehen, die nicht Gemini, sondern Claude nutzen wollen. Auch will man Amazon nicht allein das Feld überlassen. Der Online-Händler hat kürzlich fünf Milliarden Dollar in Anthropic gesteckt – mit der Aussicht auf 20 weitere Milliarden Dollar, wenn bestimmte Vorgaben erfüllt werden. Anthropic ist nämlich auch Kunde von Amazons Cloud-Sparte AWS.

Die beiden Technologieriesen zählen zu den größten Aktionären von Anthropic. Ihr Einfluss ist dennoch begrenzt. Anthropic ist nämlich eine „Public Benefit Corporation“, eine gemeinnützige Aktiengesellschaft. Das Unternehmen ist sowohl dem Gemeinwohl und der KI-Sicherheit verpflichtet als auch dem Profit der Aktionäre. Geprüft wird es von einem „Long-Term Benefit Trust“, einem Gremium, das aus fünf Mitgliedern besteht. Dieses wurde ursprünglich vom Vorstand ernannt, nun ergänzt es sich selbst. Die Gründer, darunter die Amodei-Geschwister, halten B-Aktien mit erhöhtem Stimmrecht. Das wird auch nach dem Börsengang so bleiben. Google und Amazon haben derzeit gar keine Stimmrechte.

Wenn Anthropic an die Börse geht, gäbe es mindestens zwei Klassen von Aktien: eine für die Gründer mit vollem Stimmrecht und eine für die anderen Aktionäre mit eingeschränktem Stimmrecht. Auch Alphabet und Meta sind diesen Weg gegangen. Wirtschaftlich gesehen sind Amazon und Alphabet mit Anteilen von etwa 15 Prozent die größten Anteilseigner an Anthropic, gefolgt von den Gründern sowie anderen Investoren wie Fidelity oder Sequoia.

Auch OpenAI ist inzwischen eine „Public Benefit Corporation“. Größter wirtschaftlicher Anteilseigner ist Microsoft, gefolgt von der gemeinnützigen OpenAI-Foundation, die jedoch die meisten Stimmrechte hat. Der Rest entfällt auf Mitarbeiter und andere Investoren. Auch nach dem Börsengang dürfte die Stiftung wohl eine Art „Goldene Aktie“ behalten.

Ähnlich schaut es aus bei SpaceX, der Weltraumfirma von Elon Musk, unter deren Dach sich auch die KI-Firma xAI mit dem Chatbot Grok sowie die Twitter-Plattform X befinden. Auch hier wird Elon Musk knapp 80 Prozent der Stimmrechte behalten, obwohl er nur 42 Prozent der Anteile hält. Auch hier ist Alphabet ein Großaktionär.

Doch warum investieren Großkonzerne Milliarden in Unternehmen, wenn sie dort nicht einmal Mitspracherechte haben? Zunächst einmal hoffen sie, dass ihnen die Investition zu mehr Cloud- und Speicherchip-Geschäft verhilft und sie einen wichtigen Großkunden an sich binden. Sie stellen sich breiter auf. Und durch den Verzicht auf Stimmrechte oder Sitze im Verwaltungsrat müssen sie sich auch weniger vor kartellrechtlichen Problemen fürchten.

Und warum sollten Kleinaktionäre solche Papiere kaufen? Im Fall von Google und Meta haben sie es jedenfalls getan. Die Aktionäre wurden in beiden Fällen mit einer hohen Rendite belohnt. Auch bei SpaceX, OpenAI und Anthropic hoffen viele, dass diese Unternehmen die Welt verändern werden und großes Wachstumspotenzial haben – auch wenn die Aktien wohl nicht billig ausgegeben werden.

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