Tuareg-Rebellen und al-Qaida-Terroristen starteten größten Angriff seit Jahren. Berichten zufolge wurde der Verteidigungsminister getötet.

Wien/Bamako. Die Attacken waren konzertiert. Und noch viel größer als zunächst angenommen. Angehörige der FLA, einer von Tuareg angeführten Rebellengruppe und Jihadisten des al-Qaida-Ablegers Jama’at Nusrat al-Islam wal Muslimin (JNIM) haben sich am Wochenende nach eigenen Angaben zusammengetan, um eine Reihe von Angriffen gegen Einrichtungen der Militärregierung zu starten. Augenzeugen und Behörden berichteten von Schüssen und Explosionen in der Hauptstadt Bamako sowie in weiteren Orten wie Mopti, Gao oder Sévaré. Zu den Zielen zählten unter anderem Flughäfen, Kasernen und das Militärhauptquartier in Kati nahe Bamako.

Das ganze Ausmaß der Angriffe in dem strategisch wichtigen und von einer Militärregierung geführten Wüstenstaat war aber auch am Sonntag noch nicht klar. Berichten zufolge wurde auch Sadio Camara, der Verteidigungsminister der Militärregierung, getötet und seine Residenz zerstört, die sich auf dem Areal des Hauptquartiers in Kati befunden hat. Bestätigt war das zunächst nicht. Das Militär behauptete am Sonntag aber, die Lage im Land wieder unter Kontrolle gebracht zu haben. Daran gab es allerdings erhebliche Zweifel. An mehreren Orten, darunter auch in Kati, waren Berichten zufolge noch Schüsse zu hören.

Die FLA-Rebellen erklärten zudem, sie hätten die Stadt Kidal im Norden Malis weitgehend unter ihre Kontrolle gebracht, die sie bereits früher zeitweise kontrolliert hatten. Nach Angaben der FLA soll sich der Gouverneur von Kidal „mit seinen Männern im ehemaligen Lager der Minusma“ verschanzt haben; eine unabhängige Bestätigung dafür lag zunächst nicht vor. Minusma war die UN-Friedensmission in Mali, die 2023 beendet wurde. Die FLA behauptete auch, mit auf dem Gelände stationierten russischen Söldnern eine Vereinbarung über freies Geleit getroffen zu haben, während malische Soldaten dort festsäßen. Auch dafür gab es zunächst keine Bestätigung.

Mali hat strategisches Gewicht. Der instabile Wüstenstaat, 15-mal so groß wie Österreich, gilt als Drehscheibe für Waffen und Jihadisten und ist zugleich ein wichtiges Transitland für Flüchtlinge. Wegen der unsicheren Lage waren europäische Staaten dort jahrelang militärisch präsent. Auch das Bundesheer beteiligte sich an der EU-Ausbildungsmission EUTM sowie an der UN-Mission Minusma. Ein Grund für den Rückzug war, dass sich Mali nach den Militärputschen 2020 und 2021 von Europa und der ehemaligen Kolonialmacht Frankreich ab- und russischen Söldnern zugewandt hatte.

Der Abzug der Blauhelme hat die Sicherheitslage in Mali nicht stabilisiert. Bereits 2024 wurden bei einem Doppelangriff auf den Militärflughafen von Bamako und eine nahe gelegene Gendarmerieschule Dutzende Menschen getötet; auch den Anschlag reklamierte damals „Jnim“ für sich, die zurzeit vermutlich gefährlichste Terrororganisation in Westafrika.

Die Attacke vom Wochenende hatte noch einmal eine neue Qualität. „Wir haben es mit einer riesigen koordinierten Offensive im ganzen Land zu tun, wie wir es seit 2012 nicht mehr gesehen haben, als die Regierung das halbe Land verloren hat“, sagte Charlie Werb von der Sicherheitsfirma Aldebaran Threat Consultants der AFP. In Bamako habe es ein „schweres Sicherheitsversagen“ gegeben.

Analysten werteten die Angriffe auch als Beleg, dass sich jihadistische Gruppen in der Sahel-Zone immer mehr aus der Deckung wagen. Erst Ende Jänner war in Niamey, der Hauptstadt des benachbarten Niger, der Flughafen von einem Ableger der Terrormiliz IS attackiert worden. (strei/ag.)

Lesen Sie mehr zu diesen Themen: