Winward-Mercedes-Pilot Maro Engel, der schon am Samstag nach seiner Poleposition auf Siegkurs lag und nach einem verpatzten Boxenstopp am Ende nur Dritter wurde, sorgt am Sonntag für die Wiedergutmachung und gewinnt das zweite Rennen der DTM (komplettes Rennergebnis) auf dem Red-Bull-Ring.

„Das ist natürlich sehr besonders, vor allem nach dem, was gestern passiert ist“, erinnert der dreifache DTM-Rennsieger im Gespräch mit ran.de an den unglücklichen Boxenstopp am Samstag. „Ich bin unglaublich stolz auf meine Mannschaft. Genau so wollten wir zurückkommen und insofern ist der Sieg heute vielleicht noch ein bisschen süßer.“

Damit beendet der Deutsche sogar einen langjährigen Mercedes-Fluch in Österreich: Denn das letzte Mal, dass die Marke mit dem Stern einen DTM-Sieg in der Steiermark feiern konnte, liegt bereits 23 Jahre zurück. Der Schweizer Marcel Fässler holte in der DTM-Saison 2003 den bislang letzten Spielberg-Triumph für die Stuttgarter.

Für Maro Engel, der das Rennen vom fünften Startplatz in Angriff genommen hatte, ist es der dritte Karrieresieg in der DTM. „Es dürfen gerne mehr sein, aber heute war ein fantastischer Tag“, sagt der 40-Jährige. Hinter Engel komplettieren Schubert-BMW-Pilot Marco Wittmann und Lokalmatador Lucas Auer (Landgraf-Mercedes) das Podium.

Großer Frust bei Polesetter Kelvin van der Linde

Jules Gounon (Winward-Mercedes) wird Vierter, gefolgt von Nicki Thiim im Aston Martin von Comtoyou auf dem fünften Rang. Polesetter Kelvin van der Linde (Schubert-BMW) kommt nach einer unglücklichen Boxenstrategie schlussendlich nur als Sechster ins Ziel.

Kelvin van der Linde

BMW patzt bei der Strategie von Polesetter Kelvin van der Linde

Foto: ADAC Motorsport

Der Hals des BMW-Piloten war nach dem Rennen „ziemlich groß“, denn „ich glaube, wir haben heute einfach gewisse Sachen nicht richtig gemacht und dafür haben wir am Ende gezahlt“, schimpft Kelvin van der Linde im Gespräch mit ran.de. „Das, was ich aus meiner Perspektive gesehen habe, war zweimal die falsche Entscheidung.“

Ben Dörr (Dörr-McLaren) landet nach seinem unglücklichen Ausfall am Vortag auf dem siebten Platz, während DTM-Rookie Finn Wiebelhaus (HRT-Ford), Thierry Vermeulen (Emil-Frey-Ferrari) und Bastian Buus (Land-Porsche) die Top 10 am Sonntag komplettieren.

Wie schon am Samstag keine Vorfälle beim Start

Wie schon am Samstag blieben größere Zwischenfälle beim Start aus, sodass Kelvin van der Linde von der Poleposition zunächst in Führung gehen konnte. Dahinter sortierten sich der spätere Rennsieger Engel sowie AMG-Markenkollege Auer und Ford-Pilot Wiebelhaus ein.

Thiim folgte auf der fünften Position, vor Gounon und Wittmann. Der Franzose musste sich wenig später allerdings wieder hinter den Schubert-BMW-Piloten zurückfallen lassen, weil er Wittmann beim vorherigen Überholvorgang offenbar von der Strecke gedrückt hatte.

An der Spitze gelang es van der Linde in der Anfangsphase nicht, sich vom Rest des Feldes abzusetzen. Im Gegenteil: Engel setzte den BMW-Piloten bereits frühzeitig unter Druck, fand allerdings keinen Weg am Südafrikaner vorbei. Dahinter kamen die ersten Piloten bereits zum ersten von zwei vorgeschriebenen Reifenwechseln an die Box.

Maro Engel übernimmt Führung dank Undercut

Die Top 4, die sich inzwischen dicht zusammengeschoben hatten, blieb lange draußen. Engel, Auer und Wiebelhaus kamen zeitgleich an die Box, wobei sich an der Reihenfolge nichts änderte. BMW-Pilot Wittmann, der bereits vier Runden früher gestoppt hatte und seine Reifen deshalb schon auf Temperatur hatte, ging an Wiebelhaus und Auer vorbei.

Spitzenreiter Kelvin van der Linde kam als letzter Pilot zum ersten Reifenwechsel, wobei sich die Schubert-Mannschaft beim Boxenstopp keinen Fehler erlaubte. Doch der Undercut der Konkurrenz zahlte sich aus: Sowohl Engel als auch Teamkollege Wittmann gingen am Polesetter vorbei, der damit bereits auf den dritten Platz zurückgefallen war.

Auer, Gounon und Thiim kämpften dahinter um den vierten Rang, wobei sich der Österreicher wenig später aus diesem Dreikampf lösen konnte, während sich Thiim an der „Mamba“ von Gounon vorbeischieben konnte. Auch Wiebelhaus hatte in der Zwischenzeit den Anschluss an diese Kampfgruppe hergestellt.

Polesetter Kelvin van der Linde wird Sechster

Bis zum zweiten Pflichtstopp konnte sich Engel an der Spitze um fast zwei Sekunden absetzen, während Wittmann und van der Linde das BMW-interne Duell des Vortages neu aufleben ließen. Der Polesetter war offenbar schneller und setzte seinen Schubert-Teamkollegen unter Druck, fand allerdings keinen Weg vorbei.

Engel und van der Linde waren anschließend die ersten Piloten aus der Spitzengruppe, die zu ihrem zweiten Boxenstopp kamen. Eine Runde später folgten Wittmann, Auer, Thiim und Gounon, wobei der Stopp bei der Landgraf-Mannschaft besser lief als beim belgischen Comtoyou-Team, sodass die „Mamba“ an Thiim vorbeirutschte.

Maro Engel verteidigte seine Führung nach dem Pflichtstopp souverän, während van der Linde nach dem Boxenstopp zunächst bis auf den vierten Rang zurückgereicht wurde. In der Schlussphase geriet der Polesetter dann zunehmend unter Druck: Erst von Gounon, dann auch von Thiim. Wenige Minuten vor Rennende gingen beide Konkurrenten vorbei.

Der Vortagessieger und bisherige Tabellenführer Thomas Preining (Manthey-Porsche) landete auf dem 13. Platz. „Wir haben uns schon mehr vorgestellt, aber aus dem Mittelfeld startend war klar, dass wir kaum überholen können und auf den Geraden eher die Leidtragenden sind“, so Preining bei ran.de. „Aber das gehört dazu.“

Ex-Formel-1-Pilot Timo Glock (Dörr-McLaren) beendete das zweite Rennen am Sonntag auf dem 15. Platz, knapp vor Mirko Bortolotti, der wie schon am Samstag der beste Lamborghini-Pilot war, am Sonntag allerdings ohne Punkte blieb. AMG-Pilot Maro Engel übernimmt mit seinem Sieg auch die Führung in der DTM-Gesamtwertung.

Das nächste DTM-Rennen findet in vier Wochen statt, wenn die GT3-Serie auf dem Dünenkurs im niederländischen Zandvoort (22. bis 24. Mai) gastiert.

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