Paris ‒ Die Hürde Real Madrid knackte der FC Bayern bereits im Viertelfinale der Champions League. Im Halbfinale am Dienstag (21.00 Uhr/live Sky) wartet mit Paris Saint-Germain gleich die nächste Fußball-Großmacht. Befreit vom Druck der Bundesliga und voller Selbstbewusstsein gastiert Deutschlands Meister bei den Franzosen, die ihrerseits in der Ligue 1 ebenfalls unmittelbar vor dem Titelgewinn stehen.

ÖFB-Teamspieler Konrad Laimer und Co. wollen im Hinspiel den ersten Schritt zum Triple machen, müssen gegen den Titelverteidiger aber auf eine Schlüsselfigur verzichten: Der gesperrte Bayern-Coach Vincent Kompany wird das Spiel nämlich nach seiner gegen Real erhaltenen dritten Gelben Karte nur von der Tribüne aus verfolgen.

Co-Trainer Aaron Danks schlüpft damit in eine ungewohnte Rolle. Der 42-jährige Engländer vertritt den Chefcoach im Prinzenpark-Stadion an der Seitenlinie. „Natürlich werden wir ihn vermissen“, sagte Goalgetter Harry Kane zu der Premiere ohne Kompany. „Er ist unser Anführer, er ist unser Boss.“

Was sind die Konsequenzen? Vorbereitung, Taktik, Aufstellung – alles das darf der 40 Jahre alte Belgier noch erledigen. Aber nach der Ankunft des Münchner Teams im Stadion ist Kompany raus – dann muss sein Assistent die Chef-Rolle ausfüllen. Ebenfalls fehlen werden nach ihren Muskelverletzungen die Youngster Lennart Karl und Tom Bischof. Dazu fallen Serge Gnabry und Raphael Guerreiro aus.

Mit Bayern und Paris treffen zwei Trainer-Teams aufeinander. Kompany hat die Bayern-Maschine geformt, der Spanier Luis Enrique das beste PSG-Ensemble, das es je gab. „Wir sind bereit“, verkündete Enrique, dem der zuletzt verletzte Taktgeber Vitinha zur Verfügung steht. PSG ist 2026 wieder das Nonplusultra, offensiv brillant, im Mittelfeld präsent – und defensiv deutlich stärker als Real Madrid. „Paris ist der aktuelle Champion in Europa – und das nicht ohne Grund“, betonte Kane voller Respekt vor Superstar Ousmane Dembélé und Co.

Aber die Kompany-Bayern sind womöglich ein noch besseres Kollektiv als das Triple-Team 2020 unter Hansi Flick. Damals wurde PSG beim Finalturnier in Lissabon im Endspiel mit 1:0 besiegt. „Wir haben das Gewinnergefühl“, sagt Kane nicht ohne Grund – die Bayern gewannen gegen Paris fünf der jüngsten sechs Duelle. Zuletzt erst im November in der Ligaphase (2:1). Luis Diaz traf auswärts doppelt, ehe er nach einem Foul an Achraf Hakimi die Rote Karte sah. In Unterzahl verteidigten die Bayern mit einem herausragend haltenden Manuel Neuer leidenschaftlich. „Wir erwarten dasselbe Spiel wie damals“, sagte Kane.

Dass sich die mit je 38 erzielten Toren im laufenden Bewerb trefferfreudigsten Teams matchen, hat für Enrique nicht zuletzt eine Konsequenz: „Wenn Teams gut attackieren, musst du wissen, wie man verteidigt. Das wird der Schlüssel sein“, erklärte der 55-Jährige und versprach den Fans „ein attraktives Spiel, egal, wen man unterstützt. Beide Teams spielen eine großartige Saison.“ Im Vergleich zur vergangenen Saison, als man mit dem klaren 5:0-Finaltriumph über Inter Mailand den Bann in der Champions League brach, sei die Erwartungshaltung bei den Franzosen diesmal dennoch aber etwas anders. „Das erste Mal war eine Erleichterung. Jetzt wollen wir mehr.“ (TT, APA, dpa)