Nur wenige Endzeitfilme warten mit dermaßen markanten Bildern auf wie die 28-Reihe, die 2002 mit 28 Days Later ihren Anfang genommen hat und uns in die verlassenen Straßen von London entführte. Inzwischen ist die Mischung aus modernem Zombie-Horror und rastlosem Survival-Thriller in der Postapokalypse angekommen.
28 Years Later: The Bone Temple, der jüngste Teil der Reihe, erweist sich als tiefer Blick in den Abgrund der menschlichen Seele. Nachdem der unerbittliche Überlebenskampf im Januar ins Kino kam, feiert er nun bei Netflix seine Streaming-Premiere im Abo. Die Geschichte schließt direkt an die Ereignisse von 28 Years Later an.
Endzeit-Fortsetzung 28 Years Later: The Bone Temple beschwört bei Netflix den Teufel herauf
Tatsächlich gehen 28 Years Later und The Bone Temple direkt ineinander über. Auf der Flucht vor einer Horde Infizierter rennt Spike (Alfie Williams) einem viel größeren Übel in die Arme: Sir Jimmy Crystal (Jack O’Connell). Der Anführer der Jimmys will ihn allerdings (noch) nicht sterben sehen und macht ihn zum Teil seiner Gang.
Die Jimmys morden sich gewissenslos durch die Gegend und zelebrieren das Töten ihrer Opfer auf bestialische Art und Weise. Spike muss mitziehen, wenn er nicht als Nächster dran sein will. Doch dann wird der Anführer der Gruppe plötzlich nervös: War das etwa gerade sein Vater in dem Knochentempel? Sein Vater … der Teufel?
Parallel dazu kehrt der aus 28 Years Later bekannte Dr. Ian Kelson (Ralph Fiennes) zurück und versucht, dem infizierten Samson (Chi Lewis-Parry) ein Stück seiner Menschlichkeit zurückzugeben. Dabei läuft er Gefahr, jeden Augenblick von dem todbringenden Alpha in Stücke gerissen zu werden. Kelson geht das Risiko ein.
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The Bone Temple ist eine faszinierende Fortführung der Reihe, da sich der Film weniger wie ein klassisches Sequel, sondern eher wie ein Epilog oder ein Appendix zu 28 Years Later anfühlt. Die Handlung macht keine großen Schritte nach vorne. Stattdessen kreisen wir um extrem dicht formulierte Gedanken zum Überlebenskampf.
Welche Strategien eigenen sich Menschen an, um irgendwie in dieser neuen Realität klarzukommen, die nur aus Tod zu bestehen scheint? 28-Architekt Alex Garland hat ein präzises, erbarmungsloses Drehbuch geschrieben, das die Figuren mit jeder Minute weiter in die Finsternis treibt, ehe sie sich in der Hölle wiederfinden.
Der titelgebende Knochentempel verwandelt sich in einen Feuerkreis, in dem die Lügen, die man sich zum Überleben ausgedacht hat, plötzlich real werden. Die Grenzen zwischen Wirklichkeit und Inszenierung verschwimmen, während der Film zwischen Folter-Horror, Rock-Oper und einem Rausch offengelegter Emotionen schwankt.
Regisseurin Nia DaCosta setzt The Bone Temple mit erschütternder Härte in Szene, ohne die einfühlige, existenzielle Ebene des Vorgängers zu vergessen. Egal, wie verstörend der Film in seinen ersten Szenen ist: Am Ende kommt er immer wieder zu der famosen Performance von Ralph Fiennes zurück, die selbst den Teufel erdet.
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Im Kino war The Bone Temple leider ein Flop. Bei einem Budget von 63 Millionen US-Dollar konnte die Fortsetzung nur 56,9 Millionen US-Dollar einspielen. Hoffen wir, dass der Film bei Netflix seine Popularität ausbauen kann, sodass die nun angerissene 28 Years Later-Trilogie mit einem würdigen Abschluss beendet werden kann.
28 Years Later: The Bone Temple streamt seit dem 26. April 2026 bei Netflix.