
AUDIO: Filmtipp: „Rose“ mit Sandra Hüller (4 Min)
Stand: 28.04.2026 09:01 Uhr
Für die Rolle einer Frau, die sich im 17. Jahrhundert als Mann ausgibt, bekam Sandra Hüller bei der Berlinale dieses Jahr den Silbernen Bären für die beste schauspielerische Leistung. Jetzt kommt „Rose“ in die Kinos.
Filme in Schwarz-Weiß zu drehen, liegt gerade im Trend. In „Rose“ aber geht es dabei um mehr als schicke Optik. Die Schwarz-Weiß-Bilder schaffen hier die notwendige Distanz zu der Zeit, in der die Geschichte spielt, und den Figuren, die uns – 400 Jahre später – in ihrem Handeln und Denken eben nicht unmittelbar zugänglich sind.
Video:
Trailer zum Film: „Rose“ (2 Min)
Zwischen Maskerade und Selbstbestimmung
Rose kommt aus dem Dreißigjährigen Krieg, wo sie in Männergestalt als Soldat gekämpft und sich eine Kugel im Gesicht eingefangen hat. Im Dorf wird der mysteriöse Fremde misstrauisch beäugt. Da jedoch ein amtliches Dokument ihn als Erben eines verwaisten Gutshofs ausweist, muss man ihn diesen wohl oder übel beziehen lassen. Rose aber, die ihre wahre Identität hinter grober männlicher Bauernkluft verbirgt, beweist, dass sie hart anpacken kann. Das Haus wird wohnlich, die Ernte gedeiht. So verdient sie sich den Respekt des benachbarten Großbauern.
Es geht um Grenzüberschreitung in diesem Film – und Grenzverletzung. Rose ist eine zwiespältige Figur. Von der Erzählerin wird sie eingangs als „Land- und Leutebetrügerin“ vorgestellt. Regisseur Markus Schleinzer war auf einen ähnlich gelagerten historischen Fall gestoßen und fand, als er zu recherchieren begann, Dutzende andere, in denen Frauen ihre Gründe hatten, sich mit abgebundener Brust unter Männer zu mischen – oder sich vor ihnen zu schützen. „In der Hose steckt mehr Freiheit“ – das ist der Schlüsselsatz des Films. Ein selbstbestimmtes Leben wäre für Rose als Frau in ihrer Zeit schlicht nicht möglich. Mit ihrem Betrug ertrotzt sie sich eine unabhängige Existenz.

Das Spiel mit Geschlechterrollen hat im Kino eine lange Tradition: mal witzig, mal tragisch – und oft beides zugleich.
Brillante Sandra Hüller trägt den Film
Mit Sandra Hüller vor Augen hatte Regisseur Schleinzer schon das Drehbuch geschrieben. Und sie meistert die schwierige Rolle bravourös. Tritt mit breitbeinig männlicher Körperhaltung glaubwürdig maskulin auf und lässt den verbissenen Gesichtsausdruck weicher, weiblicher werden, sobald sie enttarnt ist.
Dass die Geschichte nicht gut ausgehen kann, ahnt man. In ihrem Wagemut fordert Rose das Schicksal einmal zu oft heraus, als sie einer Heirat mit der Tochter des Nachbarbauern zustimmt…
Historiendrama „Rose“: Leise, aber eindringlich
Die Hauptfigur Rose wird nicht psychologisch ausgedeutet, der Grund für ihren Geschlechtswechsel nicht ausdrücklich genannt. Eine möglicherweise queere Identität ist nur eine von verschiedenen Lesarten, für die der Film durchlässig ist. Die reduzierte, auch an Worten karge Erzählweise dieses Historiendramas lädt weniger zur Identifikation ein als zur Auseinandersetzung mit traditionellen Geschlechterzuschreibungen und ihrer – aus heutiger Sicht empörenden – Begründung mit der „göttlichen Ordnung“. Markus Schleinzer führt in „Rose“ überzeugend vor, dass ein Film nicht emotional überwältigen muss, um dennoch einen tiefen Eindruck zu hinterlassen.

Mit viel Humor und großer Verspieltheit erzählt „Der Astronaut“ eine ebenso spektakuläre wie erstaunlich menschliche Rettungsmission.

Sie gilt als eine der renommiertesten deutschen Schauspielerinnen, war für einen Oscar nominiert und hat zahlreiche Preise bekommen.

Rose
Genre:
Drama
Produktionsjahr:
2026
Produktionsland:
Österreich, Deutschland
Zusatzinfo:
Mit Sandra Hüller, Caro Braun, Marisa Growaldt und anderen
Regie:
Markus Schleinzer
Länge:
93 Minuten
Altersempfehlung:
ab 12 Jahren
Kinostart:
30. April 2026