Vulkane, die über lange Zeiträume keine Lava oder Asche mehr ausgestoßen haben, werden in der Fachwelt oft als erloschen eingestuft. Üblicherweise gilt eine Grenze von etwa 10.000 Jahren Inaktivität als Anhaltspunkt für dieses Urteil. Doch eine Forschungsgruppe unter der Leitung von Olivier Bachmann von der ETH Zürich hat nun am Beispiel des griechischen Vulkans Methana nachgewiesen, dass diese Einschätzung falsch und damit gefährlich sein kann. Methana, der nur etwa 60 Kilometer von Athen entfernt liegt, zeigte zwischen zwei Aktivitätsphasen mit Ausbrüchen über mehr als 100.000 Jahre hinweg kaum äußere Lebenszeichen, während sich im Untergrund gewaltige Mengen Magma ansammelten.

Die Forscher untersuchten für ihre Studie mehr als 1250 Zirkon-Kristalle aus insgesamt 31 verschiedenen Eruptionen, die einen Zeitraum von 700.000 Jahren abdecken. Zirkone sind winzige Mineralien, die entstehen, wenn Magma in Reservoiren abkühlt. Sie speichern wie natürliche Zeitkapseln Informationen über die Bedingungen und den Zeitpunkt ihrer Entstehung. „Wir können uns Zirkonkristalle wie winzige Flugschreiber vorstellen“, sagt Olivier Bachmann, Professor für Vulkanologie und magmatische Petrologie der ETH Zürich.

Die versteckte Geschichte der Zirkone

Die Analyse dieser Kristalle offenbarte das Innenleben des Vulkans mit einer bisher unerreichten Präzision. Dabei zeigte sich eine überraschende Diskrepanz: Die Phase mit der höchsten Wachstumsrate an Zirkonen – ein klares Indiz für intensive magmatische Aktivität im Untergrund – fiel genau in die Zeit der längsten oberflächlichen Ruhephase von über 100.000 Jahren. „Das ist ein klares Zeichen, dass im Untergrund das Magma sehr aktiv war – nur eben ohne an die Oberfläche zu gelangen“, sagt Răzvan-Gabriel Popa, Erstautor der Studie.