Es ist nach langem wieder ein Jahr mit einem Plus davor. 2025 erzielte die metalltechnische Industrie nach zwei Jahren Rezession ein leichtes Produktionswachstum auf rund 47 Mrd. Euro. Das entspricht einem Plus von 2,7 Prozent (real und preisbereinigt) im Vergleich zu 2024.
In den beiden Rezessionsjahren 2023 und 2024 lag der Rückgang des Produktionswertes zusammen bei knapp 16 Prozent. Damit ist das Plus aus dem Vorjahr ein Zuwachs mit einer bitteren Note: „Die leichte Erholung aus dem Vorjahr kann den Einbruch in den Jahren zuvor bei Weitem nicht wettmachen. Der anhaltende Rückgang bei den Exporten, vor allem in die USA, schmerzt uns besonders. Die Folge ist ein dramatischer Jobverlust in unserer Branche“, heißt es von Christian Knill, Obmann des Fachverbands Metalltechnische Industrie, bei der Präsentation des Jahresergebnisses der Branche am Dienstag.
Gesunken sind die Exporte im Vorjahr um zwei Prozent auf 39,1 Mrd. Euro. Besonders spürbar war der Rückgang bei Ausfuhren in die USA mit 23 Prozent. Die Exporte nach Deutschland, dem wichtigsten Markt für Österreich (Anteil von 27 Prozent), sanken um 1,3 Prozent.
Gestiegen sind allerdings die Exporte nach China. Und zwar um 13 Prozent. Gemessen am Gesamtexport machen Ausfuhren nach China aber nur sechs Prozent aus.
Sorgenkind sind die Beschäftigten. 2025 haben rund 4700 Menschen ihren Job in der Branche verloren, ein Rückgang um 4,2 Prozent. In den vergangenen zwei Jahren zusammen wurden die Stellen von rund 10.000 Beschäftigten und 4000 Leiharbeitsstellen abgebaut.
Den teilweisen Hauch von Hoffnung macht die geopolitische Situation wett. Wegen des Konflikts im Nahen Osten korrigierten die Wirtschaftsforscher von Wifo und IHS das für heuer prognostizierte Wirtschaftswachstum von 1,2 bzw. 1,0 Prozent nach unten. Nach den Rezessionsjahren 2023 und 2024 sollte sich die heimische Volkswirtschaft weiter erholen. Doch mit dem Ausbruch des Iran-Kriegs Ende Februar scheint dieser Aufschwung aber gedämpft zu sein.
Knapp mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen rechnet mit einem Rückgang ihrer Produktion. Zwei Drittel halten einen Aufschwung in den kommenden sechs Monaten für unrealistisch. Rund 40 Prozent der Befragten erwarten ein negatives Betriebsergebnis für 2026.
Die drohende Folge: weiterer Stellenabbau. Nur 15 Prozent der Befragten rechnen mit steigender Beschäftigung an ihrem Standort. Unternehmen würden Standorte und Stellen ins Ausland verlagern, sagt Knill. Denn 60 Prozent der Befragten geben an, dass die Beschäftigung an ihren Auslandsstandorten zunehmen wird. Das bedeute, dass die Unternehmen ihre Investitionen außerhalb von Österreich tätigen werden, glaubt man den Umfragen.
Montagabend präsentierte die Bundesregierung ihren Budgetpfad. Dort wurde ein lange gehegter Wunsch der Wirtschaft erfüllt: und zwar die Senkung der Lohnnebenkosten. Auf Wunsch von ÖVP und NEOS werden diese ab 2028 über die Dienstgeberbeiträge zum Familienlastenausgleichsfonds (FLAF) gesenkt. Der derzeit geltende Satz für Dienstgeber von 3,7 Prozent soll um einen Prozentpunkt gesenkt werden. Diese Entlastung kostet pro Jahr rund zwei Milliarden Euro.
„Die Senkung der Lohnnebenkosten ist ein erster guter Schritt.“ Ob sie ausreichend und früh genug kommt, beantwortet Knill klar: Nein. „Lieber hätten wir eine Senkung der gesamten 3,7 Prozent gehabt.“
Die Senkung soll zudem gegenfinanziert werden. Und das sollen zu einem Gutteil die Unternehmen selbst machen. Zum einen müssen Firmen künftig für ihre Belegschaft über 60 in den Familienlastenausgleichsfonds (FLAF) einzahlen. Zum anderen soll die Körperschaftsteuer (KöSt) von derzeit 23 auf 24 Prozent für Unternehmen mit einem Gewinn von mehr als einer Mio. Euro erhöht werden. Bringen würde das 300 Mio. Euro.
„Eine Gegenfinanzierung, die wir nicht selber bezahlen, hätten wir auch lieber gehabt“, sagt Knill. Ein Nullsummenspiel ist die Entlastung aber nicht, heißt es von der MTI. Woher der Rest der Gegenfinanzierung für die Senkung der Lohnnebenkosten kommen soll, blieb am Montag von der Politik noch offen. Verwiesen wurde auf Umschichtungen. Finanzminister Markus Marterbauer (SPÖ) pochte auf eine vollständige Gegenfinanzierung für die Senkung der Lohnnebenkosten.
In etwas mehr als einem halben Jahr steigen die Gehälter in der Branche wieder. „Dafür haben wir im Vorjahr – mit dem Doppelabschluss – inflationsdämpfend vorgearbeitet. Das wird die Unternehmen weniger belasten“, sagt Knill.
Am 1. November 2025 stiegen die Ist-KV-Löhne und -Gehälter um 1,41 Prozent. Heuer im November steigen die Ist-KV-Einkommen um 2,1 Prozent. Das wird wahrscheinlich unter der Inflation liegen. Denn für 2026 rechnen die Wirtschaftsforscher mit einer Teuerung von 2,7 Prozent.
Auf einen Blick
Die 130.000 Beschäftigten in der metalltechnischen Industrie (MTI) erwirtschafteten 2025 einen Produktionswert von rund 47 Milliarden Euro. Die exportorientierte Branche ist mittelständisch strukturiert, besteht zu mehr als 85 Prozent aus Familienunternehmen und ist für ein Viertel aller österreichischen Exporte verantwortlich. 1100 Unternehmen aus den Bereichen Maschinenbau, Metallwaren, Anlagenbau, Stahlbau und Gießerei sind im Fachverband vertreten. Rund 800 davon haben ihren Produktionsschwerpunkt in der metalltechnischen Industrie und wenden den Kollektivvertrag der MTI an. Der Fachverband Metalltechnische Industrie ist einer der größten Wirtschafts- und Arbeitgeberverbände Österreichs und eine eigenständige Organisation in der Wirtschaftskammer Österreich.