Zuletzt hatten wir uns mit dem WireView Pro II von Thermal Grizzly sowie dem Ampinel von Aqua Computer und damit den aktiven Überwachungs- und Abschalteinrichtungen für den problematischen 12V-2×6-Anschluss beschäftigt. Heute nun bringt Corsair ein 12V-2×6-Kabel mit eingebauter Over Temperature Protection (OTP) auf den Markt, welches mit dem Produktnamen ThermalProtect erscheinen wird. Wir haben uns das ThermalProtect-Kabel genauer angeschaut.

Die bisher vorgestellten Lösungen in Form zusätzlicher Hardware, wie eben das WireView Pro II (bzw. die diversen anderen WireView-Varianten), das Ampinel, aber auch Überwachungsmöglichkeiten wie der Safeguard+ von MSI und oder der ROG Equalizer von ASUS, setzen proprietäre Hardware aufseiten des Netzteils voraus.

Das ThermalProtect-Kabel ist ein natives 12-V-2×6-Kabel, welches zu jeglicher Hardware, sei sie auf der stromliefernden oder auf der stromaufnehmenden Seite, kompatibel ist.

Das ThermalProtect-Kabel hat eine Länge von 650 mm. Es wird in den Farben Schwarz und Weiß erhältlich sein und soll 17,90 Euro kosten. Integriert ist eine Over Temperature Protection (OTP) direkt im Kabel. Die dazugehörige Sensorik befindet sich in einem Kabelkamm. Die mit dem Kabelkamm versehene Seite des ThermalProtect-Kabels soll in die Grafikkarte gesteckt werden, die andere dementsprechend in das Netzteil.

Aus dem Kabelkamm führen zwei Kabel, die an die Sense-Pins 0 und 1 eingeschlossen sind. Der Abstand zwischen dem Kabelkamm und dem 12V-2×6-Stecker beträgt etwa 30 mm. Ab einer Temperatur von 65 °C soll die OTP greifen.

Corsair ThermalProtect 600W 12V-2x6-Kabel

Auf dem obigen Bild ist der Kabelkamm in direkter Nähe zum 12V-2×6-Anschluss zu erkennen. Auch die beiden Kabel, die vom Kabelkamm zum Stecker führen, sind gut zu erkennen.

Corsair ThermalProtect 600W 12V-2x6-Kabel Corsair ThermalProtect 600W 12V-2x6-Kabel

In den beiden weiteren Bildern ist zu erkennen, dass Corsair den Teil des Steckers, der komplett in die Buchse eingeführt werden soll, farblich grau markiert. Bei Einstecken des 12V-2×6-Kabel ist darauf zu achten, dass dieser Bereich nicht mehr sichtbar ist. Auch andere Hersteller setzen auf eine deutliche Markierung in diesem Bereich und wollen es dem Nutzer damit einfacher machen, zu erkennen, ob der Stecker korrekt in der Buchse sitzt.

Obwohl es schwierig ist, die genaue Ursache für eine Überhitzung eines Kabels mit hundertprozentiger Sicherheit zu bestimmen, gilt in den meisten Fällen eine unzureichende Verbindung zwischen Kabel und Grafikkarte als wahrscheinlichster Auslöser. Die betreffende Schnittstelle wurde ursprünglich unter der Bezeichnung 12VHPWR eingeführt und später zur heute bekannten Version 12V-2×6 überarbeitet. Ein zentrales Ziel dieser Weiterentwicklung bestand darin, den Kontakt zwischen Kabel und GPU zu verbessern. Dies wurde unter anderem dadurch erreicht, dass die sogenannten Sense-Pins verkürzt wurden. Dadurch ist sichergestellt, dass das Kabel vollständig eingesteckt sein muss, damit die Verbindung ordnungsgemäß funktioniert. Dennoch kommt es immer wieder zu Problemen und Schäden an der Hardware.

Auslösen des ThermalProtect-Kabel

Natürlich wollten wir uns die OTP-Funktion in der Praxis anschauen. Dazu haben wir eine ASUS ROG Astral GeForce RTX 5090 OC verwendet, dort das WireView Pro II eingesteckt und darin wiederum das ThermalProtect-Kabel. Über das WireView Pro II haben wir die Leistungsaufnahme überwacht und hatten zudem eine Temperatur für den 12V-2×6-Eingang. Ab 65 °C sollte die Over Temperature Protection greifen.

Bei 600 W erreichte die Buchse am WireView Pro II 55,4 °C. Noch zu wenig, damit der Schutzmechanismus greifen konnte bzw. musste.

Corsair ThermalProtect 600W 12V-2x6-Kabel

Mehr als etwa 55 °C erreichten Stecker und Buchse bei uns auch nicht. Also griffen wir zu einer Unterstützung in Form eines Föhns, um die Temperaturen am Kabelkamm zu erhöhen.

Corsair ThermalProtect 600W 12V-2x6-Kabel

Die Grenze von etwa 65 °C war mithilfe des Föhns schnell erreicht, es sollte aber noch etwas dauern, bis auch die Temperatursensoren im Kabelkamm diesen Schwellwert erreicht hatten. Plötzlich hieß es dann: Monitor aus. Die Stromversorgung zur Grafikkarte wurde unterbrochen. In der Funktion tut das ThermalProtect-Kabel also genau das, was auch beschrieben wird.

Wiederverwendung des ThermalProtect-Kabel

Sollte das ThermalProtect-Kabel einmal ausgelöst haben, sollte der Nutzer laut Corsair wie folgt vorgehen:

Bei ausgeschaltetem PC sollte zunächst das Netzteil deaktiviert und vom Stromnetz getrennt werden. Anschließend wird das Seitenteil des Gehäuses geöffnet, um die Temperaturentwicklung im Bereich des GPU-Stromkabels zu prüfen. Dabei kann die Rückseite der Hand in geringem Abstand – ohne Berührung – an die Steckverbindung gehalten werden. Ist bereits aus kurzer Distanz eine deutliche Wärmeabstrahlung spürbar, empfiehlt es sich, den Rechner bei geöffnetem Gehäuse für etwa 20 Minuten abkühlen zu lassen.

Nach dem Abkühlen sollte insbesondere die Verbindung zwischen Kabel und Grafikkarte überprüft werden, da diese häufig die Ursache für eine Überhitzung darstellt. Hierzu wird das 12V-2×6-Kabel vorsichtig entfernt und sowohl der Kabelstecker als auch der Anschluss an der GPU visuell auf mögliche Schäden untersucht. Sind keine Auffälligkeiten erkennbar, kann das Kabel wieder angeschlossen werden. Dabei ist sicherzustellen, dass der Stecker vollständig und fest sitzt; ein hörbares Einrasten („Klick“) der Verriegelung dient als Indikator für eine korrekte Verbindung. Zur Absicherung sollte dieser Vorgang auch auf der Netzteilseite wiederholt werden.

Nach dem erneuten Anschließen empfiehlt sich eine genaue Sichtprüfung. Da die Steckerkontakte an den Enden grau gefärbt sind, lässt sich eine vollständige Verbindung daran erkennen, dass keine grauen Bereiche mehr sichtbar sind.

Fazit

Das ThermalProtect-Kabel bietet eine einfache Überwachung des 12V-2×6-Anschluss in direkter Nähe zur Buchse an der Grafikkarte. Mit direkter Nähe ist ein Bereich von 30 mm entfernt von Stecker und Buchse gemeint. Bei schlechten Kontaktwiderständen erwärmen sich natürlich auch die Kabel, wie warm diese im Zweifelsfall werden, steht noch einmal auf einem anderen Blatt. Die meisten der Schadensfälle am 12VHPWR- und 12V-2×6-Anschluss zeigen sich in verbrannten Steckern und Buchsen, die dann mehr als 65 °C erreicht haben. Die Überwachung der Kabeltemperatur der Problematik in jedem Fall vorbeugen kann, bezweifeln wir allerdings.

Eine Temperaturüberwachung etwa 30 mm hinter dem 12VHPWR- bzw. 12V-2×6-Anschluss liefert ein deutlich indirekteres Bild der thermischen Situation als eine Messung direkt an Stecker und Buchse. Der zentrale Punkt ist, dass die maßgebliche Verlustleistung im Fehlerfall am Kontaktübergang entsteht – also genau dort, wo erhöhte Übergangswiderstände auftreten. Diese lokal erzeugte Wärme breitet sich erst zeitverzögert entlang des Leiters aus. Entsprechend misst ein Sensor in gewissem Abstand nicht die eigentliche Quelle, sondern nur deren abgeschwächte und verzögerte Auswirkung.

Der größte Vorteil einer solchen distanzierten Messung liegt in der praktischen Umsetzung. Sie ist mechanisch einfacher, da keine Integration von Sensorik in den Stecker selbst erforderlich ist. Das reduziert konstruktive Komplexität und eliminiert das Risiko, die Kontaktqualität durch zusätzliche Bauteile zu beeinträchtigen. Gleichzeitig sind die Anforderungen an Isolation und elektromagnetische Verträglichkeit geringer, da sich der Sensor nicht unmittelbar im hochstromführenden Kontaktbereich befindet. Zudem erfasst diese Position eher die allgemeine Erwärmung des Kabels unter Dauerlast und kann damit Hinweise auf systemische thermische Belastung liefern, etwa durch ungünstige Verlegung oder eingeschränkten Luftstrom.

Corsair ThermalProtect 600W 12V-2x6-Kabel

Dem stehen jedoch klare funktionale Nachteile gegenüber. Eine Messung mit Abstand reagiert zwangsläufig träger, weil die Wärme erst über das Leitermaterial übertragen werden muss. Kritische Zustände wie ein sich verschlechternder Kontakt mit stark ansteigendem Übergangswiderstand werden daher verzögert erkannt. Zusätzlich wird die Temperaturspitze auf dem Weg entlang des Kabels deutlich gedämpft. Das kann dazu führen, dass am Sensor nur moderate Temperaturen anliegen, obwohl im Stecker selbst bereits gefährlich hohe Werte erreicht werden. In der Praxis erhöht sich das Risiko, problematische Zustände nicht rechtzeitig zu erkennen.

Hinzu kommt, dass die Aussagekraft der Messung deutlich eingeschränkt ist. Während eine direkte Temperaturerfassung am Stecker klar auf ein lokales Problem hinweist, vermischt eine weiter entfernte Messung verschiedene Einflussgrößen. Erhöhte Temperaturen können sowohl durch hohe Dauerströme als auch durch schlechte Kontaktverhältnisse entstehen, lassen sich aber nicht eindeutig zuordnen. Außerdem reagieren solche Messpunkte empfindlicher auf externe Faktoren wie Gehäuselüftung, Umgebungstemperatur oder Kabelführung.

Eine direkte Temperaturmessung am Stecker oder in unmittelbarer Nähe der Kontaktflächen ist aus technischer Sicht deutlich präziser. Thermal Grizzly setzt für das WireView Pro II beispielsweise 80 °C an. Zudem reagieren diese schon auf eine Schieflast im Strom, bevor es zu einer Erwärmung von Stecker und Buchse kommt. Damit erfassen sie die relevante Stelle ohne nennenswerte Verzögerung und sind besonders sensitiv gegenüber den typischen Fehlerbildern dieser Steckverbindung. Allerdings erfordert sie eine aufwendigere Integration und eine sorgfältige thermische Ankopplung, um tatsächlich die kritischen Bereiche zu überwachen, ohne die mechanische oder elektrische Funktion zu beeinträchtigen.

Mit 100 Euro und mehr ist die zusätzliche Hardware mit direkter Temperaturmessung am Stecker aber auch deutlich teurer als das ThermalProtect-Kabel von Corsair, das nur 17,90 Euro kosten soll. Für eine gewisse Beruhigung kann das Kabel sicherlich sorgen, es entbindet den Nutzer aber nicht davon, genau darauf zu achten, dass die Steckerverbindungen korrekt eingesteckt sind.

Corsair ThermalProtect-Kabel

Pro günstiger Preiseinfache Konstruktion und Handhabungkeine Beeinflussung des Übergangswiderstand Kontra eingeschränkte Aussagekraft über Stecker-TemperaturenAbhängigkeit von Umgebungseinflüssen